Das mittelständische Speditionsunternehmen Rüdinger in Krautheim blickt auf ein solides Geschäftsjahr 2025 zurück. In einem weiterhin angespannten wirtschaftlichen Umfeld hat sich der auf das Stückgutgeschäft spezialisierte Logistiker behauptet und den Umsatz leicht gesteigert. Die Erlöse legten um 0,6 Prozent auf 84,9 Millionen Euro zu. Zum Jahresende beschäftigte das Unternehmen 700 Mitarbeiter, darunter 53 Auszubildende.
Gleichzeitig treibt Rüdinger den strukturellen Umbau seines Geschäftsmodells voran. Ein Schwerpunkt liegt auf der Elektrifizierung des Fuhrparks. Von insgesamt 230 eigenen Lastwagen werden inzwischen 29 elektrisch betrieben, aktuell sind 36 batterieelektrische Fahrzeuge im Einsatz. Damit ist rund die Hälfte des Nahverkehrs bereits emissionsfrei unterwegs. Durch ein konsequentes Einsatzkonzept – tagsüber regionale Zustellung, nachts Transporte zu Warenumschlagpunkten – wird mittlerweile rund die Hälfte der Gesamttransportstrecke batterieelektrisch gefahren.
CO₂-freier Palettenversand ohne Mehrkosten
Dank dieser elektrischen Basis führt die Rüdinger Spedition nun das neues Produkt CO₂-freies Sammelgut beziehungsweise CO₂-freier Palettenversand ein– ohne Mehrkosten. Kunden, die feste Mengen zusagen, erhalten damit einen bilanziell emissionsfreien Versand. Möglich wird dies durch ein Tauschsystem an den Umschlagpunkten, bei dem die Rüdinger-Lkw batterieelektrisch anliefern und im Gegenzug konventionell zugestellte Sendungen übernehmen. Die Transportstrecken werden bilanziert, so dass Rüdinger zufolge der deutschlandweite Palettenversand CO₂-frei abgebildet werden kann.
Vor allem für CSRD-berichtspflichtige Unternehmen ist das Modell attraktiv, weil In der Scope‑3‑Bilanzierung Null‑Werte angesetzt werden können. So werden laut Rüdinger ein Prozent der deutschen E-Lkw in Krautheim eingesetzt. in der Region seien damit, heißt es seitens des Unternehmens, zehn Mal so viele E-Lkw unterwegs als im Bundesdurchschnitt. Damit seien die Landkreise Hohenlohe, Schwäbisch-Hall, Main-Tauber und Neckar-Odenwald Leuchttürme der Dekarbonisierung im Stückgutgeschäft.
Konsequente Bündelungsstrategie durch Kooperationen
Ein weiterer Hebel liegt in der konsequenten Bündelungsstrategie. Rüdinger ist derzeit Partner in acht mittelständischen Sammelgutkooperationen. Ab August wird die Spedition überdies Partner der Stückgutkooperation NG. Network. Die Mehr‑Kooperationen‑Strategie zielt darauf ab, Sendungen systematisch zu bündeln: Statt acht Fahrzeugen verschiedener Spediteure übernimmt laut Rüdinger nun nun ein orangefarbener Lkw gebündelte Sendungen. Mit dem Vorteil: Dadurch reduzieren sich nicht nur die Emissionen und Verkehr, sondern auch die operativen Kosten.
Parallel baut das Unternehmen digitale Geschäftsmodelle aus. Mit einer neuen Transportbuchungsplattform richtet sich die Rüdinger Spedition gezielt an Privatkunden und Kleingewerbe. So lassen sich über eine Echtzeit‑Preisauskunft palettierte Transporte einfach online buchen, zum Beispiel für Waren aus Anzeigenportalen, die für Paketdienste zu groß oder zu schwer sind. Die Abwicklung erfolgt per Vorauskasse und ohne Bonitätsprüfung – bewusst schlank und vollständig digitaler.
Ausblick: Elektrischer Fernverkehr als nächster Schritt
Parallel baut die Rüdinger Spedition im Fernverkehr ihre E-Lkw-Aktivitäten weiter aus. So sind bereits die ersten beiden E-Lkw erfolgreich im Einsatz und legen im Rundlauf 690 Kilometer zurück. Um den Langstrecken-Einsatz weiter zu forcieren, plant das Unternehmen weitere Investitionen in die Erweiterung der Netz-Anschlussleistung am Standort Krautheim der Spedition von derzeit einem Megawatt auf zwei Megawatt und den Aufbau von zusätzlicher Ladeinfrastruktur. Ziel sei es, betont Rüdinger, im Jahr 2027 30 der aktuell 100 Fernverkehrs-Lkw auf E-Lkw umzustellen.