Destatis: Deutsche Wirtschaft wächst 2025 minimal und hofft auf Aufschwung

15.01.2026 17:15 Uhr | Lesezeit: 3 min
Papierschiff mit deutscher Flagge auf Zeitungsseiten mit Kurstabellen
Geht es 2026 wieder aufwärts? Die Wirtschaftskennzahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen für 2025 nur eine geringe Trendwende (Symbolbild)
© Foto: gopixa/GettyImages

Nach zwei Rezessionsjahren hat Europas größte Volkswirtschaft im vergangenen Jahr wieder ein kleines Plus geschafft, so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Ein wirklicher Aufschwung lässt allerdings noch auf sich warten.

Deutschland ist knapp am dritten Jahr ohne Wirtschaftswachstum vorbeigeschrammt, wie die Deutsche Presseagentur berichtet. Das Land hoffe nun auf einen von staatlichen Milliardeninvestitionen getragenen Aufschwung.

Diese Entwicklung zeigen die vorgelegten Zahlen des Statistischen Bundesamts: Für 2025 errechnete dieses auf vorläufiger Basis einen sehr leichten Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,2 Prozent. 2023 (minus 0,9 Prozent) und 2024 (minus 0,5 Prozent) war Europas größte Volkswirtschaft in die Rezession gerutscht. Kalenderbereinigt betrug der Anstieg der Wirtschaftsleistung in Deutschland im vergangenen Jahr 0,3 Prozent.

„Nach zwei Rezessionsjahren ist die deutsche Wirtschaft wieder leicht gewachsen. Das Wachstum ist vor allem auf die gestiegenen Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates zurückzuführen“, sagte Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes.

Demgegenüber hätten die Exporte erneut nachgegeben. „Die Exportwirtschaft sah sich heftigem Gegenwind ausgesetzt durch die höheren US-Zölle, die Euro-Aufwertung und die stärkere Konkurrenz aus China.“

So sanken die Exporte erneut um 0,3 Prozent, der dritte Rückgang in Folge. Als Grund führen die Statistiker stark verringerte Warenausfuhren im Bereich Automobil, Maschinen und chemische Erzeugnisse an. Dagegen stiegen die Importe preisbereinigt um 3,6 Prozent.

Ein weiterer Punkt, den Brand anführt: Die Investitionsschwäche hielte an. „Sowohl in Ausrüstungen als auch Bauten wurde weniger investiert als im Vorjahr“, so Brand weiter.

International hinke die deutsche Wirtschaft hinterher, erklärten die Statistiker. Unter den großen EU-Staaten entwickele sich die deutsche Wirtschaft am schwächsten. Das liege auch daran, dass China immer mehr zur Konkurrenz werde.

Hoffen auf Trendwechsel für 2026

Im neuen Jahr dürften Milliardenausgaben für Infrastruktur wie Straßen und Schienen sowie für Verteidigung für Auftrieb sorgen, wie die Deutsche Presseagentur betont. Helfen dürfte der Konjunktur auch, dass es 2026 mehr Arbeitstage gibt, weil mehr Feiertage auf ein Wochenende fallen.

Einen spürbaren Aufschwung erwarten viele Ökonomen allerdings erst ab 2027, wenn die gewaltigen Summen, die der Staat in die Hand nimmt, ihre volle Wirkung entfalten. Damit jedoch die Lockerung der Schuldenbremse und die so ermöglichten Ausgaben kein Strohfeuer erzeugen, seien Reformen zwingend.

„Zu Jahresbeginn gibt es zumindest den Hoffnungsschimmer, dass wir die Talsohle endlich erreicht haben“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov. „Es liegt allerdings noch ein weiter Weg vor uns, bis wir einen echten Aufschwung sehen werden.“

Auf den Herbst der Reförmchen müsse jetzt ein Jahr der echten Reformen folgen. „Die Betriebe werden weiterhin von hohen Kosten, umfangreichen Berichtspflichten und noch immer überlangen Verfahren ausgebremst.“ Sie forderte unter anderem Entlastung bei hohen Energiekosten und Steuerzahlungen.

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, sprach von einer geringen Wachstumsausbeute. Die Hoffnung auf einen Trendwechsel 2026 sei dennoch berechtigt. So werde die Produktion wohl anziehen, zudem dürften sich Projekte aus den Infrastruktur-Sondervermögen in den Auftragsbüchern niederschlagen. „Die deutsche Wirtschaft kann sich deshalb auf höhere Wachstumsraten freuen.“

Das Bundeswirtschaftsministerium beurteilte die Lage zurückhaltend. Mit dem Fiskalpakets dürfte sich die Konjunktur zwar stabilisieren und im Jahresverlauf an Dynamik gewinnen. Jüngste Daten signalisierten aber keine breite Belebung, so die Einschätzung.

Industrie in der Krise

So ging die Bruttowertschöpfung 2025 laut den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes insgesamt leicht zurück. Preisbereinigt lag sie 0,1 Prozent niedriger als im Vorjahr.

Zwischen den Branchen zeigten sich laut den Statistikern allerdings große Unterschiede. So nahm die Bruttowerschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe gegenüber dem Vorjahr um 1,3 Prozent ab. Besonders betroffen war die Automobilbranche. Im Baugewerbe sank die Wertschöpfung um 3,6 Prozent.

Handel mit Pluspunkten

Der Dienstleistungsbereich musste nur zum Teil Einbußen hinnehmen. Zum Beispiel sank die preisbereinigte Bruttowertschöpfung der Unternehmensdienstleister im Vorjahresvergleich um 0,8 Prozent.

Im Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe stieg die preisbereinigte Bruttowertschöpfung dagegen um 1,2 Prozent an. Entscheidend für die guten Werte sei insbesondere der Einzelhandel gewesen, so die Statistiker weiter.

Investitionszurückhaltung der Unternehmen

Die Zurückhaltung der Unternehmen aufgrund der anhaltenden Rezession zeigte sich auch in weiteren Werten: Die Investitionen von Unternehmen und Staat in Ausrüstungen – also Maschinen, Geräte und Fahrzeuge – nahmen laut dem Statistischen Bundesamt 2025 stark ab.

Preisbereinigt lagen sie im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 niedriger. Investitionen des Staates, vor allem für die Verteidigung, konnten das Minus bei den gewerblichen Investitionen nicht ausgleichen, wie die Statistiker hervorheben.

„Historische Herausforderungen“ für die Wirtschaft

Deutlicher wird Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater: „Wirtschaftlich war 2025 ein weiteres verlorenes Jahr für Deutschland“, sagte er.

Das kleine Wachstum hänge am privaten Konsum und den Staatsausgaben. „Die für das langfristige Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit wichtigen Investitionen sind dagegen weiter gesunken.“ Dabei seien die Herausforderungen mit den US-Zöllen, Konkurrenz aus China und technologischen Revolutionen historisch groß.

Staatsdefizit sinkt - Verschuldungsregel wird eingehalten

Die steigenden Staatsausgaben treiben die Staatsquote hoch - das Verhältnis der Staatsausgaben zur Wirtschaftsleistung: Sie lag 2025 bei 50,3 Prozent und stieg damit erstmals seit der Corona-Pandemie über die 50-Prozent-Marke.

Insgesamt wuchsen die Einnahmen des Staates aber noch stärker als die Ausgaben. Das ließ das Defizit von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung nach vorläufigen Daten auf rund 107 Milliarden Euro sinken. Gemessen an der Wirtschaftsleistung betrug das Defizit 2,4 Prozent - nach 2,7 Prozent 2024. Damit hielt Deutschland die europäische Verschuldungsregel ein, die ein Haushaltsdefizit von höchstens drei Prozent erlauben.

Detaillierte Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen veröffentlicht das Statistische Bundesamt laut eigener Angabe am 25. Februar.

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