Paris/Frankreich. Nur einen Tag nach dem jüngsten landesweiten Streik gerät die französische Staatsbahn SNCF erneut in die Schlagzeilen. Die französische Wirtschaftszeitung „Les Echos“ schrieb, dass das Staatsunternehmen ab 1. Januar nächsten Jahres „virtuell bankrott“ sein könnte, wenn das bisherige System zur Finanzierung der Bahnrenten nicht reformiert werde. Es gehe dabei um ein Finanzierungsloch in Höhe von neun Milliarden Euro. Hintergrund sind die neuen Bilanznormen IFRS, zu deren Einhaltung das Unternehmen ab Januar gezwungen ist. Sie würden die Bahn dazu verpflichten, diesen Betrag in der Bilanz auf der Passiva-Seite auszuweisen und von den zurzeit 4,8 Milliarden Euro Eigenmitteln abzuziehen. Paris hat die Reform der umstrittenen Renten-Sonderregelungen bei der SNCF eigentlich auf 2008, das heißt nach den Parlamentswahlen verschoben. Vor der Versuchung, die Regelung des Finanzierungsproblems bis nach den Wahlen hinauszuzögern, hat die Landesrentenkasse Caisse Nationale d`Assurance-Vieillesse die Politiker eindringlich gewarnt. Es sei „absolut notwendig“, sich des Problems schon vorher anzunehmen. (jb)
SNCF droht Milliardenloch
Die französische Staatsbahn muss offenbar ab dem 1. Januar 2007 Rücklagen in Höhe von neun Milliarden Euro als Verlust buchen