Brüssel. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) hält ein abgestimmtes Vorgehen der EU-Staaten zur Werftenrettung für unabdingbar. „Noch fehlt eine gemeinsame Konzeption, wie der europäische Schiffbau wettbewerbsfähig durch die Krise gebracht werden kann. Wenn wir nichts tun, kann es passieren, dass Schiffe künftig nur noch in Korea oder in China gebaut werden", sagte Sellering am Mittwoch in Brüssel nach einem Gespräch mit dem Generalsekretär des Europäischen Schiffbauverbandes, Reinhard Lüken. Der Branchenverband teile die Auffassung, dass sich Europa klar entscheiden müsse.
Unter Absatz- und Finanzierungsproblemen leiden auch die vier großen Werftstandorte in Mecklenburg-Vorpommern. Mit kurzfristigen Krediten und Bürgschaften haben Bundes- und Landesregierung bislang ein Aus der Schiffbaubetriebe verhindert. Andere Staaten stützten die Werften mit zusätzlichen Staatsaufträgen. „Jeder wurstelt sich so durch. Damit wächst die Gefahr, dass in Europa vielleicht jede zweite Werft auf der Strecke bleibt", warnte Sellering. Auch der Schiffbau- Verband sehe mit Sorge, dass die Staaten auf ihre eigenen Werften schauten und die Bemühungen um deren Erhalt noch nicht als gesamteuropäische Aufgabe begriffen. 33 Schiffbauregionen Europas hätten sich in einem Aufruf an die EU gewandt. „Im globalen Konkurrenzkampf auf diesem Markt muss sich die EU bewähren."
Energieautobahnen als nächstes Ziel
Zufrieden äußerte sich Sellering über sein Treffen mit EU-Energie-Kommissar Günther Oettinger. Die Kommission sei sich der Bedeutung erneuerbarer Energien bewusst und arbeite an einer Strategie, die auf eine deutlich breitere Anwendung ziele. „Wir sind in Mecklenburg-Vorpommern schon sehr gut bei der Nutzung der Windkraft. Und mit dem Bau großer Offshore-Anlagen vor unseren Küsten wird diese Art der Stromgewinnung noch ausgebaut. Eine der wichtigsten Aufgaben ist es dabei, europaweite Netze zu schaffen, Energieautobahnen, über die große Energiemengen transportiert werden können", sagte Sellering. Damit sinke der Bedarf an herkömmlichen, mit Kohle oder Atomkraft betriebenen Grundlast-Kraftwerken.
Am Abend wollte Sellering als Vertreter der Nordländer an einer Veranstaltung der norddeutschen Industrie- und Handelskammern in Brüssel teilnehmen. Dabei ging es darum, die Bedeutung der Häfen und der maritimen Industrie zu verdeutlichen. „Die Häfen sind Handelsplatz und Industriestandort. Sie brauchen gute Hinterlandanbindungen", betonte der Schweriner Regierungschef. Auch beim Aufbau transeuropäischer Netze müsse dies berücksichtigt werden. (dpa)