Jedes zweite Logistikunternehmen bewertet seinen Digitalisierungsgrad lediglich als durchschnittlich. Das zeigt eine aktuelle Branchenumfrage des Softwareanbieters Cargoclix. Der so genannte Cargoclix Digitalization Monitor wurde im Juli 2026 unter Logistikverantwortlichen von 37 Unternehmen unterschiedlicher Größenklassen und Branchen durchgeführt; schon im Februar dieses Jahres hatte das Freiburger Unternehmen eine Erstbefragung durchgeführt.
Mehrheit sieht Digitalisierung nur im Mittelfeld
Demnach bewertet die Mehrheit der von Cargoclix befragten Unternehmen ihren eigenen Digitalisierungsgrad erneut als bestenfalls durchschnittlich: 56,8 Prozent der Befragten stufen ihren Status auf einer Skala von 1 bis 5 im mittleren Bereich (Note 3) ein (Februar: 58,2 Prozent). Einen hohen oder sehr hohen Digitalisierungsgrad bescheinigen sich aktuell lediglich rund 21,6 Prozent der Betriebe. Das entspricht einem leichten Rückgang gegenüber den 25,5 Prozent aus der ersten Umfrage.
Partner werden zum größten Digitalisierungshemmnis
Bei den Hindernissen hat sich laut Cargoclix Digitalization Monitor im Vergleich zum Frühjahr eine prägnante Verschiebung ergeben. Während im Februar noch der interne Personalmangel (58,2 Prozent) als stärkster Bremsklotz genannt wurde, steht nun die geringe digitale Reife der Partner (Spediteure, Lieferanten) mit 51,4 Prozent an der Spitze der Herausforderungen. Dicht dahinter folgen weiterhin fehlende interne Ressourcen (45,9 Prozent), fehlende Standards und Schnittstellen (43,2 Prozent) sowie komplexe Alt-Systeme (35,1 Prozent).
„Logistik ist ein kollaboratives Geschäft. Eine digitale Kette ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied“, erklärt Victor Meier, beratender Gesellschafter bei Cargoclix. Wenn Spediteure oder Zulieferer Daten nicht digital und standardisiert übermitteln können, entstünden beim Verladenden massive Medienbrüche. „Das erzeugt Verzögerungen und zwingt die Betriebe zu manuellen Nacharbeiten. Die fehlende Interoperabilität ist derzeit eine wesentliche Bremse für die weitere Digitalisierung“, so Meier.
Papierlose Prozesse legen leicht zu
Immerhin förderte die aktuelle Umfrage beim papierlosen Arbeiten eine leichte positive Tendenz zutage. Lag der Anteil papierloser Prozesse im Februar bei fast der Hälfte der Betriebe unter 40 Prozent, berichten in der aktuellen Umfrage 40,5 Prozent der Befragten von einem papierlosen Anteil zwischen 41 und 60 Prozent. Der Anteil der Unternehmen, die nahezu vollständig papierlos (81 bis 100 Prozent) arbeiten, bleibt jedoch mit 8,1 Prozent gering.
IT-Sicherheit offenbart Schwachstellen
Erstmals beleuchtete der Cargoclix Digitalization Monitor im Juli das Thema IT-Sicherheit und Datenschutz in digitalen Logistikprozessen. Zwar gaben knapp 30 Prozent der Betriebe an, dass Datenschutz und IT-Sicherheit eine Hürde im Digitalisierungsprozess darstellen, die konkreten Schutzmaßnahmen zeigen jedoch Lücken, vor allem an den Außengrenzen des eigenen Unternehmens.
Schnittstellen als Risikofaktor
Zwar setzen die meisten Unternehmen auf klassische interne Maßnahmen wie Zugriffsrechte und Rollenkonzepte sowie Datenverschlüsselung. Doch bei der Absicherung der Partnerschnittstellen und der Sensibilisierung der Mitarbeiter besteht laut den Umfrageergebnissen Nachholbedarf: Regelmäßige Penetrationstests, Sicherheitsaudits oder verbindliche vertragliche Datenschutzvereinbarungen mit externen Partnern werden demnach nicht von der Mehrheit konsequent umgesetzt. „Es greift zu kurz, nur die eigene IT-Infrastruktur abzuschirmen. Unternehmen müssen Schnittstellen zu externen Partnern ebenso wie den Datenschutz in der kollaborativen Logistik als Priorität begreifen“, betont Meier.