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Schienengüterverkehr: Güterwaggons als mobile Werkstätten

Im Schienengüterverkehr setzt man große Hoffnungen in die Digitale Automatische Kupplung
© Foto: Frisco Gentsch/dpa/picture-alliance

Die Digitale Automatische Kupplung soll in den kommenden Jahren den Schienengüterverkehr in Europa revolutionieren. Rund 500.000 Waggons sollen bis 2030 entsprechend umgerüstet werden.


Datum:
10.10.2022
Autor:
Thomas Burgert/dpa
Lesezeit:
5 min
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Bis 2030 sollen europaweit rund eine halbe Million Güterwaggons mit einem neuen digitalen Kupplungssystem ausgestattet werden – die derzeitigen Werkstattkapazitäten bei den europäischen Bahnunternehmen reichen dafür aber nicht aus. Die Deutsche Bahn experimentiert deshalb mit mobilen Werkstatt-Zelten, sogenannten „Pop-up-Werkstätten“. Mit ihnen sollen die Güterwaggons in der Nähe ihrer Einsatzorte – etwa bei Industriekunden – in kurzer Zeit und während des laufenden Betriebs umgerüstet werden, so die Idee.

„Wir stellen die Werkstätten dorthin, wo unsere Kunden sind und können die Wagen so direkt vor Ort umrüsten“, sagte Andreas Lipka, der bei der Bahn-Tochter DB Cargo verantwortlich ist für die Umrüstung der Güterwagen auf die neue Kupplung. „Der Kunde kriegt dabei kaum etwas mit, weil sie nach der Umrüstung sofort wieder für seine Verkehre eingesetzt werden können.“ Eine dieser Werkstätten testet die Bahn derzeit in der Nähe vom Mercedes-Werk in Bremen.

Etwa 150 solcher Pop-up-Einsatzorte will der Konzern mit den Partnerunternehmen in ganz Europa aufstellen. Innerhalb weniger Wochen könnten während der heißen Phase insgesamt 100.000 Güterwaggons mit der neuen Kupplung ausgestattet werden, sagte Lipka. Die übrigen 400.000 Waggons würden dann nach und nach in den normalen Werkstätten umgerüstet. Voraussetzung: Die Waggons müssten bereits ab dem nächsten Jahr im laufenden Wartungsbetrieb „vorgerüstet“ werden. In Pop-up-Werkstätten sind laut Lipka dann nur noch einige Handgriffe notwendig.

Hoffnungsträger Digitale Automatische Kupplung

Die Digitale Automatische Kupplung (DAK) gilt als Hoffnungsträger für den europäischen Schienengüterverkehr. In Europa werden Güterwaggons noch per Hand aneinander gekuppelt. Dafür muss ein 20 Kilogramm schwerer Stahlbügel über den Haken des nächsten Waggons gewuchtet und gespannt werden. Stunden können so vergehen, bis ein Zug zur Abfahrt bereit ist. Mit der DAK soll diese Praxis künftig automatisch ablaufen, ein Zug also innerhalb von Minuten durchgekuppelt sein.

Ein Datenkabel soll Informationen über Inhalt oder Gewicht transportieren. Die Züge sollen so deutlich effizienter zusammengestellt werden. Der Güterverkehr auf der Schiene würde im Vergleich zur Straße konkurrenzfähiger. Doch bis die Kupplung zum Einsatz kommt, vergehen vermutlich noch Jahre.

Derzeit wird die Technik an einem Testzug auf Herz und Nieren geprüft. Mit den vorbereitenden Arbeiten an den Waggons kann laut Bahnindustrie erst im kommenden Jahr begonnen werden. Gerungen wird auch ums Geld. Der Umbau der europäischen Waggonflotte könnte bis zu 8,6 Milliarden Euro kosten. Die Unternehmen setzen auf Fördermittel der EU, doch die Kommission sieht auch die Länder und die Branche in der Pflicht. (tb/dpa)

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