Berlin. Nach dem Luftverkehrschaos wegen der Aschewolke des isländischen Vulkans sieht Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) einem „Spiegel“-Bericht zufolge eine Mitschuld bei den Fluggesellschaften. Ramsauers Kritik beziehe sich auf eine Leitlinie der internationalen Luftsicherheitsbehörde ICAO, in der nicht geregelt sei, ab welcher Aschepartikel-Konzentration in der Atmosphäre wieder geflogen werden darf, schreibt das Magazin. „Die ist unter Beteiligung der Verbände, insbesondere der IATA, und damit der Fluggesellschaften zustande gekommen“, soll Ramsauer laut „Spiegel“ dem Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber am Telefon vorgehalten haben. Auch die Lufthansa habe daran mitgewirkt. Dem Bericht zufolge waren es vor allem die Triebwerkshersteller, die einen Grenzwert für Vulkanasche nicht benennen konnten. Erst unter dem Eindruck der Luftraumsperrungen sei es dem Flugzeugbauer Airbus gelungen, die Hersteller zu einem solchen Grenzwert zu drängen. Bei einem Sondertreffen der EU-Verkehrsminister kommende Woche solle über europaweite Grenzwerte beraten werden. Laut Nachrichtenmagazin „Focus“ fordert Ramsauer „verbindliche Mess- und Grenzwerte sowie verbindliche Regeln für unvorhergesehene Fälle“. Milliardär Branson fordert Entschädigung für Airlines Nach Berechnungen des weltgrößten Rückversicherers Munich Re könnte ein Vulkanausbruch den europäischen Flugverkehr öfter lahmlegen. Dem „Tagesspiegel“ (Sonntag) sagte der leitende Klimaforscher des Versicherers, Peter Höppe, ein solches Ereignis könne sich alle 50 Jahre wiederholen. Vulkane gebe es in Europa viele. Der Milliardär Richard Branson, Chef der Fluggesellschaft Virgin Atlantic, forderte unterdessen in London, die Luftfahrtindustrie müsse entschädigt werden. Seine Airline habe in sechs Tagen umgerechnet etwa 57 Millionen Euro Verlust gemacht. Hauseigene Experten hätten deutlich gemacht, dass es keine große Gefahr gegeben habe. Die Regierung habe überreagiert und müsse nun dafür aufkommen. (dpa)
Nach Chaos im Flugverkehr: Ramsauer kritisiert Airlines
Leitlinien seien unter Beteiligung der Airlines mangelhaft ausgearbeitet worden / Triebwerkshersteller konnten keine Grenzwerte benennen