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Mit Blaulicht gegen Wildunfälle

An der Mecklenburgischen Seenplatte haben Wildunfälle einen Anteil von 38 Prozent an der Gesamtunfallzahl
© Foto: ddp/Jörg Koch

Die Behörden probieren immer neue Methoden, um die Wildwechsel sicherer zu machen: Jetzt sollen es Pfeiftöne und Blaulicht richten


Datum:
11.10.2010
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Neustrelitz/Schwerin. Immer wenn es Herbst wird, ist Hans-Joachim Conrad im Auto besonders angespannt - wie viele Kraftfahrer. „Ich fahre jeden Morgen die Bundesstraße 198 bei Neustrelitz lang und kenne die Stellen, wo das Wild steht", sagt der 56-Jährige. Doch Conrad ist nicht nur Autofahrer, sondern beim Straßenbauamt auch für die Entschärfung gefährlicher Wildwechsel zuständig. Sein Fazit nach zahlreichen Versuchen: „Bisher haben sich die Tiere an fast alle Methoden gewöhnt." An den wildreichsten Strecken in den Kreisen Mecklenburg-Strelitz, Uecker-Randow und Müritz wurden im Januar sogar „blaue Lichter" installiert. Ein durchschlagender Erfolg blieb aber auch damit bisher aus, heißt es bei der Polizei.

Der Naturreichtum Mecklenburg-Vorpommerns, der von Touristen so geschätzt wird, schlägt sich auch in der Unfallbilanz nieder. Von den rund 58.000 Unfällen 2009 geht jeder Fünfte auf Zusammenstöße mit Wild zurück. Dabei wurden 117 Menschen verletzt. „Am häufigsten laufen Rehe, Wildschweine, Füchse und Marderhunde den Leuten vor die Fahrzeuge", sagt Rainer Pirzkall vom Landesjagdverband Mecklenburg- Vorpommern. Gerade im Oktober werde es sehr gefährlich, wenn der Mais geerntet wird und die Wildschweine von den Äckern vertrieben werden, wo sie es sich wochenlang hatten gutgehen lassen. 7400 Tiere starben im Vorjahr bei Unfällen, darunter 5700 Rehe und 1200 Wildschweine.

An der Seenplatte haben Wildunfälle sogar einen Anteil von 38 Prozent an der Gesamtunfallzahl. Damit gehört die Region zu den wildunfallträchtigsten Gebieten bundesweit. Die Bundesstraßen 96, 192, 193 und 198 trennen unter anderem die beiden Teile des Müritz-Nationalparks, in dem in bestimmten Gebieten kaum gejagt wird, sowie den Naturpark Feldberger Seenlandschaft. Besonders viele Hirsche und Rehe gibt es auch in den Brohmer Bergen und am Stettiner Haff sowie im Kreis Ludwigslust. Es gibt sogar Straßen im Müritzkreis, wo zwischen 70 und 80 Prozent aller Unfälle auf Wild zurückgehen. Am sichersten seien die Autobahnen mit Wildzäunen.

Geschwindigkeitsbegrenzung bleibt ohne Erfolg

„Wir haben schon viel ausprobiert, von Duftproben über das Herausschneiden von Unterholz bis hin zu Folien", erzählt der Neustrelitzer Polizist Bernd Marlow. Das Nachfüllen der Duftbehälter sei zu teuer, das Holz zu bergen nur mit Hilfe zweier Beschäftigungsgesellschaften gegangen. „Und immer nach etwa einem Jahr gab es einen Gewöhnungseffekt beim Wild", sagt Conrad. Auch eine vorübergehende Geschwindigkeitsbeschränkung auf 70 Kilometer pro Stunde zwischen Torgelow und Eggesin habe nichts gebracht und sei wieder aufgehoben worden.

Derzeit wird bei Klein Trebbow ein blinkendes Warnschild für Wildwechsel getestet, das für Autofahrer auffällig erst blinkt, wenn es angeleuchtet wird. Und dann das Blaulicht an Straßenleitpfosten: „Forschungen zufolge nimmt das Wild seine Umwelt grünlich-grau wahr und damit wertet es das abgestrahlte Licht der blauen Plastikkörper als Gefahr", erklärt Conrad. Endgültige Zahlen darüber, wie das wirkt, lägen noch nicht vor, frühestens 2011. Weniger Unfälle seien es bisher aber nicht geworden, sagen Polizeisprecher.

Wie gefährlich Zusammenstöße mit Wild sein können, verdeutlicht der Pressesprecher des Landesjagdverbandes, Achim Froitzheim: „Durch die Massenträgheit wirkt ein Reh vom Gewicht her mindestens wie ein Pony, ein Hirsch wie ein kleiner Elefant." Er selbst fahre höchstens 70 Stundenkilometer: „Dann bleibt beim Bremsen vielleicht wenigstens der Airbag drin und man gerät bei einer Kollision nicht auf die Gegenfahrbahn."

Einen Pfeil hat Conrad aber noch im Köcher: Zwischen Penzlin und Neustrelitz auf der B 193 wurden automatische Wildwarner - im Fachjargon Awiwa genannt - installiert. Wenn an den Leitpfosten ein Fahrzeug entlangfährt, erzeugt es einen Ton, der wegen der Frequenz nur vom Wild wahrgenommen wird. „Da hatten wir ein paar gute Effekte", erinnert sich Conrad. Aber zuletzt war auf der Strecke über ein Jahr eine Baustelle mit Vollsperrung, der Verkehr wurde umgeleitet. „Wir müssen mal sehen, wie das jetzt läuft." (dpa) 

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