Der Aufbau eines bundesweiten Schnellladenetzes für Elektro-Lkw entlang der Bundesautobahnen geht in die Umsetzungsphase: Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hat den Start auf der IAA Transportation in Hannover gemeinsam mit VDA-Präsidentin Hildegard Müller und Prof. Dr. Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), bekannt gegeben. Mit dem Projekt soll eine flächendeckende Ladeinfrastruktur für den elektrischen Straßengüterverkehr entstehen. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums umfasst das geplante Netz rund 350 Standorte auf bundeseigenen Flächen entlang der Autobahnen und soll insgesamt etwa 4200 Ladepunkte bieten.
Umsetzung beginnt an 124 Rastanlagen
Ein wichtiger Meilenstein sei mit der Vergabe der Aufträge für Planung, Bau und Betrieb der Ladeinfrastruktur an unbewirtschafteten Rastanlagen erreicht worden, so die Mitteilung des BMV. Nach Abschluss der Konzeptions-, Planungs- und Vergabephase beginnen nun die standortspezifischen Vorbereitungen sowie die weiteren Schritte für die Errichtung der Ladepunkte. Für den Aufbau des Netzes stellt der Bund rund eine Milliarde Euro bereit. Eine zweite Ausschreibung für Ladeinfrastruktur an den bewirtschafteten Rastanlagen werde derzeit vorbereitet.
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger sagte: „Der Hochlauf der E-Mobilität geht voran! Eine flächendeckende, bedarfsgerechte und nutzerfreundliche Ladeinfrastruktur für E-Lkw trägt maßgeblich dazu bei, dass Elektromobilität im Alltag von Transportunternehmen funktioniert. Wir stellen daher für den Aufbau eines Lkw-Schnellladenetzes rund eine Milliarde Euro zur Verfügung und starten jetzt mit der konkreten Umsetzung von Schnellladesäulen an 124 unbewirtschafteten Rastanlagen.
Das fördert Investitionen in die Technologie und treibt den Hochlauf voran. Insgesamt umfasst das Schnellladenetz rund 4200 Ladepunkte an rund 350 Standorten auf bundeseigenen Flächen an den Autobahnen. Dort werden E-Lkw künftig mit Strom versorgt – sowohl für das schnelle Zwischenladen als auch für das Übernachtladen. So schaffen wir eine leistungsfähige Grundversorgung entlang der Hauptachsen des Güterverkehrs und sorgen dafür, den Straßengüterverkehr weiter zu dekarbonisieren.“
350 Standorte entlang der Autobahnen vorgesehen
Nach aktuellem Planungsstand soll das Schnellladenetz rund 350 Standorte umfassen. Davon entfallen etwa 225 auf bewirtschaftete und 124 auf unbewirtschaftete Rastanlagen entlang der Bundesautobahnen. Die Infrastruktur ist darauf ausgelegt, sowohl das Zwischenladen während Fahrtunterbrechungen als auch das Laden während längerer Ruhezeiten zu ermöglichen. Das Vorhaben soll die Wettbewerbsfähigkeit des Logistikstandorts Deutschland stärken und die Transformation des Straßengüterverkehrs hin zu klimafreundlichen Antrieben beschleunigen.
Für das Laden schwerer Elektro-Nutzfahrzeuge sind nach derzeitigem Stand rund 1800 Ladepunkte mit dem Megawatt Charging System (MCS) und etwa 2400 CCS-Ladepunkte vorgesehen. Das Schnellladenetz gilt als wichtiger Baustein für den Markthochlauf batterieelektrischer Lkw.
VDA: Ladeinfrastruktur bleibt entscheidender Erfolgsfaktor
Aus Sicht der Fahrzeughersteller ist der Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur eine zentrale Voraussetzung für die Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs.
VDA-Präsidentin Hildegard Müller erklärte: „Mit dem bundesweiten Lkw-Schnellladenetz für Deutschland hat das Bundesverkehrsministerium den richtigen Hebel in Bewegung gesetzt. Die Ladeinfrastruktur ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für den Markthochlauf elektrischer schwerer Nutzfahrzeuge und damit für die Transformation zur klimaneutralen Mobilität von morgen. Doch derzeit sind die mangelnden öffentlichen Lademöglichkeiten ein Hemmnis für den Markthochlauf von E-Lkw. Die Folge: Der Hochlauf stockt und den Herstellern drohen – obwohl sie bereits klimafreundliche Lösungen entwickelt und in den Markt gebracht haben – Strafzahlungen. Strafzahlungen, die eine Industrie gefährden, die für Wohlstand, Wachstum und Beschäftigung steht. Das kann niemand wollen.“
Weiter sagte Müller: „Vor diesem Hintergrund gilt jedoch umso mehr: Die Vergabe der Aufträge für die Planung, die Errichtung und den Betrieb der Schnellladeinfrastruktur an unbewirtschafteten Rastanlagen ist ein wichtiges Signal sowohl für die Unternehmen der deutschen Nutzfahrzeugindustrie sowie auch für deren Kunden. Entscheidend ist jetzt, dass wir umgehend in die Umsetzung kommen und die Lademöglichkeiten schnell zur Verfügung stehen. Wir freuen uns, dass das Lkw-Schnellladenetz wächst."
BGL fordert bedarfsgerechten Ausbau für die Transportwirtschaft
Prof. Dr. Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des BGL, sagte: „Dass der Aufbau des Lkw-Schnellladenetzes jetzt in die konkrete Umsetzung geht, ist ein wichtiger Schritt für die Antriebswende im Straßengüterverkehr. Unsere Unternehmen brauchen die Sicherheit, dass sie ihre E-Lkw im täglichen Betrieb zuverlässig und ohne lange Wartezeiten laden können." Gleichzeitig verwies Engelhardt auf die Bedeutung leistungsfähiger Netzanschlüsse sowie weiterer politischer Rahmenbedingungen für die Transformation des Straßengüterverkehrs.
836 Ladepunkte an unbewirtschafteten Rastanlagen geplant
Dirk Brandenburger, Geschäftsführer Technik der Autobahn GmbH des Bundes, erklärte: „Mit dem erfolgreichen Abschluss der Vergabephase Mitte dieses Jahres haben wir einen Meilenstein für die Mobilitätswende im Schwerlastverkehr erreicht. Auf 124 unbewirtschafteten Rastanlagen sollen jetzt insgesamt 836 neue Ladepunkte – darunter 447 für das Megawatt-Laden – entstehen. Sie sind ein entscheidender Baustein für die lückenlose Versorgung entlang des gesamten deutschen Autobahnnetzes." Nach Angaben der Autobahn GmbH wurden die erforderlichen Netzanschlüsse bereits seit 2024 vorbereitet und beantragt.
Netzplanung basiert auf Verkehrs- und Bedarfsanalysen
Die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur unter dem Dach der NOW GmbH unterstützt das Bundesverkehrsministerium bei Planung und Umsetzung des Schnellladenetzes. Grundlage der Standortplanung sind Verkehrs- und Bedarfsanalysen sowie Modellierungen zum künftigen Ladebedarf im elektrischen Schwerlastverkehr. Ziel sei, die Ladeinfrastruktur dort bereitzustellen, wo künftig ein besonders hoher Bedarf erwartet wird.
Dagmar Fehler, Geschäftsführerin der NOW GmbH, sagte: „Deutschlands Autobahnen sind die Lebensadern unserer Wirtschaft. Entlang dieser Achsen entsteht nun die Ladeinfrastruktur für die nächste Generation des Güterverkehrs. Damit legen wir heute die Grundlage für die Logistik von morgen. Was wir heute auf den Weg bringen, wird schon in wenigen Jahren darüber entscheiden, wie zuverlässig und wettbewerbsfähig klimafreundlicher Güterverkehr in Deutschland unterwegs sein wird.“