Hohe Energiepreise dämpfen wirtschaftliche Erholung

01.04.2026 10:02 Uhr | Lesezeit: 3 min
Eine Schiffswerft der Landungsbrücken bei Sonnenuntergang im Hamburger Hafen.
Die Auslandsgeschäfte werden angesichts abnehmender Wettbewerbsfähigkeit, geopolitischer Unsicherheit und handelspolitischer Belastungen kaum zunehmen, so die Prognose
© Foto: mf-guddyx

In ihrer Gemeinschaftsdiagnose erwarten die Wirtschaftsinstitute zwar einen leichten Aufschwung, Probleme wie eine abnehmende Wettbewerbsfähigkeit aber bleiben.

Führende Wirtschaftsforschungsinstitute sehen in ihrer Gemeinschaftsprognose die deutsche Konjunktur zwar in einer Erholungsphase, erwarten aber für 2026 nur eine moderate Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von 0,6 Prozent und für 2027 von 0,9 Prozent. Für wirtschaftliche Impulse sorge die expansive Finanzpolitik. Die kräftige Ausweitung der Neuverschuldung für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz stütze insbesondere Unternehmen der Verteidigungsindustrie und des Tiefbaus, so die Wirtschaftsforscher.

Weiter abnehmende Wettbewerbsfähigkeit

Insgesamt entwickelt sich die Industrie laut der Prognose aber „wenig dynamisch“, da deren Auslandsgeschäfte angesichts weiter abnehmender Wettbewerbsfähigkeit, hoher geopolitischer Unsicherheit und fortbestehender handelspolitischer Belastungen kaum zunehmen. „Der Energiepreisschock im Zuge des Iran-Krieges trifft die Erholung hart, gleichzeitig stützt aber die expansive Fiskalpolitik die Binnenwirtschaft und verhindert ein stärkeres Abrutschen“, sagte Timo Wollmershäuser, Konjunkturchef des Ifo-Instituts. Die Inflationsrate wird nach Einschätzung der Institute im Jahr 2026 auf durchschnittlich 2,8 Prozent ansteigen, im Jahr 2027 auf 2,9 Prozent.

Rückgang der Erwerbstätigkeit

Mittelfristig rechnen die Institute damit, dass das Wachstum des Produktionspotenzials in Deutschland von derzeit 0,2 Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts vollständig zum Erliegen kommt. Neben dem demografiebedingten Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter trägt dazu nach Einschätzung der Institute die sinkende Arbeitszeit je Erwerbstätigen bei. Dies liege vor allem daran, dass die Arbeitsleistung mehr und mehr von älteren Arbeitnehmern erbracht wird, die eine unterdurchschnittliche Wochenarbeitszeit haben. Die Institute erwarten einen leichten Rückgang der Erwerbstätigkeit im Jahr 2026 um rund 100.000 Personen, gefolgt von einem Anstieg im Jahr 2027 um etwa 42.000 Personen.

Massive Neuverschuldung stützt die Konjunktur

Die massive Neuverschuldung erhöht den Instituten zufolge das Defizit der öffentlichen Haushalte auf 3,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2026 und 4,2 Prozent im Jahr 2027. Damit steigt der Bruttoschuldenstand auf 67,2 Prozent des BIP. Die Institute bewerten den fiskalischen Schub einerseits als wichtigen Konjunkturtreiber, gleichzeitig weisen sie jedoch auf die langfristigen Risiken für die Stabilität der Staatsfinanzen und die erheblichen Konsolidierungserfordernisse zum Ende des Jahrzehnts hin.

Bedingungen für Investitionen verbessern

Nach Ansicht der Wirtschaftsinstitute ist eine Wachstumspolitik nötig, die regulatorisch bedingte Bremsen für private ökonomische Aktivität löst, um Potenzialreserven zu heben. Hierzu sollten sowohl die Arbeitsanreize gestärkt wie auch die Bedingungen für Investitionen und Innovationen verbessert werden. Angesichts gestiegener Energiekosten sprechen sich die Wirtschaftsforschungsinstitute gegen staatliche Eingriffe aus, die kurzfristig die Energiepreise senken, da damit wichtige Marktsignale außer Kraft gesetzt würden. Stattdessen plädieren sie für zielgerichtete soziale Ausgleichsmaßnahmen.

Gemeinschaftsdiagnose kommt zweimal im Jahr

Die Gemeinschaftsdiagnose wird zweimal im Jahr im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie erstellt. Am Frühjahrsgutachten 2026 haben mitgewirkt: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), Ifo-Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München in Kooperation mit dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), das Kiel Institut für Weltwirtschaft, das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sowie das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Kooperation mit dem Institut für Höhere Studien (IHS) Wien.


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