Paris. Der französische Spediteurs- und Logistikverband Transport et Logistique de France (TLF) hat nicht die Absicht, mit seinem Konkurrenten Fédération Nationale du Transport Routier (FNTR) zusammenzugehen. Das erklärte der Verband in einem Communiqué. TLF-Vorstand Patrick Bouchet wies zudem Gerüchte zurück, er werde in einem solchen Falle von seinem Amt zurücktreten. Beides seien reine Fantastereien.
Lagerkämpfe bei TLF
Hintergrund der Dementis ist anscheinend, dass es bei TLF Richtungskämpfe zwischen zwei Lagern gibt: einem, das an der gegenwärtigen Verbändesituation nichts ändern will, und einem anderen, das für eine Fusion mit FNTR plädiert, um so der Interessenvertretung des Straßengütertransports zu größerem Gewicht zu verhelfen. Wie TLF klarstellt, habe Bouchez gemeinsam mit dem Leitungskomitee des Verbandes im Juli letzten Jahres einen Vorstoß zugunsten eines einheitlichen Auftretens der Transportverbände unternommen. Es sei aber nie die Rede davon gewesen, dass TLF auf seine Besonderheiten und eigene Aktionen verzichten wolle.
TLF beansprucht für sich, der einzige Verband zu sein, der die Gesamtheit des Gütertransports und die Logistik repräsentiert. Zu seinen Mitgliedern zählen an die 50 der führenden französischen Unternehmen in dem Bereich. Zusammen kommen sie auf 220.000 Beschäftigte, wie die Organisation in ihrer Selbstdarstellung erklärt. Auf sie entfielen die Hälfte aller im Land zirkulierenden Transport-Fahrzeuge, 80 Prozent aller KEP-Dienstleister, 85 Prozent der Mietwagenunternehmen und ebenso viele Spediteure.
FNTR sieht sich als Stimme des Straßengütertransportgewerbes
FNTR sieht sich dagegen als führender Verband im Straßengütertransportgewerbe und zählt nach eigenen Angaben 12.500 Mitgliedsunternehmen. Zu diesen gehörten solche aller Größenordnungen, von großen Konzernen bis hinunter zum Kleingewerbe. Das seien zwei Drittel aller in Berufsverbänden organisierten Unternehmen und ebenso jeweils zwei Drittel der Beschäftigten in Fahrzeugflotten. Vor 3 Jahren hatte der Verband mit der internationalen Spedition Norbert Dentressangle und dem Mineralöl-Transportexperten Groupe EB Trans zwei spektakuläre Neuzugänge bekommen. Damit sei der Weg eingeschlagen zugunsten einer größeren Stoßkraft und Kohärenz seitens der gewerblichen Interessenvertretung, verlautbarte FNTR aus diesem Anlass.
Auch andere größere Unternehmen gehören FNTR inzwischen an wie die Gruppen Charles André, Transalliance, STEF-TFE und als öffentliches Unternehmen Géodis-BM (SNCF). Beide Transportverbände haben in der Vergangenheit im Bereich der Gewerbepolitik mehrfach unterschiedliche, zum Teil sogar gegensätzliche Positionen vertreten. Die anhaltende scharfe Krise im Transportgewerbe hat sowohl bei dem einen als auch dem anderen Bestrebungen zugunsten von mehr Geschlossenheit ausgelöst. (jb)