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Fahrermangel: Markt für Berufskraftfahrer ist leergefegt

Der Markt für Berufskraftfahrer sei leergefegt und die Bundesregierung verkenne diese Lage, kritisiert die Opposition (Symbolbild)
© Foto: Michael Reichel/dpa/picture-alliance

Der akute Fahrermangel, seine Auswirkungen und Lösungsvorschläge waren Thema einer Gesprächsrunde, zu der der Bundestagsabgeordnete Henning Rehbaum eingeladen hatte.


Datum:
11.11.2022
Autor:
Thomas Burgert
Lesezeit:
6 min
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Bei einem „Runden Tisch Fahrermangel“, zu dem der Bundestagsabgeordnete Henning Rehbaum (CDU) rund 50 Unternehmerinnen und Unternehmer eingeladen hatte, wurde deutlich, wie stark der Mangel an Berufskraftfahrern die Betriebe belastet und wie sehr sich die Lage zusehends verschärft.

„In all unseren Gesprächen mit der Bus- und Transportbranche wird seit Monaten deutlich: Der Markt für Lkw- und Busfahrer ist leergefegt“, sagte Rehbaum. „Die Regierung verkennt diese Lage. Das liegt in den meisten Fällen an Problemen, für die es aber politische Lösungen gibt. Und die haben wir schon im Sommer in einem Antrag geliefert“, so der Abgeordnete weiter. „Den Führerschein kann man zum Beispiel in zwölf verschiedenen Sprachen machen. Wieso nicht auch die zusätzlich Berufskraftfahrerqualifikation?“

Unnötige Hürden bei der Berufskraftfahrerausbildung

Die Unternehmer berichteten zum einen, wie sich die prekäre Personalsituation in der Praxis auswirkt. Gleichzeitig gaben sie zahlreiche Hinweise und Vorschläge, wie die Fahreraus- und -weiterbildung vereinfacht und entbürokratisiert werden könnte. Miriam Schwarze vom Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) kritisierte vor allem die hohen bürokratischen Hürden, die angesichts des akuten Fahrermangels aus der Zeit gefallen seien. Außerdem seien die Anforderungen bei der Erteilung von Visa für Fahrer aus Drittstaaten zu hoch und die Verfahren dauerten viel zu lang. „Das bekommen zum Beispiel unsere Nachbarn in Polen viel schneller und unbürokratischer hin.“.

Der Spediteur Christopher Schuldes aus Hessen berichtet, dass Fahrer-Azubis aus dem Ausland oftmals am sprachlichen Niveau der Berufskraftfahrerprüfung scheiterten, die lediglich in komplexem Deutsch angeboten werde. Mit leicht verständlichen Fragestellungen wäre es vielen Azubis möglich, die Prüfung zu bestehen. Christian Stickel möchte die gesetzlich vorgegebenen Weiterbildungsmodule für Berufskraftfahrer gerne digital anbieten, wartet aber seit über zwei Jahren auf das politische „Go“ der Verwaltung in Bund und Ländern. Es gäbe eine riesige Nachfrage nach den Online-Schulungen, die er deshalb aber derzeit nicht bedienen könne.

Patrick Orschulko vom Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) führte  mit Blick auf Kosten und Dauer der Ausbildung das Beispiel Österreich an, wo sowohl die Kosten als auch die Dauer für den Erwerb eines Busführerschein um 75 Prozent niedriger seien als in Deutschland. Es täte der Qualität der Ausbildung keinen Abbruch, wenn die deutschen Vorschriften wieder auf ein europäisches Normalmaß kämen.

Rehbaum kritisiert Antwort aus dem Verkehrsministerium

„Wenn die Ampel nichts gegen den Fahrpersonalmangel tut“, so das Fazit von Henning Rehbaum, „droht eine Situation wie in England: Leere Regale, lange Schlangen an den Tankstellen, Lieferengpässe. Gleiches gelte im ÖPNV: Ausfallende Züge und Busse sind schon heute Realität.“ Es gebe einen immer akuter werdenden Fahrpersonalmangel. Schon heute fehlen so viele Busfahrer, dass vielerorts Fahrplankürzungen, Linienstreichungen und Ausfälle von Schulbussen Realität sind. Der demografische Wandel und der fehlende Berufsnachwuchs verschärfen die Lage immer mehr.

Rehbaum, der Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion für das Thema Fahrpersonalmangel ist, erinnerte daran, dass die Unions-Fraktion das Bundesverkehrsministerium kürzlich gefragt hatte, wie es dem Personalmangel entgegenwirken wolle. Die Antwort aus dem Ministerium habe gelautet: „Generell ist die Bekämpfung des Fachkräftemangels zunächst die Aufgabe der Unternehmen“. Aktuell seien „weder Lieferketten noch die Versorgungssicherheit oder der Personentransport durch Personalmangel gefährdet“, so das Ministerium. „Die lapidare Antwort der Bundesregierung kann ich nicht nachvollziehen“, kritisierte Rehbaum. (tb)

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