Es sei unmöglich, das sogenannte TEN-V-Hochgeschwindigkeitsnetz bis 2030 fertigzustellen, stellt der Europäische Rechnungshof in einem Sonderbericht fest. Dabei geht es auch um den Fehmarnbelt-Tunnel zwischen Deutschland und Dänemark und den Brenner-Basistunnel.
„Drei Jahrzehnte, nachdem die meisten dieser Infrastrukturen entworfen wurden, sind wir noch weit davon entfernt, sie in Betrieb zu nehmen und die angestrebten Verbesserungen im Personen- und Güterverkehr für ganz Europa zu erreichen", erklärt Annemie Turtelboom, die als Mitglied des Europäischen Rechnungshofs für den aktualisierten Bericht zuständig ist.
Gründe für Verzögerungen beim Bau: Krisen, Bürokratie und technische Hürden
Hintergrund der Schwierigkeiten bei den insgesamt acht Megaprojekten sind unter anderem die Corona-Pandemie und der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, wie die Prüfer festhalten. Durch unvorhergesehene Krisen seien Kosten gestiegen und die Arbeiten dauern länger. Weitere Faktoren, die eine Rolle spielten, seien neue rechtliche Anforderungen und unerwartete technische Hürden.
Einzig bei der Autobahn A1 in Rumänien werde nun mit einer früheren Eröffnung gerechnet.
Acht Projekte unter der Lupe: Wohl Verdopplung der Gesamtkosten
Die jüngste Schätzung der Gesamtkosten für die acht Projekte sei fast doppelt so hoch wie die ursprüngliche. Hauptsächlich gehe der starke Anstieg auf zwei Eisenbahnverbindungen zurück:
- die Rail Baltica (plus 291 Prozent Kosten), die von Tallinn über Riga und Kaunas nach Warschau führen soll, und
- die Verbindung Lyon-Turin (plus 127 Prozent Kosten).
Auch eine starke Verzögerung stellen die Prüfer fest. Die fünf Megaprojekte, für die es Daten gebe, lägen im Schnitt 17 Jahre hinter dem Zeitplan zurück.
Eröffnung Brenner-Basistunnel: Statt 2016 voraussichtlich 2032
Der Brenner-Basistunnel wird dem Bericht zufolge 40 Prozent teurer als ursprünglich geschätzt. Er soll voraussichtlich erst 2032 statt wie ursprünglich erwartet 2016 eröffnet werden.
Die Brenner-Route ist eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen über die Alpen. Die neue Verbindung soll Fahrten von München nach Norditalien deutlich beschleunigen und vor allem Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern. Der Rechnungshof hatte bereits im Vorgängerbericht 2020 festgehalten, dass es vor allem bei der Anbindung an den Tunnel mit dem Zulauf in Deutschland und Italien Probleme gibt.
Fehmarnbelt-Querung viel teurer
Die Fehmarnbelt-Querung verteuerte sich der Schätzung zufolge um 52 Prozent. Im Sonderbericht, der den Stand bis November 2025 wiedergibt, wird hier mit einer Eröffnung 2029 statt ursprünglich 2018 gerechnet. Am Freitag (16. Januar) wurde bekannt, dass sich die Fertigstellung voraussichtlich sogar auf 2031 verzögert.
Hoffnung für die Zukunft: Bessere Abstimmung unter EU-Mitgliedsstaaten zu Verkehrsnetz
Die Prüfer hoffen, dass künftig die nationalen Verkehrspläne besser mit den Prioritäten auf europäischer Ebene abgestimmt werden. Die Staaten sind dazu mittlerweile verpflichtet. Dies werde sich voraussichtlich aber erst bei neuen Megaprojekten auswirken.