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EU einigt sich auf Treibstoffquoten und Umweltlabel für Flüge

UPS Boeing 767 Frachtflugzeug Air Cargo
Fliegen steht aus klimapolitischer Sicht besonders in der Kritik. Damit die Bilanz der Branche besser wird, macht die EU künftig mehr Vorgaben (Symbolbild)
© Foto: Boeing

EU-Parlament und Kommission haben sich auf Vorgaben für einen klimafreundlicheren Luftverkehr geeinigt. Die Pläne für Treibstoffquoten stoßen auf Kritik aus der Branche.


Datum:
26.04.2023
Autor:
Marie Christin Wiens / dpa
Lesezeit:
5 min
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Die EU will den Luftverkehr klimafreundlicher machen. Flüge in der Union sollen künftig für Fluggäste mit einem Umweltlabel ausgezeichnet werden. Zudem ist geplant, die Beimischung nachhaltiger Kraftstoffe zum Kerosin vorzuschreiben.

Dazu zählen dem Parlament zufolge synthetisch hergestellte Kraftstoffe wie E-Kerosin, aber auch mit erneuerbaren Energien hergestellter Wasserstoff oder bestimmte Biokraftstoffe. Dies sind sogenannte Sustainable Aviation Fuels, SAF.

„Verglichen mit einem Szenario des Nichtstuns dürften sich allein mit dieser Maßnahme die jährlichen CO2-Emissionen von Luftfahrzeugen bis 2050 um etwa zwei Drittel senken lassen“, teilte die Kommission mit.

Beide Maßnahmen sollen dazu beitragen, die EU-Klimaziele zu erreichen, teilten Europaparlament und Mitgliedstaaten nach der Einigung in der Nacht auf den 26. April mit. Sie sind Teil des Fit-for-55-Pakets.

Treibstoffquoten in Stufen erhöht

Ab 2025 sollen laut Parlament mindestens 2 Prozent der Flugkraftstoffe umweltfreundlich sein. Dieser Anteil soll alle fünf Jahre erhöht werden: auf 6 Prozent 2030, 20 Prozent 2035, 34 Prozent 2040, 42 Prozent 2045 und schließlich 70 Prozent im Jahr 2050. Die Einigung muss noch formell vom Parlament und den EU-Staaten bestätigt werden.

„Die Höhe der nun festgelegten Quoten gibt der Branche einen konkreten Fahrplan“, hieß es vonseiten der Interessensgemeinschaft E-Fuel Alliance. Auch der Aireg – Aviation Initiative for Renewable Energy in Germany begrüßt die Entscheidung: Die beabsichtigten Quoten mögen zu wenig ambitioniert erscheinen, so der Verband. „Aber in absoluten Mengen – etwa eine Million Tonnen in 2025 beziehungsweise circa 10 Millionen Tonnen in 2035 – ist das für die Hersteller und den Markt eine ordentliche Herausforderung.“

Kritik aus der Branche: Carbon Leakage und Wettbewerbsverzerrung

Die Lufthansa kritisierte das Vorhaben. Die geplante Pflicht, Kerosin in immer größeren Mengen nachhaltige Kraftstoffe beizumischen, führe zu einer strukturellen Benachteiligung von international tätigen europäischen Fluggesellschaften, argumentierte der Konzern.

Zudem geht er nach eigenen Angaben davon aus, dass die Pläne keinen Nutzen für die Umwelt haben, da sie zu mehr Flügen über nichtbetroffene Drehkreuze wie Istanbul führen könnten. Dies benachteilige EU-Flughäfen, an denen Passagiere umstiegen. Es bestehe die Gefahr, dass der Treibhausgasausstoß nur ins Ausland verlagert werde.

Konkret kritisieren die Lufthansa und der Branchenverband BDL, dass beispielsweise ein Flug über ein EU-Drehkreuz unverhältnismäßig teurer würde. Denn die Vorgaben gelten nicht für Flüge zwischen zwei Drittstaaten. Sprich: Bei einem Flug von Frankfurt über Istanbul nach Hongkong müsste theoretisch weniger der teureren nachhaltigen Kraftstoffe beigemischt werden als bei einem Direktflug Frankfurt-Hongkong.

Evaluation bis 2027 für Instrumente nutzen

Die Benachteiligung der europäischen Fluggesellschaften und Luftverkehrsdrehkreuze aufgrund der höheren Preise und das daraus folgende Carbon Leakage müsse vermieden werden, so der BDL. Er fordert, die vorgesehene Klausel zur Evaluierung durch die Kommission dringend zu nutzen, um dafür bis 2027 geeignete Instrumente zu erarbeiten.

Ähnlich sieht dies das Deutsche Verkehrsforum. Dieses begrüßt zwar die durch den Beschluss geschaffene Rechtssicherheit und Planbarkeit. Es sieht allerdings die vereinbarte Überprüfung der Auswirkungen 2027 als wichtig, aber spät an. „Investitionen in nachhaltige Kraftstoffe, Antriebe und Flugzeuge müssen jetzt mit allen Mitteln gefördert werden, zum Beispiel im Net Zero Industry Act und in der Taxonomie der EU“, so Heike van Hoorn, DVF-Geschäftsführerin zur sogenannten ReFuelEU Aviation.

Die CDU-Europaabgeordneten Jens Gieseke und Hildegard Bentele sehen in der EU-Einigung viel Potenzial. So betonte Gieseke, dass Deutschland ein wichtiger Produktionsstandort für nachhaltige Kraftstoffe werden könne. Bentele sagte, Hersteller hätten nun Planungssicherheit.

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