Peking/Taipeh. Die Beziehungen zwischen den lange verfeindeten Staaten China und Taiwan entspannen sich weiter: Nach fast 60 Jahren Eiszeit gibt es seit Montag erstmals direkte Flug- und Seefrachtverbindungen. China, das die Inselrepublik Taiwan lediglich als abtrünnige Provinz betrachtet, sprach von einem „historischen Schritt“. Die beiden Staaten sind seit dem Ende des Bürgerkriegs in China 1949 gespalten. Die Erleichterungen waren Anfang November im Rahmen von bilateralen Abkommen besiegelt worden. Pro Monat gibt es jetzt 60 Frachtflüge und pro Woche bis zu 108 Passagierflüge zwischen Taiwan und China. Bisher verkehrten nur Flüge an Wochenenden und den vier großen traditionellen Feiertagen. Außerdem wurden eine Vielzahl von Flughäfen und Seehäfen für den direkten Verkehr zwischen beiden Ländern freigegeben. In Taiwan nahm Präsident Ma Ying-jeou im Hafen von Kaohsiung an der Einweihung der direkten Schifffahrtsverbindung über die Straße von Taiwan teil, die die Insel vom weniger als 20 Kilometer entfernten Festland trennt. Er hob den versöhnenden Charakter der Neuregelung sowie die Zeit- und Geldersparnis hervor. Chinas Chefunterhändler Wang Yi sprach von einem wichtigen Meilenstein in der Entwicklung der Beziehungen zwischen Taiwan und China. Bei einer Zeremonie im nördöstlichen chinesischen Hafen Tianjin sagte er, die direkten Verbindungen würden den bilateralen Beziehungen neuen Schwung verleihen. Taiwans Vizeunterhändler Zheng Lizhong erklärte am Shanghaier Pudong-Flughafen bei einer Veranstaltung: „Angesichts der globalen Finanzkrise kommen die Direktflüge genau zur richtigen Zeit.“ Die Krise hat in China wie auch in Taiwan die Wirtschaft schwer in Mitleidenschaft gezogen. Am frühen Morgen war eine Maschine der Shenzhen Airlines vom südchinesischen Shenzhen gestartet. Kurz danach verließ eine andere Maschine die Hafenstadt Shanghai in Richtung Taiwan. Auf dem Flughafen der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh startete eine Maschine in Richtung Shanghai. Der neue taiwanesische Präsident Ma hat seit seiner Amtsübernahme im vergangenen Mai eine stärkere Annäherung an China gesucht. Mas Vorgänger Chen Shui-bian, der Peking mit seiner Unabhängigkeitspolitik verärgert hatte, hatte dem neuen Präsidenten vorgeworfen, den „Ausverkauf Taiwans“ zu betreiben. (dpa)
Erstmals direkter Flug- und Frachtverkehr zwischen Taiwan und China
Die Beziehung zwischen den lange verfeindeten Staaten entspannt sich weiter