Der Paketdienst DHL fordert strengere gesetzliche Vorgaben für den Umgang mit schweren Paketsendungen. Nach Ansicht des Unternehmens sollten Pakete mit einem Gewicht von mehr als 23 Kilogramm künftig branchenweit nur noch von zwei Zustellkräften transportiert und ausgeliefert werden. Hintergrund sind gesundheitliche Belastungen für die Beschäftigten. Von Wettbewerbern kommt dagegen Kritik, während die Gewerkschaft Verdi sogar noch weitergehende Regelungen verlangt.
DHL fordert neue Gewichtsgrenze für die gesamte Paketbranche
„Pakete, die schwerer sind als 23 Kilo, sollten nur noch von zwei Menschen zugestellt werden dürfen“, sagt DHL-Vorständin Nikola Hagleitner der dpa. Die Regelung müsse gesetzlich verankert werden und für alle Paketdienstleister gleichermaßen gelten.
Aus Sicht des Unternehmens steht dabei vor allem der Gesundheitsschutz im Mittelpunkt. „Wenn nur ein Mensch zustellt, kann das schlecht für den Rücken sein“, erklärt Hagleitner. Nach Angaben von DHL hängt im Unternehmensbereich Post & Paket Deutschland etwa jede dritte Krankmeldung mit Muskel- oder Skeletterkrankungen zusammen.
Schwere Sendungen betreffen häufig Fitnessgeräte oder Tiernahrung
Zu den typischen schweren Paketen zählen unter anderem Fitnessgeräte, Hundefutter, Katzenstreu oder Getränkesendungen. Nach Angaben von Hagleitner wären mehr als 90 Prozent dieser Pakete grundsätzlich teilbar. Produkte wie Tierfutter oder Wein könnten gut auf zwei Sendungen verteilt werden.
Der Anteil der besonders schweren Sendungen ist bei DHL vergleichsweise gering, so die dpa: Lediglich 1,1 Prozent der Pakete liegen nach Unternehmensangaben im Gewichtsbereich zwischen 23 und 31,5 Kilogramm. Dennoch hält der Marktführer die Diskussion für relevant, da die betreffenden Geschäftskunden oft gleichzeitig große Mengen leichterer Pakete verschicken. Hagleitner sagt: "Besagte Firmenkunden übergeben uns auch viele leichtere Pakete - und diese Volumina würden wir auch verlieren, wenn die Firmenkunden abwandern."
DHL sieht Wettbewerbsnachteile bei einem Alleingang
Warum DHL die Zwei-Personen-Zustellung für Pakete über 23 Kilogramm nicht eigenständig einführt, begründet die Managerin mit den Wettbewerbsbedingungen in der Branche. Würde der Konzern seine Kunden verpflichten, schwere Sendungen aufzuteilen, oder die Auslieferung deutlich verteuern, könnten Kunden zu anderen Anbietern wechseln.
„Es hilft am Ende niemandem, wenn Paketmengen zu Dienstleistern wandern, die schlechtere Arbeitsbedingungen haben als wir und damit tarifgebundene gute Arbeitsplätze verloren gingen“, sagt Hagleitner. Zugleich betont sie: „Gesundheitsschutz funktioniert dauerhaft nur, wenn für die gesamte Branche dieselben Regeln gelten und diese auch strikt kontrolliert werden.“
Wettbewerber lehnen niedrigere Gewichtsgrenze ab
Der Bundesverband Paket- und Expresslogistik (BPEX), der unter anderem die Interessen von Hermes, GLS und DPD vertritt, spricht sich gegen eine Absenkung der bislang geltenden Gewichtsgrenze von 31,5 Kilogramm aus. Gewichtsobergrenzen von 20 oder 23 Kilogramm seien willkürlich, argumentiert der Verband.
„Wir plädieren dafür, dass eine professionelle Paketkarre bei der Zustellung eines schweren Pakets eingesetzt werden sollte“, heißt es vom BPEX.
Der Verband warnt zudem vor einem steigenden Personalbedarf in einer Branche, die bereits heute Schwierigkeiten habe, ausreichend Zustellkräfte zu gewinnen. Außerdem weist eine Verbandssprecherin darauf hin, dass es bei schweren Paketen häufig um Sendungen von Firmen an Firmen gehe und deren Zustellung ohnehin ebenerdig, über Aufzüge oder Rampen erfolge. Nach Einschätzung des BPEX könnten verpflichtende Zwei-Personen-Teams außerdem zusätzliche Fahrzeuge und Touren erforderlich machen, was sich negativ auf die CO₂-Bilanz auswirken würde.
Verdi fordert 20-Kilo-Grenze ohne Ausnahmen
Die Gewerkschaft Verdi hält die Forderung von DHL für nicht weitreichend genug. Sie verlangt eine verbindliche Obergrenze von 20 Kilogramm ohne Ausnahmeregelungen: „Es wird Zeit, dass die Bundesregierung aktiv wird und einen Gesetzesentwurf auf den Weg bringt“, sagt Verdi-Vize Andrea Kocsis. „Die Beschäftigten in der Branche haben lang genug darauf gewartet und brauchen jetzt eine Entlastung.“
Hintergrund ist eine von der früheren Bundesregierung angestoßene Regelung. Diese sah grundsätzlich vor, dass Pakete ab 20 Kilogramm von zwei Personen transportiert werden müssen. Allerdings sollte eine Ausnahme möglich sein, wenn geeignete technische Hilfsmittel eingesetzt werden. Die dafür notwendige Verordnung wurde jedoch von der Ampel-Regierung nicht mehr verabschiedet.
DHL zweifelt an Nutzen technischer Hilfsmittel
Nach Einschätzung von DHL können technische Lösungen wie etwa elektrische Sackkarren die Belastungen bei schweren Paketen nicht ausreichend reduzieren. Auch elektrische Treppensteiger oder ähnliche Systeme seien kein Ersatz für eine zweite Person bei der Zustellung: „Es gibt keine geeigneten technischen Hilfsmittel, die Gesundheitsgefahren bei schweren Paketen in der Ein-Personen-Zustellung wesentlich minimieren“, sagt Hagleitner.
Der Konzern verweist darauf, dass schwere Pakete nicht nur an Haustüren bewegt werden. Auch in Paketzentren müssen Sendungen angehoben, transportiert und abgestellt werden. DHL testete dort unter anderem Exoskelette, also körpernahe Assistenzsysteme für Hebe- und Tragevorgänge.
Die Ergebnisse fielen nach Unternehmensangaben jedoch ernüchternd aus. „Viele unserer Kolleginnen und Kollegen wollen diese Hilfsmittel nicht, etwa weil ihnen damit warm wird und weil die Geräte ein hohes Eigengewicht haben können“, sagt Hagleitner.