Deutsche Bahn beklagt sich über Tiefensee

03.11.2008 16:03 Uhr
ddp
Eine Sitzung des Verkehrsausschusses soll Ungereimtheiten untersuchen (Bild: ddp)
© Foto: ddp

Sonderprämien Thema wird im Bundestag / Deutsche-Bahn-Manager wollen über ihre Boni wieder hinter verschlossenen Türen reden

Berlin. Das Zerwürfnis zwischen dem Management der Deutschen Bahn und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) um Sonderprämien für den geplanten Börsengang hat sich vertieft. Der Vorstand der Deutschen Bahn (DB) machte seinen Unmut über Tiefensees Verhalten heute öffentlich. Vize-Regierungssprecher Thomas Steg versicherte, an eine Ablösung des Ministers sei nicht gedacht. Gleichzeitig stärkte die Bundesregierung sowohl DB-Vorstandschef Hartmut Mehdorn als auch dem Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Müller den Rücken. Tiefensee muss an diesem Mittwoch vor dem Verkehrsausschuss des Bundestages Rede und Antwort stehen. Der Minister ist auch in der großen Koalition unter Druck geraten, weil es Zweifel an der Darstellung gibt, er habe erst Mitte September von den geplanten Bonuszahlungen erfahren. Tiefensee will die Sonder-Tantiemen für den Börsengang der Bahntochter DB Mobility Logistics verhindern. Sie könnten für Mehdorn - je nach Erlös beim Aktienverkauf - zwischen 140.000 und 1,4 Millionen Euro betragen, für Finanzvorstand Sack 120.000 bis 1,2 Millionen und für die übrigen Vorstandsmitglieder 100.000 bis eine Million Euro. In einer Erklärung zeigte sich der Vorstand des Staatskonzerns „enttäuscht und verwundert“ über Tiefensees Äußerungen zu den Sonderzahlungen, die die Manager bei einem erfolgreichen Börsengang für ihre Arbeit erhalten sollen. Der Minister habe „trotz einiger Gespräche in den letzten Wochen, auch unter vier Augen, dieses Thema gegenüber dem DB-Vorstand zu keinem Zeitpunkt angesprochen“. Der Vorstand äußerte die Erwartung, „dass Vergütungs-Angelegenheiten nicht in der Öffentlichkeit, sondern im dafür aktienrechtlich zuständigen Aufsichtsrat zu besprechen und zu regeln sind“. Der zuständige Personalausschuss des Aufsichtsrats hatte die Vergütungsregeln am 24. Juni beschlossen. Vier Monate später, am 29. Oktober, entließ Minister Tiefensee seinen Staatssekretär Matthias von Randow, der im Personalausschuss als eines von vier Mitgliedern und Vertreter der Bundes den Prämien zugestimmt hatte. Die Begründung: Staatssekretär von Randow habe Tiefensee zu spät informiert. Tiefensees Sprecher Rainer Lingenthal bestätigte heute nochmals, dass der Minister erst Mitte September von den geplanten Boni erfahren habe. Lingenthal sagte, Tiefensee wolle sich zu Fragen zum Thema Bahn-Bonuszahlungen nach der Sitzung des Verkehrsausschusses öffentlich äußern. Lingenthal fügte hinzu, Mehdorn und Müller hätten Tiefensees Vertrauen. Wenn es jetzt in einem Punkt unterschiedliche Meinungen gebe, ändere das nichts daran, dass beide „in den letzten Jahren hervorragende Arbeit geleistet“ hätten. (dpa/sb)

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