Berlin. Eine umfangreiche Machbarkeitsstudie zwecks Gründung einer chinesischen Tochter-Airline namens „Cargolux China“ wird noch in dieser Woche vorgelegt. Dies bestätigte Cargolux-Vorstandschef Dirk Reich in einem Gespräch mit der VerkehrsRundschau in Berlin. Seinen Angaben zufolge geht es in der Studie zunächst um die Grundentscheidung, ob eine regionale Frachtlinie für Zubringerdienste oder eine interkontinental operierende Gesellschaft gegründet werden soll. Offenbar wird in der Studie die größere Lösung befürwortet.
Geben die Gesellschafter grünes Licht, werde „Cargolux China“ primär transpazifische Routen bedienen. Auch Dienste auf innerasiatischen Strecken, ins zentrale und östliche Russland sowie nach Australien böten sich an, so Reich. Parallelverkehr mit der Mutter Cargolux werde es nicht geben, betonte der Manager.
Zhengzhou soll Drehkreuz für Cargolux werden
Sitz der künftigen Gesellschaft ist Zhengzhou in der zentralchinesischen Provinz Henan. Die dortige staatliche Investmentgesellschaft HNCA ist seit Ende vergangenen Jahres mit 35 Prozent an Cargolux beteiligt. Im Kooperationsvertrag verpflichten sich beide Seiten, den Flughafen Zhengzhou zum zweiten Drehkreuz von Cargolux auszubauen, nach deren Heimatbases Luxemburg Findel Airport.
Die ersten Schritte dazu sind erfolgt. So fliegt Cargolux derzeit viermal wöchentlich Zhengzhou mit Boeing 747-Frachtern an. „Im November erhöhen wir die Frequenzen auf sechs Rotationen“, kündigt Reich an. Weitere sollen sukzessive in 2015 folgen.
Keine Info zum Zeitplan
Die Gründung von Cargolux China kann sehr schnell gehen, aber auch zwei Jahre dauern. Zwar unterstütze die Pekinger Regierung das Projekt politisch, betont Reich, aber die Erfahrung zeige, dass es nicht vorhersehbar sei, wie zügig die zuständige Luftfahrtbehörde eine neue Gesellschaft registriere und ihr die Betriebslizenz erteile.
Angesprochen auf deren Flotte befürwortete der Manager die Anschaffung von Jumbo-Großfrachtern, da sich hieraus hohe Synergien mit der Flotte von Cargolux ergäben. Diese besteht aus einem Mix von 747-400F und 747-8F.
Wie der Vorstandschef weiter ankündigte, beabsichtige seine Frachtlinie künftig auf einem deutschen Flughafen zu landen, um von dort Sendungen nach China zu befördern. „Derzeit evaluieren wir einige Airports, darunter Köln/Bonn, Hannover und Nürnberg“, so Reich. Zentrales Kriterium für die Standortentscheidung sei, dass an dem jeweiligen Flughafen keine Nachtflugbeschränkung existiere, also Verkehr rund um die Uhr möglich sei. Damit dürfte Rhein-Main als größtes deutsches Cargo-Drehkreuz wegen der dort geltenden Nachtsperre keine Chancen auf einen Zuschlag haben.
Die geplante Einbeziehung eines deutschen Flughafens in das interkontinentale Routennetz von Cargolux begründete Reich mit dem dort vorhandenen hohen Sendungsaufkommen. So stamme etwa jede fünfte Tonne, die seine Fluglinie in Europa zulade, aus Deutschland. (hs)