Die geplante Absenkung der Ticketsteuer reicht der deutschen Luftverkehrsbranche nicht aus. Diesem „richtigen ersten Schritt“ müssten weitere folgen, verlangt der Branchenverband BDL bei der Vorstellung der Jahresverkehrszahlen 2025 in Berlin. Rückläufig sind in Deutschland vor allem Inlandsflüge sowie Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Entlastungen brauche die Branche auch bei der Luftfracht, forderte BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang: „Wenn Deutschland seine Rolle als zentrale Drehscheibe für globale Lieferketten sichern will, müssen die Standortkosten und weitere Rahmenbedingungen auch in diesem Segment dauerhaft auf ein internationales Wettbewerbsniveau gebracht werden.“
Effekte der US-Zollpolitik
Der Luftfrachtverkehr profitierte im Jahr 2025 laut BDL insbesondere von Einmaleffekten. An den deutschen Flughäfen wurden insgesamt rund 4,86 Millionen Tonnen Luftfracht ein- und ausgeladen – ein Plus von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit lag das Frachtaufkommen auch leicht über dem Niveau von 2019. Treiber dieser Entwicklung seien vor allem temporäre Nachfragespitzen infolge der US-Zollpolitik gewesen. Parallel zur Androhung neuer Zollschranken füllten Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks kurzfristig ihre Lagerflächen mit Vorprodukten und Ersatzteilen. Unterm Strich nahmen die Ausladungen an deutschen Flughäfen um 2,1 Prozent zu, die Einladungen stiegen um 1,2 Prozent.
Luftfrachtaufkommen steigt global
Im europäischen Vergleich zeige sich jedoch auch bei der Luftfracht, dass „Deutschland seine Position als einer der führenden Logistikstandorte nicht als selbstverständlich ansehen darf“, schreibt der BDL. Zwar konnte der Flughafen Frankfurt 2025 seinen Titel als größter Frachtflughafen Europas zurückerobern – konkurrierende Standorte im Ausland holen jedoch weiter auf. Europaweit stieg das Frachtaufkommen 2025 um 2,9 Prozent, global sogar um 3,4 Prozent. „Wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen sind auch für die Luftfracht entscheidend“, betonte BDL-Hauptgeschäftsführer Lang.
Standortkosten in Deutschland zu hoch
Damit Deutschland wieder am Wachstum des boomenden europäischen Luftverkehrs teilhaben könne, müssen bei den Entlastungen „weitere Schritte folgen“, sagt BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. Das betreffe vor allem die stark gestiegenen staatlich verursachten Standortkosten. Neben der Ticketsteuer sind das Gebühren für die Flugsicherung und Luftsicherheitskontrollen. Allein im vergangenen Jahr seien die Belastungen um 1,1 Milliarden Euro auf 4,3 Milliarden Euro gestiegen. Als Beispiel empfiehlt der BDL das Vorgehen Schwedens, wo das Flugangebot nach ersatzloser Abschaffung der Luftverkehrssteuer stark gewachsen sei.