BALM-Mittelfristprognose sieht Güterverkehr bis 2029 unter Druck

15.04.2026 10:25 Uhr | Lesezeit: 4 min
Lkw fährt durch digitalen Tunnel
Straßengüterverkehr 2025: Leistung erneut im Minus (Symbolbild)
© Foto: Papisut/ AdobeStock (KI-generiert)

Die Mittelfristprognose Winter 2025/26 erwartet für 2025 ein Minus im Güterverkehr. Für 2026 bis 2029 prägen geopolitische Risiken die Annahmen.

BALM-Mittelfristprognose Winter 2025/2026

Mittelfristprognose Winter 2025/26: Verkehr bleibt von Unsicherheiten geprägt

Im Rahmen der „Gleitenden Mittelfristprognose für den Güter- und Personenverkehr“ hat Intraplan Consult im Auftrag des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV, inzwischen Bundesministerium für Verkehr/BMV) – vertreten durch das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) – die „Mittelfristprognose Winter 2025/26“ erstellt. Sie umfasst die Jahre 2026 bis 2029 und enthält zusätzlich einen Überblick über die Entwicklung im bereits abgeschlossenen Jahr 2025. Die für 2025 ausgewiesenen Werte sind dabei überwiegend Schätzwerte.

In den Tabellen der Prognose werden neben den jährlichen Veränderungsraten gegenüber dem jeweiligen Vorjahr auch Veränderungen für den Zeitraum 2019 bis 2029 ausgewiesen. So lässt sich ablesen, in welchem Umfang die Kennzahlen im Zieljahr 2029 über oder unter dem Vorkrisenniveau 2019 liegen. Im Personenverkehr sind diese Vergleiche gegenüber 2019 auch für relevante Zwischenjahre zusätzlich dargestellt; im Güterverkehr wird dies nicht als erforderlich bewertet.

Seit der Sommerprognose 2012 wird zudem der Luftverkehr (Fracht und Passagiere) vom zuständigen Referat im BALM prognostiziert.

Annahmen: Iran-Krieg, Handelspolitik und Energiepreise als zentrale Faktoren

Die Prognose stützt sich bei der gesamtwirtschaftlichen Einordnung auf den Jahreswirtschaftsbericht 2026 der Bundesregierung sowie die darauf aufbauende mittelfristige Projektion des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) vom 28. Januar 2026, die als offizielle Prognose der Bundesregierung gilt.

Gleichzeitig wird betont, dass Verkehrs- und Wirtschaftsentwicklung kurzfristig erneut von erheblichen Unsicherheiten beeinflusst werden. Als zentrale Einflussgrößen nennt der Bericht unter anderem den seit Ende Februar 2026 laufenden Iran‑Krieg und die Lage im Nahen Osten, bestehende bzw. mögliche weitere geopolitische Krisen (Russland/Ukraine, potenziell China/Taiwan) sowie die Außenhandelspolitik der US‑Regierung. Für die Prognose werden hierzu mehrere Kerannahmen getroffen, darunter:

  • Der Iran‑Krieg dauert – wie angekündigt – etwa vier bis sechs Wochen und weitet sich nicht regional aus; eine Ausweitung hätte deutlich stärkere Effekte auf Energiepreise sowie europäische und globale Wirtschaft.
  • Es wird kein Handelskrieg zwischen den USA und Europa unterstellt; Zölle, die im Januar 2026 bereits galten oder vereinbart waren, bleiben im Prognosezeitraum bestehen.
  • Das Sanktionsregime gegen Russland bleibt bestehen; Energierohstoffe bleiben auch wegen der Entwicklungen in der Golfregion knapp.
  • Die wirtschaftlichen Auswirkungen geopolitischer Spannungen auf Europa verschärfen sich nicht.
  • Der Flüchtlingszustrom aus der Ukraine hat sich deutlich abgeschwächt; der Wanderungssaldo normalisiert sich und bleibt auf diesem Niveau.
  • Der Preis des Deutschlandtickets wurde 2026 von 58 auf 63 Euro erhöht und wird im weiteren Prognosezeitraum weniger deutlich angehoben.
  • Die CO₂‑Bepreisung wird nach aktueller Beschlusslage fortgeführt.
  • Die Auswirkungen von Trassenpreiserhöhungen sind wegen Klagen und offener Förderfragen noch nicht final; für die Prognose wird nur von einer leichten Erhöhung der Nutzer‑ bzw. Transportkosten im Personen- und Güterverkehr ausgegangen.
  • Arbeitskämpfe im ÖSPNV dämpfen wie im Vorjahr das Jahresergebnis; für 2027 bis 2029 werden keine weiteren gravierenden Streikaktivitäten angesetzt.

Güterverkehr: Nach dem Pandemieeinbruch dominiert wieder Konjunktur

Im Güterverkehr wurde der starke Einbruch des Jahres 2020 in den Folgejahren teilweise aufgeholt. Ab 2022 prägten – anders als im Personenverkehr – nicht mehr Aufholeffekte, sondern wieder stärker die gesamt- und branchenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Entwicklung. 2023 verstärkte sich die konjunkturelle Abwärtsbewegung, der gesamtmodale Güterverkehr verzeichnete ein deutliches Minus.

Für 2024 fällt die Bilanz gemischt aus: Das Bruttoinlandsprodukt und der Außenhandel nahmen im zweiten Jahr in Folge leicht ab, zudem schrumpfte insbesondere die Bauwirtschaft nochmals spürbar. Die gesamtmodale Güterverkehrsleistung lag 2024 bei -0,6 %, während das Transportaufkommen mit -1,9 % stärker zurückging.



Jahr 2025: BIP leicht im Plus – Güterverkehr dennoch rückläufig

Das Jahr 2025 war nach Darstellung des Berichts von großen Unsicherheiten geprägt, insbesondere durch die schwer kalkulierbare US‑Handelspolitik. Dennoch entwickelten sich das BIP mit +0,2 % und der private Konsum mit +1,4 % besser als zeitweise erwartet. Der Außenhandel war von deutlich höheren Importen geprägt, während die Exporte ein leichtes Minus zeigten. Branchenbezogen blieb die Bauwirtschaft im Rückgang, auch die Industrieproduktion war weiterhin im Minus. Im Kohlesektor setzte sich der Rückgang fort, wenn auch abgeschwächt; auch Rohstahlproduktion und Chemieindustrie gingen erneut zurück. Im Ölsektor stand einem sinkenden Absatz von Mineralölprodukten ein noch stärkeres Minus bei den Rohöleinfuhren gegenüber.

Vor diesem Hintergrund wird für 2025 geschätzt:

  • Gesamtmodales Transportaufkommen: -0,4 %
  • Gesamtmodale Verkehrsleistung: -1,5 %

Im Straßengüterverkehr zeigte sich 2025 beim Transportaufkommen mit -0,1 % nach drei Minusjahren eine nahezu stagnierende Entwicklung. Bei der Transportleistung setzte sich der Rückgang jedoch fort: -0,9 % im vierten Jahr in Folge. Als Gründe werden die weiterhin mäßige gesamtwirtschaftliche Lage sowie der Abschwung der Bauwirtschaft genannt.


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