Die Erwartungen der Finanzmarktexperten an die deutsche Wirtschaft haben sich im August erneut deutlich aufgehellt, wie die dpa mitteilt: Das ZEW-Konjunkturbarometer stieg im Vergleich zum Vormonat um 7,9 Punkte auf 34,2 Zähler, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim mitteilte. Analysten hatten im Vorfeld lediglich mit einem Anstieg auf 30 Punkte gerechnet.
Rund 300 Finanzmarktexperten werden monatlich für den Indikator befragt. Mit dem jüngsten Plus verzeichnet das Barometer bereits den vierten Anstieg in Folge und erreicht den höchsten Stand seit Februar. Damals hatte der Wert vor dem Iran-Krieg noch bei 58,3 Punkten gelegen.
Auch der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) wird deutlich optimistischer für die deutsche Wirtschaft und verdoppelt seine Wachstumsprognose, teilt die dpa weiter mit: Er erwartet nun im laufenden Jahr ein preisbereinigtes Plus des Bruttoinlandsprodukts von 1,0 Prozent statt wie bisher 0,5 Prozent. Für 2027 rechnet er unverändert mit einem Wachstum von 1,3 Prozent.
"Das Niedrigwasser im Rhein und die Hitzewelle bremsen die Erholung der Wirtschaft nur vorübergehend", sagt BVR-Chefvolkswirt Andreas Bley. "In den vergangenen Monaten haben sich die Anzeichen für eine Erholung der Konjunktur nach mehreren Jahren der Schwäche verdichtet." Die deutsche Wirtschaft wachse seit drei Quartalen in Folge. Zudem hellten sich Frühindikatoren auf.
Bley verweist auf eine allmähliche Belebung der Industrie, mehr Dynamik im Baugewerbe und starke Exporte, sowie auf Staatsausgaben für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz.
Finanzexperten bewerten aktuelle Lage weniger pessimistisch
Auch die Einschätzung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation fiel im August besser aus als erwartet. Der Lageindikator verbesserte sich um 16,5 Punkte auf minus 61,1 Zähler. Experten waren zuvor von einem Stand von minus 69,3 Punkten ausgegangen.
„Der Stimmungsaufschwung in der deutschen Wirtschaft geht weiter“, sagte Elmar Völker, Analyst bei der Landesbank LBBW. „Trotz aller Störfeuer vom ungelösten Nahost-Konflikt bis zur Niedrigwasserkrise zeigen die Finanzmarktexperten zum vierten Mal in Folge eine wachsende Zuversicht, dass die Konjunktur den Widrigkeiten trotzt.“
Nach Einschätzung des Ökonomen verbesserten sich nicht nur die Erwartungen für die kommenden Monate. Auch die Beurteilung der aktuellen Lage habe von einem sehr niedrigen Niveau aus stärker zugelegt als prognostiziert.
Der BVR erwartet im dritten Quartal wegen des Niedrigwassers eine kurze Wachstumspause, so Bley. Die wirtschaftlichen Schäden sollten aber zeitlich begrenzt bleiben. Wenn sich die Pegelstände in den kommenden Wochen normalisierten, dürfte die Wirtschaft im vierten Quartal wieder leicht zulegen.
Zugleich erwartet der BVR erhöhte Preise für Verbraucher: Die Inflationsrate prognostiziert er weiter bei 2,8 Prozent in diesem Jahr und bei 2,5 Prozent 2027. Vorübergehend könne die Teuerung wieder über die Marke von drei Prozent steigen, besonders wegen höherer Energie- und Transportkosten.
Positive Exportdaten stützen die Konjunkturerwartungen
Als wichtige Gründe für die bessere Stimmung nennt ZEW-Präsident Achim Wambach jüngste Unternehmenszahlen und die Entwicklung der deutschen Exporte. Diese sprächen für einen „positiven Trend in den Erwartungen“.
Zudem profitiere die deutsche Wirtschaft von den Infrastrukturprogrammen der Bundesregierung.
Niedrigwasser auf dem Rhein belastet Wirtschaft und Logistik
Trotz der verbesserten Erwartungswerte sieht das ZEW weiterhin Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung. Nach Einschätzung von Achim Wambach stellt insbesondere das Rekord-Niedrigwasser auf dem Rhein derzeit eine zusätzliche Belastung dar.
Deutsche Wirtschaft wächst dank starker Exporte
Im Frühjahr legte die deutsche Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent zu und setzte damit das leichte Wachstum zu Jahresbeginn fort. Dabei halfen starke Exporte: Im Juni wurden Waren im Wert von gut 139 Milliarden Euro in alle Welt geliefert - so viel wie noch nie in einem einzelnen Monat.
(Der Artikel wurde am 18.08.2026 um 14:14 Uhr um die Prognosen des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) ergänzt.)