Verkehrsministerium verspricht Entlastungen für Logistik

02.10.2026 12:49 Uhr | Lesezeit: 3 min
Staatssekretärin des BMV, Claudia Elif Stutz, auf der DSLV-Mitgliedersammlung 2026
Staatssekretärin des BMV, Claudia Elif Stutz, auf der DSLV-Mitgliedersammlung 2026
©Foto: Annika Beyer/ VerkehrsRundschau

Die Logistik ist ein tragendes Element der deutschen Wirtschaft – auch wenn ihre Leistung außerhalb von Krisenzeiten oft wenig sichtbar ist. Das Bundesverkehrsministerium will deshalb Investitionen beschleunigen, Vorschriften abbauen und die Rahmenbedingungen für Speditionen und Transportunternehmen verbessern.

Sanierung und Ausbau beschleunigen

Deutschland ist als Transitland mit neun Nachbarstaaten auf leistungsfähige Verkehrswege angewiesen. Für die Modernisierung der Infrastruktur stehen nach Angaben des Ministeriums 170 Milliarden Euro bereit. Entscheidend sei nun, baureife Vorhaben zügig umzusetzen. Das Infrastrukturzukunftsgesetz soll Planungs- und Genehmigungsverfahren verkürzen, Doppelprüfungen beseitigen und Sanierungen sowie notwendige Lückenschlüsse schneller in die Bauphase bringen.

Weitere Beschleunigung soll auf europäischer Ebene erreicht werden. Deutschland bringt Vorschläge in ein angekündigtes EU-Paket für den Verkehrssektor und in die Überarbeitung umweltrechtlicher Verfahren ein. Ziel ist nicht, Umweltstandards aufzugeben, sondern langwierige Abläufe praxistauglicher zu gestalten. Dabei setzt das Ministerium auf Straße, Schiene und Wasserstraße gleichermaßen. Eine stärkere Verlagerung auf die Schiene werde das wachsende Güterverkehrsaufkommen allein nicht auffangen; deshalb bleibe auch die Straße unverzichtbar.

Pragmatischer handeln, Berichtspflichten prüfen

Die jüngste Niedrigwasserlage habe gezeigt, wie wichtig das Zusammenspiel der Verkehrsträger und der direkte Austausch mit der Branche sind. Befristete Ausnahmen vom Sonntagsfahrverbot, Erleichterungen bei Gefahrguttransporten und eine flexiblere Nutzung von Terminals des Kombinierten Verkehrs konnten kurzfristig umgesetzt werden. Solche pragmatischen Lösungen sollen nach dem Willen des Ministeriums künftig nicht erst in akuten Krisen möglich werden.

Beim Bürokratieabbau sollen Berichtspflichten grundsätzlich entfallen, sofern es keinen zwingenden Grund für ihren Fortbestand gibt. Das Ministerium prüft nationale und europäische Vorgaben und will zusätzliche Dokumentations- und Nachweispflichten vermeiden, wenn Unternehmen ihre Pflichten bereits anderweitig erfüllen. Die Branche ist ausdrücklich aufgerufen, konkrete und umsetzbare Entlastungsvorschläge einzubringen.

Brücken, Wasserstraßen und Lkw-Parkplätze

Ein Schwerpunkt bleibt die Brückensanierung. Im Kernnetz stehen rund 4.000 Bauwerke im Fokus; etwa 500 weitere müssen aktuell besonders dringlich erneuert werden. Bis Ende 2025 sei mehr als ein Drittel der vorgesehenen Brückenflächen modernisiert worden. Parallel sollen Wasserstraßen, Hafenhinterlandanbindungen und eine klimafreundlichere Schifffahrt gestärkt werden. Die Dekarbonisierung des Verkehrssystems soll vorankommen, ohne die Unternehmen durch unrealistische Vorgaben zu überfordern.

Fachkräfte, autonomes Fahren und bessere Arbeitsbedingungen

Mit Blick auf den Fachkräftemangel will die Bundesregierung den Führerscheinerwerb unter Wahrung der Ausbildungsstandards bezahlbarer machen. Die gesetzlichen Änderungen sollen nach der genannten Planung 2027 in Kraft treten. Beim Berufskraftfahrerqualifikationsrecht wurden der Zugang erleichtert, zusätzliche Sprachen für die Grundqualifikation zugelassen und obligatorische Praxisanteile reduziert. Für autonomes Fahren wurde zudem ein Förderaufruf über 14 Millionen Euro gestartet, mit Schwerpunkt auf dauerhaft im öffentlichen Raum einsetzbaren Fahrzeugen für Logistik und ÖPNV.

Für Rastanlagen des Bundes stehen 100 Millionen Euro zur Verfügung. Geplant sind zusätzliche Lkw-Parkstände, telematische Parkverfahren und eine digitale Erfassung freier Stellplätze. Der Ausbau wurde in das überragende öffentliche Interesse gestellt. Für Transportunternehmen ist das besonders relevant: Fehlender Parkraum erschwert die Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten und verschlechtert die Arbeitsbedingungen des Fahrpersonals.

Branche erwartet konkrete Fortschritte

Für Speditionen, Logistikdienstleister und Transportunternehmen wird nun entscheidend sein, ob die angekündigten Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden. Neben einer verlässlichen Finanzierung von Infrastrukturprojekten stehen insbesondere schnellere Genehmigungen, weniger Bürokratie und spürbare Verbesserungen im täglichen Betrieb auf der Wunschliste der Branche.

Gerade vor dem Hintergrund steigender Transportmengen, des Fachkräftemangels und des Sanierungsstaus bei der Infrastruktur dürfte die praktische Umsetzung der angekündigten Reformen zu einem zentralen Thema für die Logistikwirtschaft werden.


DSLV fordert Reformen für den Logistikstandort Deutschland

Die deutsche Speditions- und Logistikbranche blickt nach dem schwierigen Jahr 2025 etwas optimistischer auf die Geschäftsentwicklung. Nach dem Einbruch infolge des Iran-Kriegs und der stark gestiegenen Energiepreise hat sich die Stimmung im Laufe des Sommers 2026 spürbar aufgehellt. Von einer nachhaltigen Wachstumsphase könne jedoch noch keine Rede sein, erklärte der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik auf seiner Mitgliederversammlung.

Nach Einschätzung des Verbands stammen die aktuellen Wachstumsimpulse vor allem aus internationalen Märkten. Während die Binnenkonjunktur in Deutschland weiterhin schwach ausfällt, sorgen internationale Verkehre sowie See- und Luftfrachtgeschäfte, die Kontraktlogistik und das Lagergeschäft für Stabilität.

Internationale Verkehre stützen die Logistikbranche

Besonders grenzüberschreitende Transportketten und logistiknahe Dienstleistungen entwickeln sich derzeit robuster als der nationale Transportmarkt. Dennoch bleiben die Rahmenbedingungen herausfordernd.

Auf der DSLV-Seefrachtkonferenz, die im Vorfeld der Mitgliederversammlung stattfand, diskutierten Branchenvertreter die Folgen geopolitischer Konflikte und veränderter Handelsströme. Demnach führen politische Spannungen und Unsicherheiten auf wichtigen Schifffahrtsrouten zu schwankenden Frachtraten, überlasteten Häfen und kurzfristigen Anpassungen von Transportwegen.

Kosten steigen entlang der Lieferketten

Trotz funktionierender Lieferketten sehen sich Logistikunternehmen mit steigenden Kosten konfrontiert. Neben höheren Energiepreisen belasten zusätzliche Sicherheitsanforderungen, regulatorische Vorgaben und die Nutzung alternativer Transportwege die Unternehmen.

Der Verband sieht deshalb weniger die Nachfrage als Problem, sondern vielmehr die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland. Hohe Energiepreise, steigende Lohnnebenkosten, Fachkräftemangel und bürokratische Belastungen würden die Wettbewerbsfähigkeit der Branche beeinträchtigen.

DSLV fordert Investitionen in Infrastruktur

Mit Blick auf den Bundeshaushalt 2027 fordert der DSLV zusätzliche Investitionen in Verkehrswege, Digitalisierung und Energieversorgung. Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität dürfe nicht zur Finanzierung bestehender Haushaltsaufgaben verwendet werden, sondern müsse tatsächlich zusätzliche Investitionen ermöglichen.

Aus Sicht der Logistikunternehmen kommt es insbesondere auf leistungsfähige Straßen, Schienenverbindungen, Wasserstraßen und digitale Infrastrukturen an. Diese seien eine zentrale Voraussetzung für effiziente Lieferketten und einen wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort.

Unternehmen investieren trotz schwieriger Rahmenbedingungen

Ungeachtet der Unsicherheiten investieren viele Logistikdienstleister weiterhin in die Zukunft ihrer Geschäftsmodelle. Schwerpunkte sind Digitalisierung, Automatisierung, energieeffiziente Standorte sowie alternative Antriebe und emissionsarme Transportprozesse.

Der Verband fordert hierfür stabile politische Rahmenbedingungen sowie einen technologieoffenen Ansatz. Gleichzeitig müssten Energiepreise wettbewerbsfähig bleiben, um Investitionen in Deutschland attraktiv zu halten.

Branche drängt auf schnelle Umsetzung von Reformen

Der DSLV begrüßt grundsätzlich die politischen Reformankündigungen der Bundesregierung, kritisiert jedoch mangelnde Umsetzungsgeschwindigkeit. Nach Ansicht des Verbandes reichen weitere Diskussionen nicht aus, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu sichern.

Für die Logistikbranche stehen deshalb konkrete Maßnahmen im Mittelpunkt: schnellere Genehmigungs- und Planungsverfahren, weniger Bürokratie, bessere Infrastruktur sowie wirksame Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel. Nur wenn diese strukturellen Probleme gelöst werden, könne sich die derzeitige Erholung dauerhaft festigen.




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