Zum 1. Juli mussten Fahrzeuge zwischen 2,5 und 3,5 Tonnen im grenzüberschreitenden Verkehr im Rahmen des EU-Mobilitätspakets I mit einem intelligenten Tachographen der zweiten Generation ausgerüstet werden. Doch bisher hat lediglich rund die Hälfte aller betroffenen Betriebe in Deutschland die Nachrüstung von Fahrzeugen über 2,5 Tonnen auf den intelligenten Tachographen tatsächlich abgeschlossen, so eine Umfrage von Kienzle Automotive.
Umsetzung in vielen Betrieben noch nicht abgeschlossen
Im März hatte eine Umfrage von Kienzle Automotive unter 116 Kunden noch ein durchwachsenes Bild gezeichnet: Nur rund 31 Prozent der Befragten fühlten sich umfassend informiert, knapp 39 Prozent bewerteten ihren Vorbereitungsstand als gut oder sehr gut, mehr als 35 Prozent hingegen als mangelhaft oder gar nicht vorhanden. Eine aktuelle, zum Fristablauf durchgeführte Folgebefragung, zeigt zwar eine spürbare Verbesserung, aber auch, dass die Umsetzung in vielen Unternehmen noch immer nicht abgeschlossen ist. Zwar geben 78 Prozent an, sich gut oder sehr gut vorbereitet zu fühlen, doch nur 12,5 Prozent wählten die Kategorie „sehr gut vorbereitet“.
"Wer zum Stichtag noch mitten in der Umsetzung steckt, fährt mit einem massiven rechtlichen Risiko."
Jan Kaumanns, CEO und Gesellschafter bei Kienzle
Lücke zwischen Gefühl und Umsetzung
Bei der eigentlichen Nachrüstung mit dem DTCO 4.1 zeigt sich die Lücke zwischen Gefühl und Umsetzung laut Kienzle Automotive „besonders deutlich“: Von den Betrieben, deren Fahrzeuge überhaupt betroffen sind, hat trotz abgelaufener Frist gut ein Drittel die Nachrüstung noch nicht abgeschlossen, befindet sich aktuell in Umsetzung, haben einen Termin vereinbart oder noch gar nicht begonnen. „Ein Vorbereitungsgefühl ersetzt keine abgeschlossene Nachrüstung“, betont daher auch Jan Kaumanns, CEO und Gesellschafter bei Kienzle. „Wer zum Stichtag noch mitten in der Umsetzung steckt, fährt mit einem massiven rechtlichen Risiko.“
Nachholbedarf bei den Schulungen
Auch bei den Schulungen ist die Entwicklung laut der Kienzle-Umfrage „nur bedingt beruhigend“. Zwar ist demnach der Anteil der Betriebe ohne Schulungsplanung von 33,6 Prozent im März auf 18,8 Prozent im Juni gesunken, als „sehr gut geschult“ stufen sich aber weiterhin nur 9,4 Prozent der Betriebe ein. Die deutliche Mehrheit bewegt sich lediglich im Bereich „teilweise geschult“ (59,4 Prozent) und fast jeder fünfte Betrieb plant nach wie vor keine Schulung. Das Fazit von Kienzle Automotive lautet daher auch: „Ein harter Kern von Nachzüglern bleibt zudem bestehen: 15,6 Prozent der Befragten sind eigenen Angaben zufolge hinsichtlich einer Umrüstung bislang überhaupt noch nicht aktiv geworden, 9,4 Prozent fühlen sich weiterhin kaum oder gar nicht vorbereitet.“
Hohe Bußgelder drohen
Die Folgen können teuer werden: Verstöße werden je nach EU-Mitgliedstaat mit Bußgeldern zwischen 1500 und 4500 Euro geahndet, in einzelnen Ländern drohen zusätzlich Fahrzeugstilllegungen. Fahrzeuge mit ausländischem Betriebssitz, die nicht mit einem intelligenten Tachographen der zweiten Generation ausgestattet sind, müssen bei Kontrollen durch das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) bei vorsätzlichen Verstößen mit einem Bußgeld von 1500 Euro rechnen, dies gelte „ohne Ausnahme“, so Kienzle Automotive. Eine Übergangsfrist nach dem 1. Juli ist nach Angaben des BALM nicht vorgesehen.
"Der gestiegene Kostendruck zeigt, dass die Umsetzung für viele kleine und mittlere Betriebe eine echte wirtschaftliche Belastung bleibt."
Jan Kaumanns, CEO und Gesellschafter bei Kienzle
Wirtschaftliche Belastung für kleinere Betriebe
„Der gestiegene Kostendruck zeigt, dass die Umsetzung für viele kleine und mittlere Betriebe eine echte wirtschaftliche Belastung bleibt – nicht nur eine organisatorische Aufgabe“, sagte Kaumanns. „Wer jetzt noch nicht aktiv geworden ist, sollte keine Zeit mehr verlieren, denn Verstöße werden ab sofort sanktioniert.“ Bei der Informationsbeschaffung zeigen sich ähnliche Muster wie im Frühjahr: Fachzeitschriften (53,1 Prozent), der Austausch mit Kollegen (46,9 Prozent) und Verbände (40,6 Prozent) bleiben die wichtigsten Quellen. Strukturierte Formate wie Webinare oder Schulungen nutzt weiterhin nur gut ein Drittel der Betriebe.
Hintergrund
Die erste Umfrage wurde im Februar/März 2026 schriftlich unter Kunden der Kienzle Automotive GmbH mit 116 Teilnehmenden durchgeführt, zur Folgeerhebung wurden die Teilnehmenden im Juni erneut eingeladen.