Bosch zeigt neue Technik für Nutzfahrzeuge auf der IAA Transportation

02.09.2026 09:31 Uhr | Lesezeit: 3 min
Bosch zeigt neue Technik für Nutzfahrzeuge auf der IAA Transportation
Bosch stellt seine neue Innovationen für den softwaredefinierten Lkw auf der IAA Transportation 2026 vor
© Foto: Bosch

Bosch zeigt auf der diesjährigen IAA neue Technik für softwaredefinierte Nutzfahrzeuge. Das Portfolio reicht von E-Antrieben bis zu KI-basierten Assistenzsystemen.

Bosch baut sein Technologieangebot für softwaredefinierte Nutzfahrzeuge weiter aus. Der Zulieferer verbindet dafür Lösungen aus den Bereichen Antrieb, Thermomanagement, Fahrwerk, Automatisierung und Vernetzung mit zentralen Fahrzeugrechnern, Software und Künstlicher Intelligenz.

Damit will das Unternehmen Fahrzeughersteller und Flottenbetreiber bei der Elektrifizierung, der Verbesserung der Verkehrssicherheit und der zunehmenden Systemkomplexität moderner Lkw und Busse unterstützen.


Neue Elektroachse für schwere Nutzfahrzeuge

Zu den neuen Antriebslösungen gehört die sogenannte Rigid eAxle für Nutzfahrzeuge zwischen 18 und 49 Tonnen. Sie integriert Elektromotor und Getriebe in einer Starrachse und soll leichter sowie effizienter arbeiten als ein elektrischer Zentralantrieb.

In Verbindung mit Siliziumkarbid-Invertern, die laut Bosch Wirkungsgrade von bis zu 99 Prozent erreichen, soll die Achse den Energieverbrauch und damit die Betriebskosten im Güterverkehr reduzieren.

Für das Thermomanagement elektrischer Nutzfahrzeuge hat Bosch außerdem ein Hochvolt-Gebläsemodul für 800-Volt-Architekturen entwickelt. Das System soll die Kühlung zentraler Fahrzeugkomponenten bedarfsgerecht steuern und dadurch Reichweite und Effizienz verbessern.



Brennstoffzelle und Wasserstoffmotor als Alternativen

Neben batterieelektrischen Antrieben arbeitet Bosch an weiteren Technologien für einen emissionsärmeren Nutzfahrzeugverkehr. Das Portfolio umfasst Brennstoffzellensysteme mit Leistungen zwischen 100 und 300 Kilowatt, die für Stadtbusse und Fernverkehrs-Lkw geeignet sind.

Für Wasserstoffmotoren liefert das Unternehmen unter anderem Injektoren, Steuergeräte, Sensoren und Komponenten für Tanksysteme. Hinzu kommen Lösungen für alternative Kraftstoffe wie Erdgas, Methan, Ethanol und Methanol.

Mit dem cloudbasierten Digital Fuel Twin bietet Bosch zudem eine Software an, die den Einsatz regenerativer Kraftstoffe wie HVO dokumentiert und die damit erzielten CO₂-Einsparungen erfasst.


Neue Sensoren erhöhen die Verkehrssicherheit

Auch bei Fahrerassistenzsystemen erweitert Bosch sein Angebot. Eine in den digitalen Seitenspiegel integrierte Kamera überwacht die Aufmerksamkeit des Fahrers und soll eine zusätzliche separate Kamera im Fahrerhaus überflüssig machen.

Für 2027 kündigt das Unternehmen außerdem die Serienfertigung der Multifunktionskamera MPC4 und eines neuen Radarsensors an. Beide Systeme nutzen Künstliche Intelligenz, um das Fahrzeugumfeld präziser zu erfassen und Funktionen wie Spurverlassenswarnung und Notbremsassistent zu verbessern.

Vernetzte Kartendienste sollen Assistenzsysteme zudem frühzeitig über Unfälle, Geisterfahrer oder Aquaplaning informieren.



Zentrale Rechner bündeln Fahrzeugfunktionen

Ein wesentlicher Baustein des softwaredefinierten Nutzfahrzeugs sind leistungsfähige Fahrzeugcomputer. Bosch entwickelt dafür zentrale elektronische Architekturen, die bisher getrennte Funktionen auf gemeinsamen Rechnerplattformen zusammenführen.

Die Cockpit Integration Platform bündelt Anwendungen für Fahrerinformation und Bedienung. Die Vehicle Integration Platform verbindet Funktionen aus den Bereichen Fahrdynamik, Energie und Karosserie. Dadurch sollen Software-Updates aus der Ferne sowie zusätzliche, nachträglich buchbare Fahrzeugfunktionen möglich werden.

Die Bosch-Tochter ETAS ergänzt das Angebot mit einer Softwareplattform für unterschiedliche Fahrzeugarchitekturen und einer neuen Diagnoselösung. Werkstätten sollen Fehler dadurch schneller erkennen, Reparaturen gezielter vorbereiten und Standzeiten reduzieren können.

Elektrische Lenkung ebnet Weg für Automatisierung

Mit dem elektromechanischen Lenksystem ServoE bietet Bosch eine rein elektrische Lenkung für schwere Nutzfahrzeuge an. Das redundant ausgelegte System kommt ohne Hydrauliköl aus und unterstützt assistierte Lenkfunktionen bis hin zum automatisierten Fahren.

Daneben bleibt mit Servotwin eine elektrohydraulische Lösung für schwere Lkw im Programm. Eine zusätzliche Hinterachslenkung kann bei mehrgliedrigen Fahrzeugen den Wendekreis verkleinern und den Reifenverschleiß reduzieren.

Joint Venture soll Fahrwerkstechnik erweitern

Gemeinsam mit den indischen Unternehmen Brakes India und Wheels India plant Bosch bis Ende 2026 die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens. Vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen soll das Joint Venture smarte Aktuatoren für Druckluftversorgung, Luftfederung und Parkbremsen entwickeln.

Mit der Erweiterung will Bosch seine Position im Nutzfahrzeugmarkt stärken und die Entwicklung vernetzter sowie softwaredefinierter Fahrzeuge weiter vorantreiben.

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