Man-Werk Nürnberg

Vorstand und Betriebsrat des Lkw-Bauers MAN hatten sich Ende Januar nach monatelangem Streit auf einen Stellenabbau verständigt (Symbolbild)

©Daniel Karmann/dpa/picture-alliance

MAN-Werk in Plauen gerettet – Investor übernimmt alle Mitarbeiter

Seit Herbst bangen die Beschäftigten des MAN-Werkes in Plauen um ihre Zukunft. Nun ist der Standort gerettet. Künftig sollen hier Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge gebaut werden.

Plauen/Ilmenau. Die Zitterpartie für die MAN-Belegschaft in Plauen hat ein Ende: Der Thüringer Sonderfahrzeughersteller Binz übernimmt den Standort. Beide Unternehmen hätten sich über einen Verkauf der Betriebsstätte verständigt, teilten sie am Montag mit. Zum Preis wollten sie auf Nachfrage keine Angabe machen. Der Betriebsübergang ist schon zum 1. April geplant. Betriebsrat, IG Metall und Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) zeigten sich erleichtert über diesen Schritt. „Der Einsatz hat sich gelohnt“, sagte Dulig. Nun gebe es für die Beschäftigten eine klare Perspektive.

Hintergrund: Vorstand und Betriebsrat des Lastwagenbauers MAN hatten sich Ende Januar nach monatelangem Streit auf den Abbau von 3500 Stellen in Deutschland bis Ende nächsten Jahres verständigt – weit weniger als bisher geplant. Die VerkehrsRundschau berichtete darüber.

Binz mit Sitz in Ilmenau baut Fahrzeuge etwa für Rettungsdienst, Feuerwehr und Behörden nach Kundenwünschen um. „Wir freuen uns sehr über den Familienzuwachs, für uns ist er ein großer Gewinn“, sagte die geschäftsführende Gesellschafterin Cathrin Wilhelm am Vormittag am Telefon auf dem Weg nach Plauen. Es gebe viele Schnittstellen mit der bisherigen Van-Modifikation im Vogtland. Neben der räumlichen Nähe sei die Expertise der Mitarbeiter ausschlaggebend für die Übernahme. Sie sei für ihr Unternehmen „ein Quantensprung“.

Binz will mit Übernahme des Betriebes sein Wachstum stärken

Laut Wilhelm hat Binz bisher 220 Mitarbeiter in Ilmenau und 2020 einen Umsatz von rund 56 Millionen Euro erwirtschaftet. In den vergangenen Jahren habe das Wachstum im Schnitt jeweils bei 25 Prozent gelegen. Mit der Übernahme des Betriebes in Plauen könne dieser Weg fortgesetzt werden. „Für die vielen anstehenden Projekte und Aufträge brauchen wir dringend Verstärkung“, betonte Wilhelm.

Ihr Unternehmen übernimmt den Angaben nach nicht nur die Immobilien und Maschinen, sondern auch die noch 120 Beschäftigten im Vogtland. „Nach den vielen schlechten Nachrichten der letzten Wochen sind wir glücklich, dass es für die Kolleginnen und Kollegen nun endlich einen Lichtblick gibt“, konstatierte der Geschäftsführer der IG Metall Zwickau, Thomas Knabel. Der neue Investor habe den Abschluss eines Tarifvertrages zugesichert. „Uns war wichtig, dass alle eine Perspektive erhalten und niemand zurückbleibt“, erklärte der Plauener Betriebsratsvorsitzende Marcus Galle.

In seinem „Bus Modification Center“ hat MAN bisher Busse und Vans nach Kundenwünschen umgebaut – so etwa den Bus der deutschen Fußballnationalmannschaft, der im März 2019 übergeben wurde. Der Standort hat eine mehr als 100-jährige Tradition im Busbau. Los ging es 1919 mit der vogtländischen Maschinenfabrik AG (VOMAG). Später folgte die Marke Neoplan. Nach deren Schließung im Jahr 2015 übernahm MAN die Führung. Im vergangenen Herbst hatte die Volkswagen-Tochter allerdings angekündigt, im Zuge einer Neuausrichtung Tausende Stellen zu streichen. Neben dem Werk in Plauen stand seither auch das österreichische Werk Steyr vor dem Aus. In Sachsen hatte es heftigen Protest gegeben. (dpa/ja)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special LOGISTIKREGION SACHSEN UND SACHSEN-ANHALT.

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