Schwimmende Städte und ihre Versorgungslinien
Die Kreuzfahrtbranche hat sich in den vergangenen Jahren zu einem globalen Schwergewicht entwickelt. Weltweit waren 2024 rund 35 Millionen Menschen auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs, und Deutschland ist inzwischen der zweitgrößte Markt der Welt. AIDA allein beförderte im vergangenen Jahr fast eineinhalb Millionen Gäste, ein Plus von zehn Prozent. Hinter diesen Zahlen steckt eine Logistik, die im Hintergrund Höchstleistungen vollbringt.
Moderne Kreuzfahrthäfen wie Hamburg, Kiel oder Warnemünde wickeln in der Saison bis zu 300 Anläufe ab. Oft liegen mehrere Schiffe gleichzeitig am Terminal, jedes davon mit mehreren tausend Passagieren und Crewmitgliedern. Für die Hafenlogistik bedeutet das: Turnarounds sind präzise getaktete Hochleistungsoperationen, bei denen keine Minute verloren gehen darf.
Schwimmende Städte – Die Logistik hinter Kreuzfahrtschiffen
Verbrauchszahlen, die jede Vorstellung sprengen
Wer die Versorgung eines Kreuzfahrtschiffs verstehen will, muss die Dimensionen kennen. Ein Schiff mit rund 3.000 Passagieren verbraucht in nur einer Woche bis zu 30 Tonnen Fleisch und Geflügel, fast zehn Tonnen Fisch, über 20 Tonnen Obst und mehr als 30 Tonnen Gemüse. Dazu kommen 60.000 Eier, bis zu 20 Tonnen Brot und Backwaren und rund 18 Tonnen Milchprodukte. Und das ist nur der Lebensmittelbereich.
Bei den Getränken geht es ähnlich weiter: bis zu 120.000 Liter Mineralwasser, 70.000 Liter Softdrinks, 40.000 Liter Bier und 20.000 Liter Wein. Hinzu kommen Verbrauchsgüter wie 25.000 Rollen Toilettenpapier, zwei Millionen Papierservietten und 20.000 Müllbeutel. All das muss in wenigen Stunden in den Bauch des Schiffs – just in time, mit lückenloser Kühlkette und ohne Fehlertoleranz.
Der unterschätzte Engpass: Palettenwechsel unter Deck
Was viele nicht wissen: Bevor auch nur eine Kiste an Bord darf, muss jede Palette gewechselt werden – von Holz auf bordeigene Kunststoffpaletten. Ein Schritt, der über Hygiene, Sicherheit und Effizienz entscheidet. Traditionell war das ein mühsamer, manueller Prozess, der wertvolle Zeit kostete und die Crew belastete. „Der Palettenwechsel ist der Moment, in dem die Logistik zur Hochpräzisionsarbeit wird“, sagt Lars Wellerdiek im Gespräch. „Wenn dieser Schritt nicht sauber läuft, gerät der gesamte Turnaround ins Wanken.“ Gemeinsam mit Ralf Schauties hat er bei Paratus ein System entwickelt, das genau diesen Engpass auflöst: einen mobilen Palettenwechsler aus Edelstahl, der komplett mechanisch funktioniert – ohne Strom, ohne Druckluft, ohne komplexe Technik. „Auf einem Schiff zählt Robustheit mehr als alles andere“, erklärt Schauties. „Salzluft, enge Räume, Schiffsbewegungen – das ist ein Umfeld, in dem klassische Industrieanlagen schnell an ihre Grenzen kommen.“
Warum AIDA, TUI und MSC auf mobile Systeme setzen
Die großen Reedereien setzen inzwischen auf die mobilen Geräte von Paratus. AIDA war einer der ersten Partner, gefolgt von TUI Cruises und MSC. Der Grund ist einfach: Die Geräte lassen sich unter Deck flexibel bewegen, benötigen kaum Einweisung und funktionieren auch mit internationalen Crews, die nicht aus der Logistik kommen. „Wir wollten ein System, das jeder nach fünf Minuten versteht“, sagt Wellerdiek. „Eine Crew besteht aus Menschen aus aller Welt, oft ohne logistische Ausbildung. Wenn ein Gerät kompliziert ist, verliert man Zeit – und Zeit ist im Hafen das wertvollste Gut.“ Die Edelstahlausführung erfüllt zudem die strengen Hygieneanforderungen an Bord. Sie lässt sich vollständig reinigen, ist korrosionsbeständig und hält auch bei hoher Frequenz stand.
Wachstumspotenzial in der maritimen Logistik
Die Gründer sehen im maritimen Bereich noch enormes Potenzial. Immer mehr Häfen professionalisieren ihre Versorgungsprozesse, die Schiffe werden größer, die Taktung enger. Mechanische, robuste Systeme könnten dabei eine zentrale Rolle spielen.„Wir stehen erst am Anfang“, sagt Schauties. „Die maritime Logistik wird in den nächsten Jahren weiter wachsen – und mit ihr der Bedarf an Lösungen, die zuverlässig, einfach und sicher funktionieren.“