MAN will länger als geplant Fahrzeuge im Werk Steyr fertigen lassen

©MAN TRuck & Bus

Investor übernimmt MAN-Werk in Steyr

Der ehemalige Magna-Chef Siegfried Wolf kauft das Werk in Steyr und soll dort erst einmal weiter Lastwagen für MAN bauen.

Steyr/München. MAN verkauft sein Lastwagenwerk im österreichischen Steyr nun doch an den Investor Siegfried Wolf. MAN-Vorstandschef Andreas Tostmann teilte am Donnerstag, 10. Juni, mit, der Kaufvertrag sei bereits unterschrieben, der Aufsichtsrat habe zugestimmt: „Das Werk in Steyr bleibt erhalten!“ Arbeitnehmervertreter sehen jedoch noch weiteren Gesprächsbedarf.

Mit der Transaktion übernehme Wolfs Firma WSA „den Produktionsstandort mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, teilte MAN in München mit. Wolf erklärte, sein Konzept ermögliche es, zwei Drittel der Stammbelegschaft zu halten. MAN will seine leichten und mittelschweren Lastwagen künftig im polnischen Krakau statt in Österreich bauen. Das Werk Steyr mit rund 2300 Mitarbeitern sollte verkauft oder Ende 2023 geschlossen werden. Im ersten Anlauf war der Verkauf an den ehemaligen Chef des Autozulieferers Magna im April am heftigen Widerstand der Belegschaft gescheitert, denn Wolf wollte nur rund 1250 Mitarbeiter in Steyr zu deutlich niedrigeren Löhnen übernehmen.

Nun teilte MAN mit: „Beide Seiten haben sich bewegt und sind dabei auf wesentliche Forderungen der Arbeitnehmerseite eingegangen.“ Wolf werde unter der Traditionsmarke „Steyr“ eine Auftragsproduktion von Nutzfahrzeugen und -Teilen etablieren. MAN werde „länger als bisher geplant für Aufträge sorgen und in Steyr bis Mai 2023 zunächst weiter Lkw der Baureihen MAN TGL und MAN TGM produzieren lassen“. Für MAN werde WSA „zudem weiter Komponenten fertigen und Kunststoffteile lackieren. Auch hier wurden die Laufzeiten teilweise verlängert“.

Gewerkschaft fordert weitere Gespräche

Arbeitervertreter Helmut Emler zeigte sich überrascht über die neueste Entwicklung. Jetzt wolle sich der Betriebsrat in Steyr so schnell wie möglich mit Wolf an einen Tisch setzen, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, sagte er. Der Österreichische Gewerkschaftsbund bezeichnete die Ankündigungen von MAN und Wolf als einen „Erfolg für Betriebsrat und Belegschaft“, forderte jedoch weitere Gespräche. „Es gibt bisher nur einen Deal von Wolf mit MAN. Es gibt aber noch keinen Deal mit den ArbeitnehmerInnen und den Gewerkschaften“, hieß es in einer Mitteilung.

Wolf teilte mit, ab 2023 sollten sieben neue Nutzfahrzeugtypen unter der Marke «Steyr» für den Export auf den Weltmarkt vom Band laufen. Vom Kastenwagen über einen Citybus bis zum Lkw werde man in Steyr auf Elektromobilität, Wasserstofftechnologie und autonomes Fahren setzen. Der Übergang des Standorts von MAN an WSA soll in den nächsten Wochen erfolgen. (dpa/tb)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special ÖSTERREICH.

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