Mündliche Abschlussprüfung 2026: Tipps für Speditions-Azubis

29.05.2026 13:30 Uhr | Lesezeit: 4 min
Melanie Schaal von wirAusbilder gibt Tipps zur mündlichen Abschlussprüfung
Die mündlichen Abschlussprüfungen stehen an. Worauf es bei der Vorbereitung ankommt und wie sich die Azubis in der Prüfung präsentieren sollten, verrät Melanie Schaal im Gespräch mit der VerkehrsRundschau
© Foto: NWB Verlag GmbH & Co. KG

Im Juni stehen bundesweit die mündlichen Abschlussprüfungen für kaufmännische Ausbildungen an - und damit auch für angehende Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung oder Fachkräfte für Lagerlogistik. Worauf es jetzt ankommt – und wie sich Prüflinge jetzt noch vorbereiten können.

Ab der kommenden ersten Juniwoche finden bundesweit die mündlichen Abschlussprüfungen der IHK statt – darunter auch für angehende Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung oder Fachkräfte für Lagerlogistik. Für viele Auszubildende ist dieser Prüfungsteil mit besonderer Anspannung verbunden: Fachwissen muss strukturiert präsentiert, betriebliche Zusammenhänge verständlich erklärt und auf Rückfragen sicher reagiert werden.

Wie können sich Auszubildende gezielt auf die mündliche Prüfung vorbereiten? Wie bekommt man Prüfungsangst in den Griff und worauf kommt es bei einem souveränen Auftritt besonders an?
Über diese und weitere Fragen spricht die Redaktion mit Melanie Schaal, Social-Media- und Content-Managerin im Bereich Berufliche Bildung beim Kiehl Verlag, der sich auf Lehr- und Prüfungsprodukte für Ausbildung, Studium und Weiterbildung spezialisiert hat. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf dem Angebot wirAusbilder, das sie seit 2022 betreut und dessen LinkedIn-Community sie aktiv begleitet. Durch den engen Austausch mit Ausbilder:innen aus unterschiedlichen Branchen ist sie nah an aktuellen Trends und Herausforderungen der Ausbildung.

Hier gibt sie Azubis Tipps für die letzten Tage vor der mündlichen Abschlussprüfung.

Frau Schaal, Sie begleiten Ausbildungsthemen sehr intensiv, ohne selbst Ausbilderin zu sein – was macht diesen Perspektivwechsel für Sie so besonders?

Ich bin selbst keine Ausbilderin, stehe aber im ständigen Austausch mit Ausbilder:innen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Durch meine Arbeit und den direkten Dialog habe ich viele Perspektiven, Meinungen und Erfahrungswerte kennengelernt. Und das ganz unabhängig von Unternehmensgröße, Branche oder der Anzahl an Auszubildenden.

Gerade dieser vielfältige Blick macht meine Arbeit für mich so spannend. Ich empfinde es als großes Privileg, so nah an den Themen der Ausbildung zu sein, Einblicke aus der Praxis zu bekommen – und diese, wie in diesem Interview, auch weitergeben zu dürfen. Meine Antworten spiegeln dabei vor allem Erfahrungen und Impulse aus der Ausbildungspraxis wider.

Gleichzeitig ist es für mich eine besondere Motivation, Ausbilder:innen deutschlandweit beim Austausch und in ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen – zum Beispiel durch die wirAusbilder-Community auf LinkedIn sowie durch unsere kostenfreien Arbeitshilfen für Ausbilder:innen und Azubis. Darunter finden sich auch Materialien zur Prüfungsvorbereitung. (Mehr dazu unten)

Ich bin überzeugt, dass Ausbildung besser gelingt, wenn Ausbildende sich austauschen, gegenseitig unterstützen und nicht alles allein stemmen müssen. Genau dafür engagiere ich mich bei wirAusbilder.

Für die Azubis stehen während der kommenden drei Wochen die mündlichen Abschlussprüfungen an – welche Lernmethoden helfen für kurzfristige Wiederholungen besonders gut?

Kurz vor der mündlichen Prüfung geht es weniger ums „Neulernen“, sondern darum, Wissen zu strukturieren und abrufbar zu machen. Besonders hilfreich sind Methoden wie Karteikarten, Mindmaps oder das laute Erklären von Inhalten.

Der Schlüssel: Wissen aktiv anwenden – nicht nur lesen.

Die mündliche Prüfungssituation ist für viele Azubis sehr ungewohnt, wie können sie sich am besten darauf vorbereiten?

Die mündliche Prüfung ist für viele ungewohnt, weil spontanes Sprechen gefragt ist. Umso wichtiger ist es, die Situation gezielt zu üben – idealerweise möglichst realitätsnah.

Hilfreich ist es, strukturierte Vorbereitungsgespräche zu führen, die Unsicherheiten frühzeitig sichtbar machen, mit realistischen Übungsfragen das freie Sprechen zu fördern, durch kurze Prüfungssimulationen Routine und Selbstvertrauen aufzubauen sowie einfache Strategien zum Stressabbau zu nutzen, die Azubis direkt anwenden können.

So entsteht mehr Sicherheit im Umgang mit Fragen und Nachfragen.

Wie können Azubis üben, ihre Antworten aus dem Stehgreif strukturiert zu formulieren?

Eine klare Struktur gibt Sicherheit – besonders in spontanen Situationen. Bewährt hat sich ein einfacher Aufbau:

  • kurze Einordnung
  • die wichtigsten Punkte nennen
  • ein Beispiel ergänzen

Solche Orientierungshilfen sind hilfreich, um den roten Faden zu behalten. Dadurch bleiben Antworten nachvollziehbar und punktgenau.

Was können Azubis tun, wenn sie eine Frage nicht beantworten können?

Dass man auf eine Frage keine direkte Antwort hat, kommt vor – entscheidend ist der Umgang damit. Wichtig ist es, ruhig zu bleiben und offen zu reagieren.

Wenn eine Frage nicht sofort beantwortet werden kann, ist es absolut legitim, dies offen anzusprechen, den eigenen Gedankengang klar zu erläutern und an Bekanntes anzuknüpfen.

Es geht also nicht nur um die richtige Antwort, sondern auch darum, wie man zu einer Lösung kommt.

Wie können die Azubis sich mental gut auf die Prüfung einstellen?

Neben der fachlichen Vorbereitung spielt die innere Haltung eine große Rolle. Für Ausbildende kann es hilfreich sein, Azubis darauf hinzuweisen, dass die Prüfung ein Gespräch ist – und vor allem eine Chance, das eigene Können zu zeigen.

Um Sicherheit aufzubauen, lohnt es sich außerdem, die Stärken der Azubis frühzeitig zu thematisieren – idealerweise nicht erst kurz vor der Prüfung. So können sie das, was sie gelernt und über sich selbst erkannt haben, in der Prüfungssituation auch abrufen.

Hilfreich ist es zum Beispiel, Azubis dabei zu unterstützen, ihre Stärken bewusst zu erkennen und einzuordnen. Dazu gehört, den Ausbildungsalltag reflektiert zu betrachten, gezielt Feedback von außen einzuholen und gemeinsam zu unterscheiden, wo es sich tatsächlich um Schwächen handelt – und wo um Entwicklungspotenziale.

Ebenso kann es sinnvoll sein, Stärken ganz bewusst im Arbeitsalltag einzusetzen und regelmäßig in Entwicklungsgesprächen aufzugreifen. Wichtig dabei: Diese Gespräche sollten nicht zur Bewertung dienen, sondern als echte Unterstützung in der persönlichen Entwicklung.

Das Ergebnis: Das bewusste Erkennen der eigenen Stärken stärkt das Selbstvertrauen und sorgt für mehr Ruhe in der Prüfungssituation.

Was macht einen souveränen Auftritt aus?

Souverän wirkt nicht, wer alles perfekt weiß, sondern wer ruhig, klar und verständlich kommuniziert.

Dazu gehören strukturierte Antworten, eine verständliche Sprache und ein ruhiges Auftreten.

Entscheidend ist, die eigenen Gedanken nachvollziehbar zu erklären – das bleibt oft stärker im Eindruck als reine Fachbegriffe.

Auch wenn es leichter klingt, als es in der Prüfungssituation ist: Ein souveränes und selbstbewusstes Auftreten lässt sich gezielt trainieren. Eine aufrechte Haltung, Blickkontakt oder ein kurzes Lächeln können schon viel bewirken.

Hilfreich ist es, solche Situationen bewusst zu üben – zum Beispiel im Austausch mit Kolleg:innen oder auch in ganz alltäglichen Situationen. Wer sich daran gewöhnt, aktiv auf andere zuzugehen, gewinnt schnell mehr Sicherheit. Genau diese Routine hilft auch in der Prüfung und sorgt dafür, dass beide Seiten entspannter ins Gespräch starten.

Welche Methoden helfen, um die Prüfungsangst im Zaum zu behalten?

Prüfungsangst ist für viele ein Thema. Eine gute Vorbereitung hilft, Sicherheit aufzubauen – genauso wichtig ist aber ein bewusster Umgang mit der eigenen Nervosität.

Wichtig ist die Erkenntnis: Nervosität gehört dazu und kann sogar unterstützen, fokussiert zu bleiben.

Ebenso entscheidend ist der Glaube an das eigene Können. Wer sich seiner Stärken bewusst ist, geht deutlich gefestigter in die Prüfung.

Darüber hinaus können einfache Methoden helfen, die Anspannung zu regulieren – zum Beispiel Konzentrationsübungen oder bewusste Atmung. Eine Möglichkeit ist die sogenannte „Rechteck-Atmung“: Dabei wird gedanklich ein Rechteck nachgezeichnet – beim Einatmen von oben links nach oben rechts, beim Ausatmen weiter nach unten, dann wieder einatmen nach links und schließlich ausatmen nach oben, bis sich das Rechteck schließt.

Auch die bewusste Fokussierung auf die eigenen Sinne kann helfen, aus der Stressspirale auszusteigen. Dabei richtet sich die Aufmerksamkeit gezielt auf das, was gerade wahrgenommen wird – etwa Geräusche aus der Umgebung, visuelle Eindrücke oder auch ein Geschmack, wie zum Beispiel ein Bonbon.

Solche kleinen Techniken helfen, den Moment bewusst wahrzunehmen und wieder mehr Ruhe zu gewinnen.

Der Fokus sollte darauf liegen, mit einem klaren Kopf in die Prüfung zu gehen.

Welche drei Tipps würden Sie Azubis für die mündliche Prüfung unbedingt mitgeben?

Zusammengefasst lassen sich drei zentrale Tipps festhalten:

  1. Struktur vor Perfektion – lieber klar und nachvollziehbar antworten.
  2. Sprechen üben – das macht den größten Unterschied in der mündlichen Prüfung.
  3. Ruhe bewahren – auch Unsicherheit darf gezeigt werden, solange der Gedankengang verständlich ist.

Infokasten – Weiterführende Tipps zur Prüfungsvorbereitung

Wer sich intensiver mit der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung beschäftigen möchte, findet hier ergänzende Impulse und Materialien:

  • Kostenfreie Arbeitshilfen und Checklisten für Ausbilder:innen und Azubis – unter anderem zur Prüfungsvorbereitung und zum Umgang mit Prüfungsangst
  • Im Podcast „AzubiWissen“ gibt es Tipps rund um die Ausbildung und Prüfungen, etwa zum Tag vor der mündlichen Prüfung
  • Einblicke und Impulse aus der Ausbildungswelt und weitere Tipps auch für die mündliche Prüfung auf Instagram



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