Frauen in der Logistik: Speditionsleiterin aus Leipzig im Porträt

11.03.2026 13:35 Uhr | Lesezeit: 3 min
Alice Helbig im grauen Pullover lächelt in die Kamera
Alice Helbig leitet den Standort Leipzig von Sievert Logistik und verantwortet die operative Steuerung eines 67-köpfigen Teams
© Foto: Sievert Logistik

In Leipzig verantwortet Alice Helbig bei Sievert Logistik die Steuerung eines 67-köpfigen Teams. Die Speditionsleiterin zeigt, wie Quereinstieg, Weiterbildung und klare Haltung den Berufsweg in einer nach wie vor männerdominierten Branche prägen.

Die Logistikbranche ist vielerorts noch immer sehr männlich geprägt. Umso bemerkenswerter ist der berufliche Aufstieg von Alice Helbig: Die heute 36-Jährige leitet den Standort Leipzig von Sievert Logistik und trägt Verantwortung für 67 Mitarbeitende. Ihr Werdegang zeigt, wie Frauen in der Logistik mit Unterstützung von Arbeitgebern und Weiterbildung ihre berufliche Perspektiven erweitern können.

Vom Branchenwechsel zur Führungsverantwortung

Bereits zu Beginn ihres Berufslebens verlief für Alice Helbig nicht alles nach Plan. Ihre ursprüngliche Idee war, in die Tourismus Fußbranche einzusteigen. „Das war damals mein Plan“, sagt Helbig rückblickend. Doch manchmal kommt alles anders: „Als das nicht funktioniert hat, habe ich mich umorientiert und die Ausbildung zur Kauffrau für Speditions- und Logistikdienstleistung entdeckt. Die Inhalte fand ich spannend, und vor allem wusste ich: Transportiert werden muss immer.“

Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung im Jahr 2010 wechselte sie 2011 zu Sievert Logistik nach Leipzig. „Ich wollte wieder heimatnah arbeiten und habe durch Zufall Sievert entdeckt. Die Entscheidung hat sich absolut gelohnt“, betont sie. Der Schritt in die Spedition bedeutete für sie erstmals direkten Kontakt zu den jeweiligen operativen Prozessen: „In meiner Ausbildung hatte ich diese Berührungspunkte nicht, da mein Ausbildungsbetrieb ein Industriebetrieb war. Ich wollte tiefere Einblicke in die Disposition und Tourenplanung bekommen und den direkten Kontakt zur Fahrerbelegschaft haben.“

Weiterbildung als Türöffner

Schon früh setzte Helbig auf berufsbegleitende Qualifikationen. 2013 schloss sie die Weiterbildung zur Wirtschaftsfachwirtin ab und übernahm parallel die Leitung eines Dispositionsteams. 
Alice Helbig von Sievert Logistik im grauen Pulli telefoniert an ihrem Arbeitsplatz
© Foto: Sievert Logistik

Diese Kombination aus Praxis und Weiterbildung sowie interne Strukturveränderungen ermöglichten ihr den nächsten Karriereschritt: 2016 übernahm sie die Rolle der Speditionsleiterin.

„Dass ich den Abschluss zur Wirtschaftsfachwirtin nebenbei geschafft habe, darauf bin ich richtig stolz“, sagt Helbig. Den Erfolg führt sie auch auf die Unterstützung ihres Arbeitgebers zurück: „Mein damaliger Vorgesetzter und das Unternehmen haben mich von Anfang an gefördert. Ohne diese Rückendeckung hätte ich die Weiterbildung neben der Arbeit nicht geschafft.“

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Frauenanteil in der Logistik: Realität und Umgang

In Helbigs Team spiegelt sich die nach wie vor geschlechterspezifische Struktur der Branche wider: In einem 67-köpfigen Team sind vier Frauen im kaufmännischen Bereich tätig und eine Fahrerin. Trotz dieser Zahlen hat sie nie die eigene Akzeptanz in Frage gestellt: „Ich habe nie daran gezweifelt, ob ich als Frau akzeptiert werde. Für mich war das kein Thema.“ Bei auftretenden Rollenvorstellungen habe sie stets direkt reagiert:


"Ich habe aber die betroffene Person direkt angesprochen und auf das Fehlverhalten aufmerksam gemacht, damit sich solche Verhaltensweisen gar nicht wiederholen. Man muss da klare Grenzen ziehen,"

bekräftigt sie.


Ihr Führungsstil hat ihr Respekt verschafft. So sieht sie inzwischen auch Vorteile darin, als Frau in der Logistik zu arbeiten: „Man hat auf manche Sachen einen anderen Blickwinkel oder regelt Situationen auf eine andere Art und Weise.“

Operative Verantwortung und Teamführung

Der Arbeitsalltag der Speditionsleiterin umfasst ein breites Spektrum: Bei Personalthemen von Einstellungen über die Entwicklung bis zu Mitarbeitergesprächen, bei den Kennzahlen ihres Standortes die Verantwortung des Umsatzes und der Ergebnisse, bis hin zur Fuhrparkentwicklung sowie die Betreuung neuer und bestehender Kunden.

Dabei spielt die Fähigkeit, parallel laufende Aufgaben zu koordinieren, eine zentrale Rolle. „Multitasking! Ich habe gelernt, wirklich viele Dinge parallel zu managen und gleichzeitig den Überblick zu behalten“, sagt Helbig.

Trotz hoher Belastung gefällt ihr gerade die Vielfalt der Aufgaben. Humor sei dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor: „Klar, es ist manchmal stressig. Aber genau das macht den Reiz aus und ich habe gelernt Grenzen zu ziehen, um auch wirklich abzuschalten. Und es wird viel gelacht. Ohne Humor funktioniert es nicht“, findet Alice Helbig.

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Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen

Sievert Logistik setzt auf strukturierte Personalentwicklung – darunter Talentprogramme oder Workshops und flexible Arbeitszeitmodelle. „Bei Sievert Logistik hat man viele Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Wenn man selbst etwas erreichen will, wird man dabei unterstützt. Gerade für Eltern helfen flexible Arbeitszeiten und tagsüber angesetzte Netzwerktreffen“, sagt Helbig.

Blick nach vorn und Botschaft an junge Frauen

Für ihre eigene Zukunft bleibt sie offen: „Aktuell bin ich in meiner Position zufrieden. Natürlich möchte ich mich aber auch noch fachlich und persönlich weiterentwickeln. Ich bin offen für alles, mal schauen, was sich noch ergibt.“

Jungen Frauen empfiehlt sie, sich aktiv mit Logistikberufen auseinanderzusetzen: „Informiert euch, seid neugierig und mutig, geht offen auf Neues zu. Und vor allem: Habt Vertrauen in euch selbst.“


Gleichstellung in der Logistik: Weltfrauentag und Equal Pay Day im Fokus

Der Blick auf Helbigs Laufbahn fällt dabei in eine Phase, in der gleich zwei zentrale Termine für Gleichberechtigung und Lohngerechtigkeit hintereinanderliegen: Am vergangenen Sonntag, den 8. März, fand weltweit der Internationale Frauentag statt – ein Tag, der auch in männerdominierten Branchen wie Transport und Logistik immer wieder zentrale Fragen der Chancengleichheit aufwirft. Nur knapp zwei Wochen zuvor, am 27. Februar, markierte der Equal Pay Day den Tag, bis zu dem Frauen im Durchschnitt arbeiten müssten, um auf das Vorjahreseinkommen von Männern zu kommen.

Zahlen aus dem aktuellen Equal-Pay-Journal zeigen, wie tief diese Lücken verankert sind: Frauen erhalten in Deutschland durchschnittlich 16 Prozent weniger Stundenlohn als Männer (Destatis 2025). Dieser Unterschied wirkt sich über das gesamte Berufsleben hinweg aus – vom Einkommen über Vermögensaufbau bis hin zur Altersvorsorge. Besonders deutlich wird das bei der Rentenlücke, die bei 25,8 Prozent liegt.




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