Im Vorfeld des europaweiten Tags der Logistik am heutigen Donnerstag, den 16. April, wurde die aktuelle Lage und Perspektive der Logistikbranche beleuchtet: Dafür setzten sich Christian Kille, Professor für Handelslogistik und Operations Management an der Technischen Hochschule Würzburg‑Schweinfurt und Initiator der „Logistikweisen“, und Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik, mit den verschiedenen Herausforderungen und Chancen auseinander.
Wahrnehmung der Logistik als Karrierefeld
Ein Schwerpunkt des Pressegesprächs lag auf der Frage, wie die Logistik in der Bevölkerung als Karriere‑ und Zukunftsbranche wahrgenommen wird. Gerade vor dem Hintergrund tiefgreifender Umbrüche in klassischen Vorzeigebranchen rückt die Logistik verstärkt in den Fokus. Dazu wurden die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Initiative „Die Wirtschaftsmacher“ besprochen, die sich mit dem Bild der Logistik in der Öffentlichkeit befasst. Dabei geht es auch um die Attraktivität logistischer Berufsbilder sowie um langfristige Perspektiven für Fach‑ und Nachwuchskräfte in einem wirtschaftlich angespannten Umfeld.
Insgesamt verfüge die Logistik in der Bevölkerung über positives Image, geht aus der Studie hervor. Eine deutliche Mehrheit sehe die Branche als stabilen und zukunftssicheren Wirtschaftsbereich mit Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Besonders die Intralogistik werde mit ihrem hohen Anteil an technologischen Innovationen und interessanten Managementaufgaben als besonders attraktives Arbeitsfeld wahrgenommen.
Angesichts der wirtschaftlich angespannten Lage gewinne zudem die Arbeitsplatzsicherheit an Gewicht, wovon die Logistik profitiert. Trotz dessen gebe es jedoch weiterhin Wahrnehmungslücken und Vorbehalte.
"Die Zeit ist reif, für die Logistik als attraktiver Arbeitgeber zu werben."
- betonte Christian Kille von THWS.
Vielseitige Tätigkeiten, angespannte Lage
„Der Tag der Logistik ist ein wichtiger Tag, der die Logistik sichtbar machen soll“, sagte Frank Huster vom DSLV. Und dies auch im Praktischen. Er betonte die Wichtigkeit der Branche und die Wertschöpfung die dahinter steht, um Industrie, Handel und die Versorgung der Bevölkerung am Laufen zu halten.
Auch er griff die von Kille angesprochene Wahrnehmung der Berufe und Ausbildung auf, wobei auch er bedauert, dass diese nicht höher sei. Dabei sind die Beschäftigungsmöglichkeiten in der Logistikbranche immens vielseitig: Gerade im kaufmännischen Bereich werden demnach zunehmend IT- und Prozessmanager sowie betriebs- und volkswirtschaftlich gebildete Menschen gesucht, weiß Huster. Logistik werde immer digitaler und immer grüner - somit haben auch Menschen aus der Nachhaltigkeit in der Logistik eine Zukunft. Fachkräfte für Lagerlogistik und Fachlageristen hingegen werden Huster zufolge zunehmend Managementaufgaben hinsichtlich der Automatisierung übernehmen. Auch Bereiche in der Photovoltaik und Elektrifizierung des Fuhrparks werden weiter wachsen.
Im Fahrerbereich und dort im Nachwuchs sehe es jedoch dramatisch aus, sagte Huster weiter. Das sei aber ein grundlegendes Problem, auch in Deutschlands Nachbarländern. Bei dem schlechten Image seien rückhaltlose Vorurteile das Problem.
"Die Fläche der Tätigkeiten ist eigentlich unerschöpflich groß."
- sagte Huster.
„Die Logistik ist momentan sehr angespannt“, betont Huster. Das sei der Weltwirtschaftskrise verschuldet. Auf Nachfrage sagte Huster, dass er sich doch große Sorgen um die Zukunft der Branche mache. Man sehe, dass die Mengen einbrechen und die Energiepreise steigen. Das, was die Bundesregierung gegeben habe, reiche nicht aus, bemängelte er. Dennoch: „Das heißt aber nicht, dass man den Kopf in den Sand stecken sollte.“