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DIHK: 17.000 Betriebe ohne Bewerbung

Azubis verzweifelt gesucht: 40 Prozent der Transport- und Logistikunternehmen konnten 2017 nicht alle ihre Lehrstellen besetzten
© Foto: DOC RABE Media/Fotolia

Immer mehr Unternehmen scheitern bei der Suche nach Auszubildenden. Kaum eine Branche hat größere Nachwuchsschwierigkeiten als das Transport- und Logistikgewerbe.


Datum:
23.07.2018
Autor:
Julia Thomsen
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Berlin. Einen bedrückenden Rekord verzeichnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in seiner neuen Ausbildungsumfrage: 34 Prozent der Unternehmen konnten 2017 ihre Lehrstellen nicht besetzen – nach Worten von DIHK-Präsident Eric Schweitzer der „höchste jemals in unserer Ausbildungsumfrage ermittelte Wert“. Vor allem auch in Transport und Logistik blieben viele Ausbildungsplätze unbesetzt.

Transportbranche auf Platz drei bei unbesetzten Lehrstellen

Schweitzer betonte er, dass branchenübergreifend im vergangenen Jahr 17.000 Betriebe auf ihre ausgeschriebenen Ausbildungsplätze überhaupt keine Bewerbung erhalten hätten; 2016 habe das für insgesamt 15.500 Unternehmen gegolten. „Damit steht fast jeder zehnte Betrieb ohne Bewerber da“, sagte der DIHK-Präsident. „Ich sehe darin eine gefährliche Entwicklung.“ Er warnte, Deutschland gingen die Fachkräfte aus. „Wir engagieren uns gemeinsam mit den Unternehmen für eine Trendumkehr.“ Es gelte, einen höheren Anteil der Schulabgänger für die Berufliche Bildung zu gewinnen.

Die Unternehmen in Transport und Logistik landeten in der Ausbildungsumfrage des DIHK auf dem dritten Platz. 40 Prozent der Unternehmen gaben an, nicht alle Ausbildungsstellen 2017 besetzt haben zu können. 2016 waren es noch 35 Prozent der Unternehmen. Größere Probleme, Nachwuchs zu finden, haben demnach nur die Baubranche sowie das Gastgewerbe.

Bewerbern fehlen Leistungsbereitschaft und Grundkenntnisse

Immerhin sei es 2017 gelungen, trotz rückläufiger Schülerzahlen wieder mehr Ausbildungsverhältnisse zu schließen und mehr Studienabbrecher und mehr Abiturienten für eine duale Ausbildung zu gewinnen, betonte der DIHK-Präsident. Aber: „Wir dürfen mit diesen ersten Fortschritten nicht zufrieden sein“, so Schweitzer. „Ich hoffe deshalb, dass auch die Politik sowie unsere Partner in der Allianz für Aus- und Weiterbildung den Ernst der Lage erkennen.“

Zumal auch die Betriebe, die noch Bewerbungen erhielten, vor großen Herausforderungen stünden, denn: „Nicht immer sind die Bewerber für den Ausbildungsplatz geeignet. Zu häufig fehlen ihnen Leistungsbereitschaft, Belastbarkeit oder Deutsch- und Mathekenntnisse.“ Verschärft werde die Situation dadurch, dass zunehmend erfahrene Mitarbeiter der Baby-Boomer-Generation in Rente gingen. Schweitzer: „Viele Personalabteilungen stellen sich auf die große Welle ab dem Jahr 2020 ein.“

Schulabgänger haben keine klare Vorstellung von Berufen

Der DIHK-Präsident lobte die großen Anstrengungen der Betriebe bei der Förderung von lernschwächeren Jugendlichen oder bei der Integration von Geflüchteten, und er verwies auf die Herausforderung, die die zunehmende Digitalisierung für die Ausbildung junger Menschen bedeute. Das Ziel, vorhandene Ausbildungsplätze zu besetzen, nannte DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks eine „Daueraufgabe“, die einen langen Atem und die Zusammenarbeit mit den Partnern der Beruflichen Bildung erfordere.

Ein starkes Hemmnis für die Unternehmen seien die unklaren Berufsvorstellungen vieler Schulabgänger. „Daher müssen wir in Deutschland schulische und außerschulische Angebote der Berufs- und Studienorientierung verbessern und weiter ausbauen“, forderte Dercks. „Insbesondere die Gymnasien müssen die Gleichwertigkeit der akademischen und Beruflichen Bildung herausstellen.“

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