Wird die Nabelschau in Hannover zur vorerst letzten Feier für die unter Druck geratene Branche? Die deutschen NFZ-Käufer fahren mit großen Sorgenfalten auf der Stirn zur IAA, denn die Zeiten im Transportgewerbe sind rauer geworden. Dies wird sich auch auf die heute noch feiernden Nutzfahrzeughersteller auswirken. So wird das Trio (Kundennähe, neue Märkte, Schnelligkeit) die Unternehmenspolitik der LKW-Bauer nach der Sause in Hannover bestimmen.
Machte in den vergangenen Monaten derjenige Händler das Geschäft, der liefern konnte, schaut die Kundschaft nun genau hin, wer ihre Wünsche am besten erfüllen kann. Für die LKW-Hersteller bedeutet dies, dass sie sich in Deutschland statt primär um das Neugeschäft wieder um ihre Bestandskunden kümmern müssen. „Kundennähe“ ist gefragt.
Das Wachstum im NFZ-Geschäft – so der Tenor in Hannover – findet fern der Alten Welt auf „neuen Märkten“ statt. Denn die Globalisierung erschafft zu jedem kränkelnden Markt mindestens einen neuen, der nach Angeboten verlangt. Und zwar nach jenen, die auf seine entsprechenden Bedürfnisse abgestimmt sind.
So wird man einen technisch-hochgerüsteten Truck nur schwerlich in Russland an den Unternehmer bringen können. Hier zu Lande schon eher. Denn nicht zuletzt halten die kommenden Emissionsstufen die Forschungsabteilungen der NFZ-Riesen auf Trab. Einige Marktteilnehmer erwarten bereits ein neues Wettrüsten. Mit der Folge, dass die Anbieter erneut weit vor dem Stichtag ihre Lösungen auf die Orderlisten hieven. Denn „Schnelligkeit“ ist das dritte Zeichen der neuen Zeit.
Nicht jede der drei Veränderungen in der Politik der NFZ-Hersteller wird auf die hiesigen Fuhrunternehmen Auswirkungen haben. Eines ist aber sicher: Künftig werden die LKW-Bauer wieder ein ganzes Stück näher an ihre Kunden rücken und ein Ohr für ihre Belange haben.
Rocco Swantusch, Redakteur