Ein Quantum Trost hielt das Statistische Bundesamt vergangene Woche bereit: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt setzt im zweiten Quartal seinen Sturzflug aus. Die deutsche Wirtschaftsleistung stieg zwischen April und Juni gegenüber den ersten drei Monaten um 0,3 Prozent. Immerhin. Reicht das Mini-Wachstum, um die siechende Volkswirtschaft zu gesunden?
Diese Hoffnung auf Wiederbelebung teilt Arndt Geiwitz mit vielen Unternehmern. Für ihn ist der Optimismus Teil seiner Profession. Denn der Anwalt aus Neu-Ulm lenkt seit kurzem die Geschicke eines prominenten Krisenopfers in der Nutzfahrzeugbranche: des Trailerbauers Kögel.
Bereits 2004 half die Kanzlei aus Neu-Ulm bei der Rosskur des damaligen Krisenunternehmens. Missmanagement, falsche Produkte, schlampige Verarbeitung. Diese Vergehen verzieh damals nicht einmal ein intakter Trailermarkt, der auf Wachstum drängte. Auf den Schnitt (und die Konzentration auf weniger Marken) folgte die Rallye. Von gemutmaßten 300.000 Trailern, die im Jahr 2012 den zu verteilenden Kuchen bilden sollten, wollten die Bayern ein Fünftel abhaben. 60.000 Einheiten lautete das in einer aufgeheizten Stimmung anvisierte Jahresziel. Im ersten Jahr nach dem Sturz der Weltwirtschaft sind diese Ambitionen zu Krümelchen verkümmert: 2000 Trailer hoffen die Burtenbacher in diesem Jahr an den Mann zu bringen.
Anders als vor fünf Jahren liegen die heutigen Kögel-Probleme nicht an den Produkten oder am Management. Der Markt ist einfach verschwunden – ins Koma gefallen. An den Glauben, dass der neue Pulsschlag von 0,3 das erste Zeichen einer Rückkehr von Vitalität ist, heften sich nicht nur die gut 1100 Kögel-Mitarbeiter, sondern auch die Konkurrenten. Denn wenn man etwas Positives aus der schwierigen Zeit ziehen mag: In einer Branche, die sich traditionell separiert, blickt man gemeinsam auf das Schicksal der Wettbewerber und man fühlt sich plötzlich vereint – in einem Quantum Trost.
Rocco Swantusch, Redakteur