Als der Chefdisponent der Spedition Lührsen Ende Februar in einem Akt schierer Verzweiflung seine Massen-E-Mail verschickte, war die Euphorie groß. „Wir drohen mit einer noch nie da gewesenen Massendemonstration aller Transporteure und Spediteure“, schrieb er, wenn Tiefensee die Mauterhöhung nicht zurücknimmt. Mit deutscher Gründlichkeit wurde zuerst diskutiert, dann organisiert und tatsächlich haben bundesweit zwei Mal zwischen 12.00 und 13.00 Uhr etwa 2000 bis 2500 Trucker aus Protest Rasthöfe angefahren. Eine Raststätte soll sogar von 30 bis 40 LKW angefahren worden sein, sodass alle Stellplätze belegt waren. Ein voller Erfolg, melden die Initiatoren.
Das war ein voller Erfolg? Fahrer machen Pause? „Und wenn die in Berlin jetzt noch keine Angst haben, dann ... dann ... dann schlafen wir sogar auf den Rastplätzen. Jawoll.“, kommentiert ein Leser im VerkehrsRundschau-Blog. Polemisch? Vielleicht. Aber recht hat er. Streiks sollen Druck ausüben, um Veränderung zu bewirken. Davon war diese Aktion weiter entfernt denn je. Oder glaubt irgendjemand, dass auch nur ein Politiker beeindruckt war? Die Italiener hätten kollektiv ihre Autostradas in Parkplätze verwandelt, die Franzosen wahrscheinlich sogar brennende Trucks umgestürzt, was keinesfalls bedeutet, dass man beim nächsten Mal durch Abfackeln seiner unverkäuflichen Euro-3-Trucks am Hattenbacher Dreieck oder am Frankfurter Kreuz Deutschland ins Verkehrschaos stürzen soll. Die Deutschen treffen sich zum Mittagessen auf dem Rastplatz, zumindest einige, dafür aber organisiert, damit Staus vermieden werden.
Dabei wäre Druck dringend nötig. Die LKW-Mauterhöhung treibt reihenweise Transporteure in den Ruin. Es geht Schlag auf Schlag in diesen Tagen, und jetzt hat es auch Lührsen erwischt. Einmal mehr ein Beweis für die Machtlosigkeit des Transportgewerbes.
Anita Würmser, Chefredakteurin