Angesichts der zuletzt stark gestiegenen Kraftstoffpreise infolge des Iran-Krieges führt Österreich deutlich strengere Preisvorgaben für Tankstellen ein. Künftig dürfen Betreiber die Preise für Benzin und Diesel nur noch montags, mittwochs und freitags jeweils um 12 Uhr einmalig anheben, wie zunächst die dpa vermeldete. Preissenkungen bleiben weiterhin jederzeit möglich. Ziel der Regierung in Wien ist es, kurzfristige Preisspitzen zu glätten und das Preisniveau berechenbarer zu machen.
Kritik: Kaum Entlastung für Verbraucher erwartet
Deutschland plant parallele Reform – Einmal‑täglich‑Regel soll kommen
In Deutschland führt die angespannte Situation über die Grenzen hinweg zu politischen Reaktionen. Die Bundesregierung will das österreichische Einmal‑täglich‑Modell übernehmen, um Preissprünge zu begrenzen und die Transparenz zu erhöhen.
Der Unions-Fraktionsgeschäftsführer Steffen Bilger (CDU) betonte, die Regelung solle dauerhaft gelten: Sie biete die Chance, dass es für die Verbraucher zu einer besseren Preisentwicklung komme und natürlich auch zu mehr Transparenz. Die Entscheidung im Bundestag ist laut Bilger noch in dieser Woche vorgesehen. Eine Befassung des Bundesrats könnte bereits am Freitag kommender Woche folgen.
Auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) unterstrich die Dringlichkeit: Der Gesetzentwurf werde derzeit regierungsintern abgestimmt. Ein Abschluss werde „Ende März, spätestens Anfang April“ angestrebt.
Keine Zusatzeinnahmen für den Bund trotz hoher Preise
Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums profitiert der Staat nicht von den gestiegenen Kraftstoffpreisen. Die Energiesteuer sei literbezogen fix, während die Umsatzsteuer durch sinkenden Verbrauch teilweise neutralisiert werde. „Aktuell sehen wir keine Mehreinnahmen“, stellte ein Sprecher klar, eher deuteten Berechnungen auf Mindereinnahmen hin.
Debatte über Preisgestaltung der Mineralölkonzerne
Mineralölbranche warnt vor Folgen der geplanten Kartellrechtsreform
Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie, wies Vorwürfe der „Abzocke“ zurück. Die Margen hätten sich seit Kriegsbeginn nicht verändert. Die Verschärfung des Kartellrechts bezeichnete er als Paradigmenwechsel mit erheblichen Risiken, etwa wenn spätere Preiserhöhungen als unrechtmäßig eingestuft würden.
Bundeskartellamt: Keine unmittelbaren Eingriffsmöglichkeiten
Das Bundeskartellamt sehe jedoch derzeit keine Möglichkeit, gegen die steigenden Spritpreise vorzugehen: Kartellamtspräsident Andreas Mundt betonte im rbb24 Inforadio, dass die Behörde die Preisbildung zwar überprüfe, aber nicht eingreifen könne:"Wir sind keine Preisbehörde - das ist etwas, was vielen Leuten nicht klar ist. Wir können, wenn wir Absprachen finden, die Mineralölunternehmen bebußen und das abstellen.“ Bisher gebe es keine Hinweise auf Absprachen. Die Märkte seien so transparent, dass Unternehmen jederzeit die Preise der Wettbewerber kennen.
Kraftstoffmarkt bleibt auf hohem Niveau stabil
Laut ADAC lagen die durchschnittlichen Kraftstoffpreise in Deutschland am 16. März weiterhin stabil über zwei Euro. Super E10 kostete 2,040 Euro pro Liter, Diesel 2,157 Euro. Seit Beginn des Iran-Kriegs entspricht dies einem Anstieg um 26 beziehungsweise 41 Cent pro Liter. Von den Rekordwerten des Ukrainekriegs ist der Markt jedoch noch entfernt: Sie liegen für E10 bei 2,203 Euro pro Liter, für Diesel bei 2,321 Euro.