Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im Juli erneut stärker gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, lag die Inflationsrate bei 2,8 Prozent und damit deutlich über dem Wert des Vormonats. Hauptursache waren die kräftig gestiegenen Energiepreise.
Gegenüber Juni erhöhten sich die Verbraucherpreise um 0,8 Prozent. Damit bestätigt das Bundesamt die bereits veröffentlichten vorläufigen Zahlen.
Energie bleibt größter Preistreiber
Besonders deutlich verteuerten sich Kraftstoffe und Heizenergie. Nachdem die Bundesregierung die Energiesteuer auf Benzin und Diesel im Mai und Juni vorübergehend gesenkt hatte, liefen die Entlastungen Ende Juni aus. In der Folge zogen die Energiepreise im Juli wieder spürbar an.
Nach Berechnungen der Statistiker lagen die Energiekosten im Juli 8,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Im Juni hatte der Anstieg noch bei 3,4 Prozent gelegen.
Straße von Hormus belastet Märkte
Zusätzlichen Druck auf die Preise übt die angespannte Lage am Persischen Golf aus. Die weiterhin blockierte Straße von Hormus beeinträchtigt den internationalen Öl- und Gashandel und sorgt auf den Energiemärkten für Unsicherheit.
Für die deutsche Wirtschaft hat dies besondere Bedeutung, da zahlreiche Energie- und Rohstoffimporte von stabilen Lieferwegen abhängig sind. Marktbeobachter halten deshalb weitere Preissteigerungen in den kommenden Monaten für möglich.
Niedrigwasser verteuert Kraftstofftransporte
Auch die anhaltende Niedrigwasserlage auf wichtigen Wasserstraßen wirkt sich aus. Vor allem auf dem Rhein steigen die Transportkosten für Kraftstoffe und Vorprodukte, weil Binnenschiffe ihre Kapazitäten nicht vollständig ausnutzen können.
Branchenvertreter gehen davon aus, dass die Versorgung weiterhin gesichert bleibt. Regional können die höheren Logistikkosten jedoch zu zusätzlichen Preisaufschlägen führen.
Lebensmittelpreise bleiben stabiler
Im Vergleich zur Energieentwicklung fiel der Anstieg der Lebensmittelpreise deutlich moderater aus. Nahrungsmittel kosteten im Juli durchschnittlich 0,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Allerdings warnen Ökonomen vor möglichen Folgeeffekten. Höhere Transport-, Lager- und Energiekosten könnten sich mittelfristig auch auf die Preise im Einzelhandel auswirken. Hinzu kommen wetterbedingte Belastungen für die Landwirtschaft durch Hitze und Trockenheit.
Kaufkraft gerät unter Druck
Die höhere Inflation belastet die Kaufkraft der Verbraucher. Wenn Preise schneller steigen als die verfügbaren Einkommen, bleibt den Haushalten weniger Geld für Konsum übrig.
Für die deutsche Wirtschaft ist das eine Herausforderung, da der private Verbrauch als wichtige Stütze der Binnenkonjunktur gilt. Entsprechend aufmerksam werden Politik, Wirtschaft und Finanzmärkte die weitere Entwicklung der Energiepreise beobachten.