Schon wieder hat es einen Großen der Branche erwischt. Einst erste Adresse im Berliner Speditionsmarkt, heute insolvent. Friedrich Schulze, Spitzname „Millionen-Schulze“, hat vergangene Woche Insolvenz angemeldet. Der Fall zeigt das ganze Dilemma der Transportbranche: Kostendruck, Dumpingpreise, Substanzabbau fast nach Heuschreckenart. Vom Fuhrpark mit über 1000 Fahrzeugen sind nur noch 300 übrig. Dass eine Strategie hinter dem Fuhrparkabbau stand, darf bezweifelt werden, schon eher die wirtschaftliche Not. Bis so die Schieflage eines Unternehmens auffällt, vergehen Jahre.
Die Pleite aufzuhalten und eine Sanierung hinzubekommen wird nicht minder lang dauern, auch wenn die Kunden bereits Unterstützung angeboten haben. Eine generöse Geste mit handfestem Selbstzweck, schließlich sind zehn Prozent Fracht mehr immer noch besser, als plötzlich ohne Spediteur dazustehen. Langfristig zahlt kein Kunde aus Mildtätigkeit dauerhaft mehr, als der Markt verlangt.
Ob Schulze schlecht gewirtschaftet hat, wer will das beurteilen? Ein Logo wie zur Gründung vor 94 Jahren oder ein Webauftritt mit dem Charme der 90er machen jedenfalls keinen professionellen Eindruck – immerhin soll ein gutes Marketing 30 Prozent mehr Umsatz bringen.
Viel mehr noch spricht dafür, dass Schulze ein weiteres Opfer in einem wettbewerbsverzerrten Markt ist. Es ist Fakt, dass die Politik ihrem Versprechen, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, immer noch nicht nachgekommen ist. Und so argumentieren die Verlader weiterhin mit Angebot und Nachfrage, die Branche praktiziert unverändert eine Art verbaler Selbstzerfleischung, die Politik sitzt untätig in Berlin und Brüssel und die Pleitewelle geht weiter.
Anita Würmser, Chefredakteurin