WWF-Expertin: Deutschland braucht ein nationales Seehafenkonzept

16.07.2008 10:52 Uhr
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Containerschiff auf der Elbe. (Foto: Hafen Hamburg)

Die Umweltschutzorganisation WWF hat sich für ein nationales Seehafenkonzept ausgesprochen, das die umstrittene neuerliche Elbvertiefung überflüssig machen soll

Hamburg. Die Umweltschutzorganisation WWF hat sich für ein nationales Seehafenkonzept ausgesprochen, das die umstrittene neuerliche Elbvertiefung überflüssig machen soll. Es gebe mit Hamburg, Bremerhaven und dem im Bau befindlichen Tiefwasserhafen Wilhelmshaven nirgends sonst so viele Seehäfen auf engem Raum, sagte die WWF-Referentin für Raumplanung und Küstenschutz, Beatrice Claus, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Dies sei nicht sinnvoll. „Wir fordern, dass die deutschen Seehäfen zusammenarbeiten sollen, dass es eine Aufgabenteilung gibt.“ Es sei nicht nötig, alle zu Tiefwasserhäfen auszubauen, eine Vertiefung der Elbe sei überflüssig. „Aufgrund der Zunahme im Containerumschlag gehen wir davon aus, dass sich der Hamburger Hafen weiterentwickeln kann und die Menschen Arbeit haben2, wies sie Kritik zurück, die Umweltverbände kümmerten sich nicht um die Jobs in der Hansestadt. Hamburg möchte seinen Hafen ausbauen und die Elbe für Schiffe mit einem Tiefgang von maximal 14,5 Metern passierbar machen. Die Kosten für die Elbvertiefung werden derzeit mit rund 330 Millionen Euro beziffert. Experten gehen davon aus, dass dadurch bis zum Jahr 2015 bis zu 43 000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Bereits jetzt arbeiteten rund 163 000 Menschen direkt oder indirekt für den Hafen. Derzeit werde ein Großteil der Güter erst nach Hamburg transportiert, umgeladen und dann wieder 50 Kilometer zurück in den Nordostseekanal gefahren, kritisierte Claus. „Das ist überflüssig.“ Hinzu komme, dass Hamburg große Probleme mit der Hinterlandanbindung habe, eine Elbvertiefung damit schon aus logistischen Gründen keine Vorteile bringe. „Hier wird das Tidefenster auf zwei Stunden erhöht, da kämpft man um halbe Stunden, und dann stehen die Container im Hafen und können nicht abtransportiert werden.“ Claus betonte: „Wir sind der Meinung, eine Elbvertiefung ist eine Verschwendung von Steuergeldern zugunsten von Reedereien.2 Der Bedarf sei noch nicht plausibel dargelegt worden. Die Argumente, ohne eine Elbvertiefung wanderten die Reedereien in andere Häfen ab und tausende Arbeitsplätze gingen verloren, nannte sie nicht stichhaltig. „Das ist nicht plausibel, weil 30 bis 40 Prozent der Container in Hamburg bleiben.“ Müssten diese erst etwa von Rotterdam auf dem Landwege weitertransportiert werden, wäre dies viel zu teuer. Es gehe nicht darum, den Hafen zu verteufeln, betonte Claus. „Wir wollen aber, dass die Ökologie nicht kaputtgemacht wird.“ Da müsse Hamburg Verantwortung übernehmen und deutlich mehr Geld in den Umweltschutz investieren. Die schwarz-grüne Koalition hat bislang vereinbart, eine mit 40 Millionen Euro dotierte Stiftung zur Verbesserung der ökologischen Situation der Elbe zu gründen. (dpa/ak)

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