In der neuen Podcast‑Folge von VerkehrsRundschau Funk sprechen Deborah Baran und Christian Bonk mit Christian Volb, Senior Sustainability Manager bei FORTO, über die Rolle von Emissionsdaten in der Transportlogistik. Der Experte erklärt, wie CO₂‑Werte heute erhoben, bewertet und bereits vor einer Buchung genutzt werden – und welche operativen und technischen Möglichkeiten Unternehmen haben, ihre Emissionen in See- und Luftfracht zu reduzieren.
Wie Emissionsdaten Transportentscheidungen verbessern
Wie CO₂ Transparenz die Transportlogistik verändert
Die Logistikbranche steht unter einem doppelten Druck: Unternehmen formulieren ambitionierte Klimaziele, gleichzeitig steigen Kosten und operative Herausforderungen. Laut BVL‑Studie verfügen rund 80 Prozent der Unternehmen über konkrete CO₂‑Reduktionsziele, doch nur wenige bewerten ihren Fortschritt als hoch. Parallel beeinträchtigen Klimafolgen wie Niedrigwasser, Dürren oder Extremwetter die Transportkapazitäten – Klimaschutz wird damit zu einer Frage der operativen Leistungsfähigkeit.
Planwerte, Primärdaten und die neue Rolle der Transparenz
Damit Emissionsdaten überhaupt für Entscheidungen taugen, müssen sie vergleichbar und nachvollziehbar sein. Die ISO‑Norm 14083 und die europäische Verordnung Count Emissions EU schaffen dafür einen gemeinsamen Rahmen. In der Praxis bleibt es dennoch anspruchsvoll: Vor einer Buchung fehlen oft konkrete Informationen, sodass zunächst mit Planwerten gearbeitet wird.
„Vor der Buchung arbeiten wir zunächst mit einem Planwert – im Verlauf des Transports werden die Daten dann schrittweise präzisiert“, erklärt Volb. In der Seefracht fließen später AIS‑Trackingdaten, gefahrene Distanzen und schiffsspezifische Emissionsfaktoren ein. In der Luftfracht dominieren noch Durchschnittswerte, doch die Integration von Primärdaten über IATA CO‑Connect steht bevor.
CO₂‑Daten in Ausschreibungen und Vergaben
CO₂‑Transparenz ist längst kein reines Reportingthema mehr. Immer häufiger fließen Emissionsdaten in Ausschreibungen, Preisanfragen und konkrete Vergabeentscheidungen ein. Rund zehn Prozent der größeren Tender enthalten inzwischen konkrete Fragen zu CO₂‑Transparenz und Reduktionsmöglichkeiten. „Wir sehen deutlich, dass Kunden die Daten zunehmend schon vorher abfragen – in Ausschreibungen, Preisanfragen und sogar bei einzelnen Sendungen“, sagt Volb. Preis, Laufzeit und Zuverlässigkeit bleiben zwar dominierend, doch der Trend ist eindeutig: CO₂‑Werte werden Teil der operativen Abwägung.
Die wichtigsten Hebel zur Emissionsreduktion
Die größten Reduktionspotenziale liegen zunächst im operativen Bereich: Transporte vermeiden, Sendungen konsolidieren, Verkehrsträger wechseln oder emissionsärmere Services wählen. Die Unterschiede zwischen den Modi sind enorm – eine Zehn‑Tonnen‑Sendung Fernost–Nordeuropa verursacht rund 1 Tonne CO₂ per Seefracht, etwa 3 Tonnen per Schiene und über 50 Tonnen per Luftfracht. Dort, wo Transportmodi nicht veränderbar sind, kommen alternative Kraftstoffe ins Spiel: Biokraftstoffe in der Seefracht oder SAF in der Luftfracht. Unternehmen können Reduktionsstufen flexibel wählen und Budgets schrittweise erhöhen.
Book & Claim: Reduktion ohne physische Umstellung
Book & Claim ermöglicht Emissionsreduktionen, ohne Route oder Transportmodus zu verändern. Der alternative Kraftstoff wird dort eingesetzt, wo Infrastruktur vorhanden ist; die Reduktion wird dokumentiert und eindeutig zugeordnet. Zertifizierte Kraftstoffe und unabhängige Prüfungen sichern die Glaubwürdigkeit. Im Dual Reporting werden fossiler Footprint und Reduktion getrennt ausgewiesen.
Fazit: CO₂‑Transparenz wird sich in den kommenden Jahren zu einer Standardanforderung entwickeln. Kurzfristig bleibt der wirtschaftliche Druck hoch, doch langfristig wird der CO₂‑Wert ein selbstverständlicher Teil der Abwägung zwischen Preis, Laufzeit und Zuverlässigkeit. Die Branche fährt zweigleisig: Transportentscheidungen mit heutigen Möglichkeiten verbessern und gleichzeitig die Umstellung auf neue Kraftstoff‑ und Antriebstechnologien vorantreiben.