Wie CO₂-Transparenz die Transportlogistik verändern kann

02.10.2026 09:00 Uhr | Lesezeit: 3 min
Forto reduktion CO2 Emmissioenen nachweis
Logistikunternehmen müssen ambitionierte Klimaziele erreichen, ohne dabei Laufzeiten, Zuverlässigkeit oder Budgets zu gefährden
©Foto: Forto

Im aktuellen Podcast der VerkehrsRundschau geht es um CO₂-Transparenz, die sich in der Logistik zu einem echten Entscheidungsfaktor entwickelt. Unternehmen stehen unter Kostendruck, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Klimaschutz und Datenqualität. Immer wichtiger wird die Frage: Wie lassen sich Emissionen reduzieren, ohne Laufzeiten, Zuverlässigkeit oder Budgets zu gefährden?

In der neuen Podcast‑Folge von VerkehrsRundschau Funk sprechen Deborah Baran und Christian Bonk mit Christian Volb, Senior Sustainability Manager bei FORTO, über die Rolle von Emissionsdaten in der Transportlogistik. Der Experte erklärt, wie CO₂‑Werte heute erhoben, bewertet und bereits vor einer Buchung genutzt werden – und welche operativen und technischen Möglichkeiten Unternehmen haben, ihre Emissionen in See- und Luftfracht zu reduzieren.

Wie Emissionsdaten Transportentscheidungen verbessern

Wie CO₂ Transparenz die Transportlogistik verändert

Die Logistikbranche steht unter einem doppelten Druck: Unternehmen formulieren ambitionierte Klimaziele, gleichzeitig steigen Kosten und operative Herausforderungen. Laut BVL‑Studie verfügen rund 80 Prozent der Unternehmen über konkrete CO₂‑Reduktionsziele, doch nur wenige bewerten ihren Fortschritt als hoch. Parallel beeinträchtigen Klimafolgen wie Niedrigwasser, Dürren oder Extremwetter die Transportkapazitäten – Klimaschutz wird damit zu einer Frage der operativen Leistungsfähigkeit.

Planwerte, Primärdaten und die neue Rolle der Transparenz

Damit Emissionsdaten überhaupt für Entscheidungen taugen, müssen sie vergleichbar und nachvollziehbar sein. Die ISO‑Norm 14083 und die europäische Verordnung Count Emissions EU schaffen dafür einen gemeinsamen Rahmen. In der Praxis bleibt es dennoch anspruchsvoll: Vor einer Buchung fehlen oft konkrete Informationen, sodass zunächst mit Planwerten gearbeitet wird.

„Vor der Buchung arbeiten wir zunächst mit einem Planwert – im Verlauf des Transports werden die Daten dann schrittweise präzisiert“, erklärt Volb. In der Seefracht fließen später AIS‑Trackingdaten, gefahrene Distanzen und schiffsspezifische Emissionsfaktoren ein. In der Luftfracht dominieren noch Durchschnittswerte, doch die Integration von Primärdaten über IATA CO‑Connect steht bevor.

Containerschiff auf der Straße Hormus
Zehn Tonnen Fracht verursachen auf dem Seeweg etwa eine Tonne CO2
©Foto: picture alliance/dpa | Farshid-M. Bina

CO₂‑Daten in Ausschreibungen und Vergaben

CO₂‑Transparenz ist längst kein reines Reportingthema mehr. Immer häufiger fließen Emissionsdaten in Ausschreibungen, Preisanfragen und konkrete Vergabeentscheidungen ein. Rund zehn Prozent der größeren Tender enthalten inzwischen konkrete Fragen zu CO₂‑Transparenz und Reduktionsmöglichkeiten. „Wir sehen deutlich, dass Kunden die Daten zunehmend schon vorher abfragen – in Ausschreibungen, Preisanfragen und sogar bei einzelnen Sendungen“, sagt Volb. Preis, Laufzeit und Zuverlässigkeit bleiben zwar dominierend, doch der Trend ist eindeutig: CO₂‑Werte werden Teil der operativen Abwägung.

Die wichtigsten Hebel zur Emissionsreduktion

Die größten Reduktionspotenziale liegen zunächst im operativen Bereich: Transporte vermeiden, Sendungen konsolidieren, Verkehrsträger wechseln oder emissionsärmere Services wählen. Die Unterschiede zwischen den Modi sind enorm – eine Zehn‑Tonnen‑Sendung Fernost–Nordeuropa verursacht rund 1 Tonne CO₂ per Seefracht, etwa 3 Tonnen per Schiene und über 50 Tonnen per Luftfracht. Dort, wo Transportmodi nicht veränderbar sind, kommen alternative Kraftstoffe ins Spiel: Biokraftstoffe in der Seefracht oder SAF in der Luftfracht. Unternehmen können Reduktionsstufen flexibel wählen und Budgets schrittweise erhöhen.

Verladung_Luftfracht_Muenchen
Mit über 50 Tonnen CO2 pro zehn Tonnen Fracht sind Luftfrachtsendungen in puncto Emmission am problematischsten
©Foto: Flughafen München/Alex Tino Friedel

Book & Claim: Reduktion ohne physische Umstellung

Book & Claim ermöglicht Emissionsreduktionen, ohne Route oder Transportmodus zu verändern. Der alternative Kraftstoff wird dort eingesetzt, wo Infrastruktur vorhanden ist; die Reduktion wird dokumentiert und eindeutig zugeordnet. Zertifizierte Kraftstoffe und unabhängige Prüfungen sichern die Glaubwürdigkeit. Im Dual Reporting werden fossiler Footprint und Reduktion getrennt ausgewiesen.

Fazit: CO₂‑Transparenz wird sich in den kommenden Jahren zu einer Standardanforderung entwickeln. Kurzfristig bleibt der wirtschaftliche Druck hoch, doch langfristig wird der CO₂‑Wert ein selbstverständlicher Teil der Abwägung zwischen Preis, Laufzeit und Zuverlässigkeit. Die Branche fährt zweigleisig: Transportentscheidungen mit heutigen Möglichkeiten verbessern und gleichzeitig die Umstellung auf neue Kraftstoff‑ und Antriebstechnologien vorantreiben.


Mit dem VerkehrsRundschau-Newsletter immer auf dem neuesten Stand

Von Montag bis Freitag bekommen Sie unser Mittags-Update mit aktuellen Nachrichten aus der Transport- und Logistikbranche kostenfrei in Ihr E-Mail-Postfach. Zusätzlich bekommen Sie immer samstags digitale VR-Post mit den Wochen-Highlights. Den VR-Newsletter können Sie hier gratis abonnieren.

Sie haben ein Sie haben Fragen, Anregungen oder ein konkretes Anliegen? Dann schreiben Sie uns gerne an das VerkehrsRundschau-Postfach unter verkehrsrundschau@tecvia.com


HASHTAG


#CO2-Transparenz Lieferkette

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


Teamleiter Lager (m/w/d)

Nettetal, Düsseldorf

KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Die VerkehrsRundschau ist eine unabhängige und kompetente Abo-Fachzeitschrift für Spedition, Transport und Logistik und ein tagesaktuelles Online-Portal. VerkehrsRunschau.de bietet aktuelle Nachrichten, Hintergrundberichte, Analysen und informiert unter anderem zu Themen rund um Nutzfahrzeuge, Transport, Lager, Umschlag, Lkw-Maut, Fahrverbote, Fuhrparkmanagement, KEP sowie Ausbildung und Karriere, Recht und Geld, Test und Technik. Informative Dossiers bietet die VerkehrsRundschau auch zu Produkten und Dienstleistungen wie schwere Lkw, Trailer, Gabelstapler, Lagertechnik oder Versicherungen. Die Leser der VerkehrsRundschau sind Inhaber, Geschäftsführer, leitende Angestellte bei Logistikdienstleistern aus Transport, Spedition und Lagerei, Transportlogistik-Entscheider aus der verladenden Wirtschaft und Industrie.