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"Vom Horrorjahr zum Wunderjahr": Deutsche Wirtschaft auf rasanter Aufholjagd

Deutschland hat sich im Rekordtempo aus der Krise gearbeitet
© Foto: Schulte-Brader

Trotz kräftigstem Aufschwung seit der Wiedervereinigung bereitet die hohe Staatsverschuldung der Wirtschaft Sorgen


Datum:
12.01.2011
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Wiesbaden. Die deutsche Wirtschaft ist 2010 in einer rasanten Aufholjagd so stark gewachsen wie noch nie im vereinten Deutschland. Das Bruttoinlandsprodukt legte getragen von einem starken Exportwachstum und gestützt von der anziehenden Binnennachfrage real um 3,6 Prozent im Vergleich zum Krisenjahr 2009 zu. Das berichtete das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden.

"Die deutsche Wirtschaft hat 2010 einen rasanten Aufschwung erlebt. Sie hat sich erstaunlich gut und schnell von den Folgen der Wirtschaftskrise erholt", sagte Bundesamts-Präsident Roderich Egeler. Die erfasste Wirtschaftsleistung von 2,498 Billionen Euro wurde von knapp 40,5 Millionen Erwerbstätigen erbracht. "So viele Erwerbstätige hat es in Deutschland noch nie gegeben", sagte Egeler.

Im vierten Quartal 2010 hat sich das Wachstum der Wirtschaft in Folge des harten Winters allerdings abgeschwächt. Es legte im Vergleich zum Vorquartal nach einer ersten Schätzung der Statistiker preis- und saisonbereinigt um 0,5 Prozent zu. Im dritten Quartal war die Wirtschaft dagegen noch um 0,7 Prozent gewachsen. Ohne den vergleichsweise frühen und kalten Winter wäre nach Angaben aus dem Amt ein Wachstum wie im Herbstquartal möglich gewesen.

2009: Steilster Einbruch der Wirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg

Im Krisenjahr 2009 war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 4,7 Prozent abgestürzt. Dies war der stärkste Rückgang seit dem Zweiten Weltkrieg. Im bisher besten Jahr im vereinten Deutschland war die Wirtschaft im Boomjahr 2006 um 3,4 Prozent gewachsen. Mit dem Wachstum im vergangenen Jahr ist das Niveau vor der Finanzkrise noch nicht ganz wieder erreicht. Experten rechnen damit, dass die deutsche Wirtschaft diesen Schritt im laufenden Jahr schafft.

Gestützt wurde das Wirtschaftswachstum 2010 auch von den Konjunkturprogrammen der Regierungen weltweit. Allerdings riss die Gegensteuerung auch ein großes Loch in die Staatskasse. Das deutsche Haushaltsdefizit kletterte von 72,91 auf den Rekordwert von 88,57 Milliarden Euro. Darin sind Bund, Länder und Kommunen sowie die Sozialversicherungen enthalten.

Erstmals seit fünf Jahren wurde mit einem Wert von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auch die Defizitgrenze des EU-Stabilitätspaktes wieder verletzt. Der Maastricht-Vertrag sieht eine Obergrenze von maximal 3,0 Prozent vor. Diesen Wert will die Bundesregierung dieses Jahr wieder einhalten.

Konsum und Außenhandel sorgten 2010 für Wachstum

Aufgespalten nach den Wachstumsbeiträgen der verschiedenen Bereiche hatten die Investitionen mit 1,8 Prozentpunkten den größten Anteil am Gesamtwachstum von 3,6 Prozent. Der Außenhandel trug mit 1,1 Prozentpunkten zum Wachstum bei. Aber auch vom Konsum kamen mit 0,7 Prozentpunkten positive Impulse für die Konjunktur.

Das Volkseinkommen - also die Summe der Arbeitnehmerentgelte und der Unternehmens- und Vermögenseinkommen - kletterte 2010 um 6,0 Prozent. Das war der höchste Anstieg seit 1992. Im Gegensatz zu den Jahren 2008 und 2009 ging der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am gesamten Volkseinkommen allerdings zurück. Grund: Unternehmens- und Vermögenseinkommen kletterten nach einem zweistelligen Einbruch 2009 um 13,2 Prozent. Die Arbeitnehmerentgelte wuchsen dagegen nur um 2,6 Prozent.

Starke Auslandsnachfrage und eine gute Konsumstimmung erwartet

Für das laufende Jahr erwarten Volkswirte, dass die deutsche Wirtschaft weiter durch eine starke Auslandsnachfrage und eine gute Konsumstimmung wächst. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer ist besonders zuversichtlich: "Für das Jahr 2011 bleiben wir mit einem erwarteten Plus von drei Prozent optimistischer als die meisten Volkswirte." Diese Prognose setze allerdings voraus, dass die Regierungen im Euroraum eine gemeinsame Anleihe beschließen würden, wenn die Staatsschuldenkrise zu eskalieren drohte. Die italienische Großbank Unicredit erklärte, sie erwarte für Deutschland 2011 rund 2,5 Prozent Wachstum. "Vom Horrorjahr zum Wunderjahr", kommentierte Volkswirt Andreas Rees die Zahlen des vergangenen Jahres. (dpa)

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