Visabeschränkungen vor Olympia schaden Europas Wirtschaft in China

13.06.2008 16:59 Uhr

Die Verschärfung der chinesischen Visavergabe vor den Olympischen Spielen in Peking schadet den Geschäften deutscher und anderer europäischer Firmen in China. „Ich kenne kein Unternehmen, das keine Probleme hat“, sagte der Präsident der europäischen Handelskammer in China, Jörg Wuttke, in Peking.

Peking. Betroffen seien Mittelständler genauso wie große Unternehmen. „Es ist in der Tat ein großes Problem.“ Es schade nicht nur europäischen Geschäften, sondern auch chinesischen Unternehmen, die Güter aus Europa kauften. Beim Besuch von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Peking ging Chinas Regierungschef Wen Jiabao am Freitag vor der mitreisenden Wirtschaftsdelegation nicht auf die Visaprobleme ein. Er sagte nur allgemein, sein Land wolle bürokratische Hürden weiter abbauen. Die Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland, das Chinas größter Handelspartner in Europa ist, sah der Ministerpräsident positiv. Informierte chinesische Kreise bedauerten lediglich die Unsicherheiten durch die unklare Visapraxis, deuteten aber auch an, dass vorerst nicht mit Abhilfe gerechnet werden kann. Die Irritationen über die Visavergabe sieht EU-Kammerpräsident Wuttke allerdings nicht vor dem Herbst beseitigt. Immerhin habe das Außenministerium mitgeteilt, dass es eine „temporäre Geschichte“ sei. „Wollen wir mal sehen.“ Die EU habe die Visapraxis immer als unkompliziert gelobt. „Deswegen ist unser Erstaunen jetzt so groß.“ Die Gruppe der Geschäftsleute sei schließlich „nicht unbedingt terrorverdächtig“, sagte Wuttke. Die Umstellung von mehrfachen auf einmalige Einreisen sei genauso ein Problem wie die jetzt aufwendige Antragstellung mit Bestätigungen von Hotels oder Einladungsschreiben. Chinesische Konsulate behandelten Anträge auch unterschiedlich. Besorgt äußerte sich der Kammerpräsident über die Schikanen und Boykotte, denen Frankreich seit den Zwischenfällen beim olympischen Fackellauf in Paris ausgesetzt ist. Hintergrund sind auch Äußerungen von Präsident Nicolas Sarkozy, wegen Chinas Umgang mit dem Dalai Lama vielleicht nicht zur Eröffnung der Olympischen Spiele zu kommen. „Frankreich ist schwer getroffen“, sagte Wuttke. Probleme gebe es unter anderem mit einem Reiseboykott oder Lizenzen für Banken. „Das erschreckt uns alle, weil wir nicht erkennen, wie das wieder gelöst wird.“ Da Frankreich bald die EU-Ratspräsidentschaft übernehme, sei Schaden für andere EU-Mitglieder zu befürchten. „Wir hoffen, dass beide Länder das vorher lösen können´."

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