Nachdem die DB InfraGo die neuen Trassenpreis-Entgeltlisten für das Jahr 2028 veröffentlicht, schlägt der Verband „Die Güterbahnen“ Alarm. Nach Angaben des Verbandes sollen im Güterverkehr die Preise 2028 im Standardsegment um 6,6 Prozent steigen, bei Gefahrgut (v. a. Mineralöl, Chemische Industrie, Düngemittel) um 63,5 Prozent und bei sehr schweren Zügen (v. a. Bauwirtschaft, Stahlindustrie, Energiewirtschaft) sogar um 84,8 Prozent.
Wecker für eine Trassenpreisreform
Im Durchschnitt steigen die Trassenpreise im Güterverkehr laut Angaben des Verbandes „damit um mehr als 14 Prozent“, nachdem bereits für 2027 ein Anstieg um fast 13 Prozent vorgesehen ist. „Lauter kann der Wecker für eine Trassenpreisreform nicht klingeln. Ein Land, das um seine Industrie kämpft, kann sich nicht leisten, diese Reform länger zu verschlafen. Wenn Chemie-, Bau- und Stahltransporte auf der Schiene unbezahlbar werden, wandern nicht nur Güter auf die Straße, sondern Wertschöpfung und Arbeitsplätze ins Ausland“, sagte Oliver Smock, Senior Referent des Verbands „Die Güterbahnen“.
Forderungen an das Bundesverkehrsministerium
Über alle Verkehrsarten, also Nah-, Fern- und Güterverkehr, plant die DB InfraGo damit 1,1 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen ein. Das bestehende Trassenpreissystem ermöglicht es, steigende Infrastrukturkosten an die Eisenbahnverkehrsunternehmen weiterzureichen. Solange das Verkehrsministerium nicht gegensteuert, setzt sich diese Entwicklung fort.
„Dieser Antrag ist kein Ausrutscher, sondern das Ergebnis von politischen Entscheidungen. Die InfraGo hat in der heutigen Gesetzeslage keinen Anreiz, ihre Kosten unter Kontrolle zu behalten, denn zahlen müssen andere. Abhilfe schafft nur eine Neuausrichtung des Trassenpreissystems auf wettbewerbsfähige Preise und mehrjährige Stabilität“, sagte Oliver Smock und forderte: „Das Verkehrsministerium sollte aus seinem Dauerschlaf erwachen und ein Konzept vorlegen – Anregungen aus der Branche zu den notwendigen Gesetzesänderungen und Gesprächsangebote liegen reichlich vor.“
Gefahrgut und Schwerverkehre am stärksten betroffen
Ausgerechnet Gefahrgut und Schwerverkehre sollen laut den Güterbahnen den Löwenanteil der Preissteigerungen schultern. Hintergrund sei: „Die Kunden können ohnehin nicht ausweichen und müssten höhere Preise einfach in Kauf nehmen.“ Diese Rechnung gehe aber nicht auf, warnen die Güterbahnen. „Denn lohnt sich die Schiene für Chemie- und Stahltransporte nicht mehr, landet die Ladung auf dem Lkw oder die Produktion verlagert sich ins Ausland. Weniger Verkehr heißt weniger Einnahmen, und im nächsten Jahr folgt der nächste Preissprung.“