Thema: Wiederbelebung der Schiene soll vor Verkehrsinfarkt retten

03.09.2001 16:45 Uhr

Noch in diesem Monat will EU-Kommissarin Loyola de Palacio ein Weißbuch zur gemeinsamen EU-Verkehrspolitik mit 60 konkreten Vorschläge vorlegen.

Zu viele Tote, Schmutz und Staus: Der Verkehr auf Europas Straßen nimmt immer katastrophalere Züge an. Fachleute der Europäischen Kommission haben dieses Schreckensszenario mit harten Fakten untermauert. Doch für die Vordenker aus Brüssel ist es noch nicht zu spät. Die zuständige EU-Kommissarin Loyola de Palacio setzt nachdrücklich auf Schiff und Schiene, um die Probleme zu lösen. Noch in diesem Monat soll ein Weißbuch zur gemeinsamen EU-Verkehrspolitik mit 60 konkreten Vorschläge vorgelegt werden. Die Probleme sind gewaltig: Jedes Jahr werde EU-weit mit 41 000 Toten im Straßenverkehr "quasi eine ganze Kleinstadt ausradiert", heißt es in politischen Leitlinien der Kommission zu dem Buch. "Wir können uns nicht mit einer solchen alltäglichen Tragödie abfinden", sagt dazu de Palacio. Nach Angaben der Kommission stauen sich Autos und Lastwagen auf dem chronisch überlasteten Straßennetz der Union täglich auf einer Gesamtlänge von 7.500 Kilometern. Die Zahl der Personenwagen hat sich EU-weit in den vergangenen 30 Jahren verdreifacht und wächst um drei Millionen Autos pro Jahr, sagen die Experten. Ohne Umdenken und - lenken dürfte der Schwerlastverkehr bis 2010 im Vergleich zu 1998 um 50 Prozent zunehmen. Entsprechend ist die Luftverschmutzung. Schon jetzt verursacht der Straßenverkehr nach Expertenmeinung etwa 84 Prozent des Ausstoßes an Kohlendioxid, einem der wichtigsten Treibhausgase. Der Verkehr muss von der Straße lautet das Leitmotiv der EU- Experten - weg mit dem seit über 50 Jahren ständig zunehmenden Ungleichgewicht zwischen Asphalt und Schiene. Die Frachtbeförderung per Bahn hat derzeit nur noch einen Anteil von acht Prozent am gesamten Güterverkehr. International verkehrende Güterzüge schleichen mit gerade einmal 18 Kilometern im Schnitt pro Stunde durch Europa. "Wiederbelebung des Schienenverkehrs" heißt es deshalb fett gedruckt im Arbeitspapier der EU-Kommission. Die Märkte für den Gütertransport und den Personenverkehr sollen geöffnet werden, damit es zum überfälligen Wettbewerb zwischen Eisenbahngesellschaften kommt und damit Angebote attraktiver werden. Entsprechend ist für 2002 ein Maßnahmenpaket geplant, "das es diesem Verkehrsträger gestatten dürfte, insbesondere im Güterverkehr seine Kunden vor allem wieder von seiner Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit zu überzeugen". Am Ende soll es ein Eisenbahnnetz ausschließlich für den Güterverkehr geben. Gleichzeitig soll die See- und Binnenschifffahrt gefördert werden. Gedacht ist dabei an "Hochgeschwindigkeits-Seewege", die an das transeuropäische Verkehrsnetz angebunden werden sollen. Für die Binnenschiffer will Brüssel unter anderem Flussanschlüsse und Umschlagsanlagen schaffen, die ganzjähriges Anlegen ermöglichen. Zur Sicherheit im Straßenverkehr bemängelt Brüssel "eine große Zurückhaltung" der Mitgliedstaaten gegenüber Gemeinschaftsmaßnahmen. Dazu gehören die Anschnallpflicht für Kinder in Bussen oder eine gemeinsame Höchstgrenze für Alkoholgehalt im Blut. Hier droht die EU-Kommission an, "notwendige Regelungen zu erlassen, wenn die Zahl der Unfälle nicht abnimmt". Im internationalen gewerblichen Verkehr sollen die Vorschriften zu Kontrollen und Strafen für Tempo- und Alkoholsünder am Steuer vereinheitlicht werden. "Die Toten oder Verletzten im Straßenverkehr bedeuten für die Gesellschaft Kosten in Höhe vieler Milliarden Euro und stellen einen nicht bezifferbaren menschlichen Preis dar", heißt es. Deshalb sei es sich die Union schuldig, die Zahl der Verkehrsopfer bis zum Jahr 2010 zu halbieren. (Jörg Berendsmeier, dpa)

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Die VerkehrsRundschau ist eine unabhängige und kompetente Abo-Fachzeitschrift für Spedition, Transport und Logistik und ein tagesaktuelles Online-Portal. VerkehrsRunschau.de bietet aktuelle Nachrichten, Hintergrundberichte, Analysen und informiert unter anderem zu Themen rund um Nutzfahrzeuge, Transport, Lager, Umschlag, Lkw-Maut, Fahrverbote, Fuhrparkmanagement, KEP sowie Ausbildung und Karriere, Recht und Geld, Test und Technik. Informative Dossiers bietet die VerkehrsRundschau auch zu Produkten und Dienstleistungen wie schwere Lkw, Trailer, Gabelstapler, Lagertechnik oder Versicherungen. Die Leser der VerkehrsRundschau sind Inhaber, Geschäftsführer, leitende Angestellte bei Logistikdienstleistern aus Transport, Spedition und Lagerei, Transportlogistik-Entscheider aus der verladenden Wirtschaft und Industrie.