Karlsruhe. Die Häfen an Oberrhein, Neckar und Main könnten ihren Umschlag nach Ansicht des baden-württembergischen Umweltministeriums in den kommenden 15 Jahren um rund 80 Prozent steigern. Sie müssten dazu aber ihr volles Potenzial ausschöpfen, sagte Verkehrsministerin Tanja Gönner am Donnerstag aus Anlass des Internationalen Hafenkongresses in Karlsruhe. „Da gibt es noch viel Luft nach oben“, sagte die CDU-Politikerin. Binnenhäfen im Südwesten müssten zu „Verkehrsdrehscheiben“ werden. „Ihre Bedeutung als Drehscheiben, an denen die unterschiedlichen Verkehrswege Schiene, Straße und Wasserstraße zusammentreffen, muss ausgebaut werden“, sagte sie. Nach Angaben Gönners werden auf den Wasserstraßen des Landes jedes Jahr rund 34 Millionen Tonnen Güter transportiert, das entspricht einem Anteil von rund sieben Prozent am gesamten Güterverkehr. Für Gönner ist das nicht ausreichend: „Der Schiffsgüterverkehr fristet ein Schattendasein“, sagte sie. Der Transport auf den Wasserstraßen müsse aus der Nische herausgeführt werden, denn er sei vergleichsweise umweltfreundlich. Außerdem könne er mit Blick auf die zu erwartende Zunahme des Güterverkehrs vor allem Straßen entlasten. „Die vorhandenen Potenziale des Transports von Gütern auf den Wasserstraßen sind noch nicht ausgeschöpft“, sagte Gönner. Es müsse gelingen, die Hafeninfrastruktur auszubauen und den Transport auf dem Wasser zu optimieren. Güterschiffe müssten einen größeren Beitrag leisten, wenn es in den kommenden Jahren darum ginge, die weitere Zunahme des gesamten Güterverkehrs zu bewältigen. Würden die Häfen und Wasserwege besser an Straßen und Schienennetz angebunden, wäre es zum Beispiel leichter und attraktiver, Waren umzuschlagen. Durch eine engere Zusammenarbeit einzelner Häfen könnten außerdem Kräfte gebündelt und gleichzeitig Spezialisierungen ermöglicht werden. Außerdem müssten Häfen noch vorhandene freie Flächen für Transport und Logistik sichern. Erster Kooperationsvertrag unterschriftsreif Gesagt, getan: Die Rheinhäfen in Wörth und Karlsruhe wollen am Freitag (23. April) einen Kooperationsvertrag unterzeichnen. „Wir können so die Planungen verbessern und erfolgreicher wirtschaften“, sagte ein Sprecher der Rheinhäfen Karlsruhe. Der Stadt- und Ölhafen am badischen Ufer und der Rheinhafen in der Pfalz könnten halbvolle Ladungen zum Beispiel nach Rotterdam vom anderen Hafen auffüllen oder Personal wie etwa einen Hafenmeister auf zwei Standorte verteilen. Denkbar sei auch, dass der Straßburger Rheinhafen, der in Lauterburg ein neues Containerterminal errichtet, in die Planungen einbezogen wird, hieß es. Im Jahr 2008 wurden auf den Wasserstraßen in Baden-Württemberg 34 Millionen Tonnen Güter transportiert. Dabei entfielen 77 Prozent auf den Rhein und 22 Prozent auf den Neckar. 26,5 Millionen Tonnen dieser Güter wurden an den zehn größeren Binnenhäfen des Landes umgeschlagen. Von den zehn größten Binnenhäfen in Deutschland liegen drei in Baden-Württemberg: in Mannheim, Karlsruhe und Kehl. Weitere größere Häfen gibt es in Breisach, Weil und Rheinfelden, Heilbronn, Stuttgart, Plochingen und Wertheim. (dpa)
Süd-West-Häfen sollen als Drehscheiben attraktiver werden
Häfen sollen Vorteile durch neue Partnerschaften und Kooperationen besser nutzen / Verkehrsministerin Gönner mahnt Optimierungsbedarf der Infrastruktur an