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Stuttgart 21 wird weitergebaut

Zumindest temporär verließ er die Verhandlungen um Stuttgart 21 als Sieger: Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn
© Foto: dapd/Daniel Kopatsch

Nächste Woche sollen die Bauarbeiten wieder starten / Die baden-württembergische Landesregierung wollte sich nicht an den Kosten des Baustopps beteiligen


Datum:
10.06.2011
2 Kommentare

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Stuttgart. Die Schonzeit für die grün-rote Landesregierung im Konflikt um das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 ist vorbei. Von kommender Woche an lässt die Bahn die Bagger wieder rollen. Der Bau- und Vergabestopp für das Milliardenvorhaben werde nach mehr als zwei Monaten Stillstand aufgehoben, kündigte der bundeseigene Konzern am Freitag nach einer Sitzung des Lenkungskreises der Projektträger in Stuttgart an.

Land und Bahn konnten sich bei dem Treffen auf kein gemeinsames Vorgehen einigen. „Wir wollen nächste Woche die Bautätigkeiten hochfahren“, kündigte Bahntechnikvorstand Volker Kefer an. Es solle aber vermieden werden, dass die Bagger „martialisch“ vorfahren. „Wir wollen nicht bewusst auf der Baustelle eskalieren“, fügte der Bahnmanager mit Blick auf die zurückliegenden heftigen Proteste gegen Stuttgart 21 hinzu. Der Konzern werde am kommenden Montag über Details informieren.

Die Landesregierung bedauerte die Entscheidung der Bahn. „Wir verstehen nicht, dass man nicht auf das Ergebnis des Stresstests wartet“, sagte der Stuttgart-21-Gegner und Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Er kritisierte die Bahn scharf: Ihre mangelhafte Transparenz bei der Kalkulation der Baustoppkosten habe eine Einigung unmöglich gemacht. Weil keine glaubwürdigen und nachvollziehbaren Zahlen des Bauträgers vorgelegen hätten, habe das Land keinen Baustopp beantragt.

Erwartet wird, dass die Bahn zunächst das 17 Kilometer lange Rohrleitungssystem im Stuttgarter Talkessel installiert, mit dem das Grundwasser bei den Tiefbauarbeiten im Gleichgewicht gehalten werden soll. Kefer betonte, vor dem Ende des Stresstests würden keine unumkehrbaren Fakten geschaffen. Auch mit der Vergabe von zwei Tunnelbau-Aufträgen in Höhe von insgesamt 750 Millionen Euro werde bis zur Offenlegung der Testergebnisse gewartet. Am 14. Juli sollen die Resultate der Computersimulation für den geplanten unterirdischen Durchgangsbahnhof im Vergleich zum bestehenden Kopfbahnhofes in einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt und diskutiert werden.

Hätte das Land einen formalen Antrag auf weiteren Bau- und Vergabestopp gestellt, hätte es sich auch an den dadurch entstehenden Kosten beteiligen müssen: laut Bahn 50 bis 60 Millionen Euro für einen Baustopp bis zur Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse, 410 Millionen Euro bis zur geplanten Volksabstimmung im Oktober.

 Hermann widersprach dem Eindruck, nun sei Stuttgart 21 unumkehrbar: „Der Volksentscheid ist der Ort, wo über das Projekt endgültig entschieden wird, und nicht am heutigen Tag.“ Das Land lege großen Wert darauf, dass der Protest gegen den Weiterbau zivilisiert und gewaltfrei ablaufe. (dpa)

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KOMMENTARE


Markus Maier

13.06.2011 - 15:18 Uhr

Ich verstehe diese Diskussion nicht. Die Bahn gehört doch dem Staat, damit also dem Bürger. Wenn jetzt der Souverän beschließt Stuttgart 21 nicht zu bauen oder auch wie geschehen eine neue Regierung wählt, um dies zu erreichen ist die Bahn das letzte Unternehmen, welches die Umsetzung verweigern dürfte. Aber hier sieht man einmal mehr wie undemokratisch unsere Wirtschaft tickt. Nicht das Volk darf entscheiden, sondern Manager in Hinterzimmern, sicher nicht zu ihrem Nachteil.


Vitruvius

14.06.2011 - 12:15 Uhr

Das Projekt in der Stuttgarter Innenstadt betrifft nicht nur den Personenverkehr, sondern auch den Gütertransport. Dieser soll künftig über die gleichen Gleise erfolgen wie der Hochgeschwindigkeits-Zug.Leider berichtet die Verkehrs-Rundschau nicht über dieses Projekt und die nachteiligen Folgen für den Gütertransport. Vor allem auch die zukünftigen Investitionen der Bahn für den Gütertransport kommen zu kurz. Die etwa 4 Milliarden EURO für den quergelegten Bahnhof, angebunden durch 2 Tunnel durch äußerst risikoreichen Untergrund, wären an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt.


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