Stockholm/München. Die Gewerkschaften beim schwedischen Nutzfahrzeughersteller Scania haben mit massiver Kritik an den Job-Garantien beim Konkurrenten MAN überraschend eine neue Front beim Tauziehen um die Fusion beider Unternehmen eröffnet. In einem heute in Stockholm veröffentlichten Schreiben erklärten alle beiScania vertretenen Gewerkschaften, bei einem Bestehen der bis 2012 geltenden und von der IG Metall ausgehandelten Beschäftigungsgarantie für 7000 MAN-Mitarbeiter werde man die Zustimmung zum Zusammengehen verweigern. MAN will die Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung in den Fusionsverhandlungen nicht zur Disposition stellen. „Das ist keine Verhandlungsmasse“, sagte ein MAN-Sprecher. Befürchtungen, nach einer Übernahme von Scania seien Arbeitsplätze in Schweden besonders in Gefahr, seien unbegründet. Jede Marke müsse nach einer Fusion dafür sorgen, dass sie effektiv arbeite. Der IG Metall-Vertreter im MAN-Aufsichtsrat, Harald Flassbeck, sagte, es werde „auf gar keinen Fall“ einen Rückzug vom MAN-Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2012 geben. Der für die schwedischen Gewerkschaften im Scania-Aufsichtsrat sitzende Kjell Wallin bestätigte, dass es vor der heutigen Erklärung keinen Kontakt zur IG Metall gegeben habe. Zum Hintergrund meinte er: „Wir können das Risiko von Arbeitsplatzabbau nach einem Zusammengehen nicht allein bei Scania tragen.“ In der Erklärung hieß es, dass „MAN seine eigenen Probleme nun offensichtlich nur mit Hilfe von Scania lösen kann.“ Wallin warf dem ebenfalls schwedischen MAN-Konzernchef Håkan Samuelsson vor, bei den bisherigen Fusionsgesprächen die im Sommer vereinbarten Arbeitsplatzgarantien verschwiegen zu haben. Man verstehe seitens der schwedischen Gewerkschaften zwar durchaus das Interesse der IG Metall an der Sicherung deutscher Arbeitsplätze. Dies könne aber nicht einseitig zu Lasten der Scania-Beschäftigten in Schweden gehen. Auf die Frage, wie er als schwedischer Gewerkschafter auf Kritik an selbst durchgesetzten Arbeitsplatzgarantien durch ausländische Gewerkschaften reagieren würde, sagte Wallin: „Da wäre ich ziemlich böse.“ Man habe sich in diesem Fall aber auch sehr schnell und ohne innergewerkschaftliche Diskussion äußern müssen, weil MAN erheblichen zeitlichen Druck ausübe. „Wir mussten etwa tun, ehe es zu spät ist“, sagte Wallin. (dpa/sb)
Scania-MAN: Neue Front im Übernahmekampf
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