Rostock. Die Führung der angeschlagenen Fährreederei Scandlines hat bis spätestens Ende April Entscheidungen zur zukünftigen Ausrichtung des Unternehmens angekündigt. Dabei gehe es auch um die Personalplanung und die Standortfrage, sagte John Steen-Mikkelsen, Geschäftsführer der Scandlines AG, in einem dpa-Gespräch. Zuvor wolle das Unternehmen nicht mit Details an die Öffentlichkeit gehen. Das sei mit Betriebsrat und Gewerkschaften vereinbart worden. Steen-Mikkelsen betonte die Brisanz der Situation. „Vor allem im Frachtbereich gibt es über alle Linien hinweg einen Rückgang von mehr als 20 Prozent – momentan sieht es schlecht aus.“ Steen-Mikkelsen räumte ein, dass die Übernahme des Unternehmens durch ein Konsortium im Juni 2007 die Situation erschwere. Die Finanzinvestoren Allianz Capital Partners und 3i aus Großbritannien sowie die Deutsche Seereederei (DSR) in Rostock hatten Scandlines zu einem Preis von 1,56 Milliarden Euro von den früheren Eigentümern Dänemark und Deutsche Bahn gekauft. Seither drückten 1,1 Milliarden Euro Schulden auf die Bilanz, hohe Zinsen müssten gezahlt werden, sagte der Manager. „Wenn die Übernahme und Wirtschaftskrise nicht gleichzeitig gekommen wären, stünden wir da wie alle anderen und bräuchten nicht so harte Maßnahmen durchzuführen.“ Scandlines hatte angekündigt, bis Ende 2010 rund 400 der 2400 Stellen zu streichen. „Wir müssen uns anpassen, und das bedeutet, dass wir weniger Leute haben werden.“ Einige Bereiche der Rostocker Verwaltung sollen nach Puttgarden (Schleswig-Holstein) verlegt werden. Es lägen auch fertige Pläne für den Bau von zwei Schiffen in der Schublade. „Wir waren kurz davor, sie zu bestellen, dann kam die Krise“, sagte Steen-Mikkelsen. Das Unternehmen war in die Kritik geraten, da die früheren Eigner in den vergangenen zehn Jahren nicht in neue Schiffe investiert hatten. „Wir sind grundsätzlich ein gesundes Unternehmen“, sagte Steen-Mikkelsen. Es bestehe die Möglichkeit auf dem Markt, dass andere viel mehr zu leiden haben als Scandlines. „Dann sind wir natürlich offen. Das wäre ein Chance für Scandlines, dass wir ein anderes Unternehmen übernehmen. Werden wir sehen – das kommt auf den Preis an.“ (dpa)
Scandlines: Klarheit bis Ende April
Fährreederei kündigt Entscheidungen zur zukünftigen Ausrichtung des Unternehmens an