Basel/Mannheim. Was den Straßengüterverkehr in Deutschland betrifft, ist der Optimismus der Unternehmen aus der Transportbranche und der verladenden Wirtschaft ungebremst: Schon zum dritten Mal in Folge erwarten sie eine Mengensteigerung in den nächsten sechs Monaten. Das geht aus den neuesten Ergebnissen des Transportmarkt-Barometers im dritten Quartal 2015 hervor, das jedes Quartal von Prognos und dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhoben wird. Dabei werden 250 Unternehmer der Transport- und verladenden Wirtschaft zu ihrer Prognose (sechs Monate) bezüglich der Mengen- und Preisentwicklung befragt.
Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt demnach, dass sich die Transportmengen im Straßengüterverkehr in Deutschland erhöhen. Hier schlagen sich die relativ guten Konjunkturaussichten nieder. Pessimistischer als im Vorquartal fallen dagegen die Erwartungen im Verkehr mit West- und Osteuropa aus. So glaubt beispielsweise fast ein Viertel der Befragten, dass das Transportaufkommen im Straßengüterverkehr mit Osteuropa sinken wird.
Keine Preiserhöhungen durch Lkw-Maut-Ausweitung
Überraschend: Die Experten erwarten, dass die Transportpreise im Straßengüterverkehr sinken – auch im Nahverkehr. Die Befragten scheinen also nicht davon auszugehen, dass die Transportunternehmen die Kostenerhöhungen durch die Ausweitung der Lkw-Maut auf die typischen Nahverkehrsfahrzeuge ab 7,5 Tonnen an ihre Kunden weitergeben. Im letzten Quartal hatte sich über alle Märkte hinweg eine leichte Tendenz zur Preiserhöhung angedeutet. Hier könnte sich aber auch der gesunkene Dieselpreis bemerkbar machen.
Weniger positiv ist die Stimmung bei den Schienen- und Binnenschifffahrtsexperten. Gab es bei der Mengenerwartung im Vorquartal noch ein Zwischenhoch, hat sich die Stimmung in der Binnenschifffahrt eingetrübt. Gingen im zweiten Quartal 2015 noch 40 Prozent der Befragten von steigenden Mengen aus, ist es jetzt nur noch ein Viertel.
Auf der Schiene rechnen in Deutschland fast drei Viertel der Befragten mit gleichbleibenden Mengen. Insgesamt ist die Experteneinschätzung zu den Transportmengen per Bahn jedoch deutlich schlechter als im guten ersten Quartal 2015. Konstanz auch bei den Preisen: Über 70 Prozent der Befragten glauben, dass die Preise gleich bleiben. Allerdings rechnet auch rund ein Viertel mit leichten Preiserhöhungen.
GDL-Streik wirkt nach
Das könnte auch mit den Spätfolgen des Bahnstreiks zusammenhängen. Dafür sprechen die Ergebnisse der Zusatzfrage, die Prognos und ZEW für das Transportmarkt-Barometer im dritten Quartal 2015 gestellt haben. Die Meinungsforscher wollten wissen, ob durch den Streik der GDL die Bahn einen Vertrauensverlust erlitten hat und ob die Streiks dazu geführt haben, dass Kunden andere Verkehrsmittel gewählt haben. Nur 14 Prozent glauben, dass das nicht der Fall ist. Über 85 Prozent sahen das anders. Die Hälfte davon ist der Meinung, dass der Imageschaden sich nur auf die Deutsche Bahn bezieht, die andere Hälfte glaubt, dass das Vertrauen in die Schiene insgesamt unter den Streiks gelitten hat.
Laut der Umfrage hat vor allem der Lkw von den Streiks profitiert. Über 90 Prozent gehen davon aus, dass die Bahnkunden auf die Straße ausgewichen sind. Aber auch die Wettbewerber der Deutschen Bahn scheinen gewonnen zu haben: 40 Prozent nehmen an, dass es Verlagerungen zu anderen Schienengüterverkehrsunternehmen gab (Mehrfachnennungen waren möglich.)
Auch langfristig könnten sich die Streiks negativ auf die Schiene auswirken. Zwar vermutet mit 38 Prozent der Befragten die Mehrheit, dass die Verlagerungen nur während des Streiks auftraten, mit 32 Prozent glauben aber fast genauso viele, dass die Verlagerungen noch das ganze Jahr andauern. 29 Prozent prognostizieren sogar, dass die Verlagerungen über das Jahr 2015 hinaus anhalten. (ks)