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Preise an Tankstellen fallen teils deutlich – Kartellamt beobachtet Entwicklung

Die Sprit-Steuersenkung kommt auch nach Einschätzung des Bundesverbandes freier Tankstellen bei den Kunden an (Symbolbild)
© Foto: Frank May/dpa/picture-alliance

Zwar haben nicht alle Tankstellen ihre Preise stark gesenkt, bei der überwiegenden Mehrheit ergab sich allerdings bereits wenige Stunden nach der Steuersenkung ein klarer Unterschied.


Datum:
01.06.2022
Autor:
Marie Christin Wiens / dpa
Lesezeit:
3 min
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(Aktualisiert um 15:50 Uhr, Zahlen vom Nachmittag ergänzt)

Die Energiesteuersenkung hat am Mittwochvormittag bereits zu großen Teilen bei den Spritpreisen durchgeschlagen. Vor der Steuerentlastung wurde über ein nur langsames Sinken der Spritpreise an Tankstellen spekuliert.

Stand um kurz vor zehn

E10 war zum Stichzeitpunkt 9.50 Uhr um rund 30 Cent pro Liter billiger als 24 Stunden zuvor, Diesel um rund 14 Cent, wie der ADAC auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. „Die Senkung heute Morgen ging schneller als erwartet. Das ist schon mal ein guter Schritt in die richtige Richtung. Es fehlt aber noch ein gutes Stück“, sagte ADAC-Experte Christian Laberer.

Inklusive Mehrwertsteuer beträgt die Entlastung bei E10 35,2 Cent pro Liter, bei Diesel 16,7 Cent.

Im bundesweiten Durchschnitt kostete E10 am Mittwoch um 9.50 Uhr laut ADAC 1,881 Euro pro Liter, Diesel 1,941 Euro. Um diese Zeit ist der Spritpreis an normalen Tagen in der Regel etwas höher als der spätere Tagesdurchschnitt. Insgesamt gebe es viel Bewegung, sagte Laberer.

Rückgang vormittags stärker als nachmittags

Zudem kritisierte er, dass die Rückgänge am Vormittag größer gewesen seien als am Nachmittag. „Das bewegt sich aus Verbrauchersicht in die falsche Richtung.“

Im bundesweiten Durchschnitt kostete E10 am Mittwoch um 14.20 Uhr laut ADAC 1,853 Euro pro Liter, Diesel 1,906 Euro.

„Man merkt, dass der Rückgang wieder ein Stück weit abschmilzt“, so Laberer. Dafür gebe es keinen Grund. „Eigentlich müssten ja immer mehr Tankstellen über frisch gelieferten steuervergünstigten Sprit verfügen.“

Schon am Morgen deutliche Senkung erkennbar

Auch eine Blitzanalyse der Deutschen Presse-Agentur am Morgen hatte in Richtung deutlich gesunkener Spritpreise gewiesen. Auffällig war dabei auch eine sehr große Spannbreite zwischen den Preisen einzelner Tankstellen.

Die Schnellauswertung der Preise an rund 400 Tankstellen in München, Berlin und Hamburg wurde im Zeitraum zwischen sechs und sieben Uhr mithilfe der Spritpreis-Daten des ADAC durchgeführt. Zwar haben nicht alle Tankstellen ihre Preise stark gesenkt, bei der überwiegenden Mehrheit ergab sich allerdings bereits wenige Stunden nach der Steuersenkung ein klarer Unterschied.

E10 weniger als 1,90

So kostete am Mittwochmorgen bei rund 350 der untersuchten Tankstellen der Liter Super E10 weniger als 1,90 Euro. Im gleichen Zeitraum am Dienstag hatte es im untersuchten Bereich nur eine einzige Tankstelle gegeben, die E10 für weniger als 2 Euro anbot. Bei der Mehrheit lag der Preis damals zwischen 2,10 und 2,30 Euro.

Der theoretische Preisunterschied für Superbenzin durch die Steuerentlastung läge bei 35 Cent pro Liter. Das liegt angesichts der vorliegenden Daten grob abgeschätzt in Reichweite der Senkungen. Für eine genauere Bewertung ist es allerdings noch zu früh.

Bei Diesel mehrheitlich weniger als zwei Euro

Auch bei Diesel ergab sich ein klarer Trend in Richtung fallender Preise. Hatte es den Kraftstoff noch am Dienstagmorgen nur in seltenen Fällen für weniger als 2 Euro gegeben, machten diese Preise am Mittwoch bereits die Mehrheit aus.

Mehr als 2,10 Euro wurden dagegen kaum verlangt. Das war am Dienstag noch fast in der Hälfte aller Fälle so gewesen. Bei Diesel liegt die Entlastung durch die Steuersenkung mit knapp 17 Cent pro Liter deutlich niedriger.

Im Vorfeld war erwartet worden, dass die Spritpreise am Mittwoch nicht abrupt fallen werden. Grund dafür ist, dass die gesenkte Steuer nicht beim Verkauf an der Zapfsäule sondern ab Tanklager beziehungsweise Raffinerie anfällt. Das bedeutet, dass alle vor Mitternacht gelieferten Vorräte der Tankstellen noch mit dem normalen höheren Steuersatz belastet sind.

Dass die Mehrheit der Tankstellen dennoch bereits jetzt die Preise kräftig senkte, könnte eine Folge der hohen öffentlichen Aufmerksamkeit und des damit einhergehenden Wettbewerbsdrucks sein.

Verband freier Tankstellen: Steuersenkung kommt beim Kunden an

Die Sprit-Steuersenkung kommt auch nach Einschätzung des Bundesverbandes freier Tankstellen bei den Kunden an. „Die Maßnahme scheint auf den ersten Blick weitestgehend weitergegeben worden zu sein“, sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Stephan Zieger, am Morgen der Deutschen Presse-Agentur.

Die Herausforderung bestehe darin, den niedriger besteuerten Sprit von den Raffinerien und Lagern in ausreichender Menge rasch an die Tankstellen zu bekommen. Der Füllstand der Tanks an den Tankstellen habe zum Teil zunächst nur bei 20 bis 30 Prozent gelegen. Denn volle Tanks mit der alten Steuerlast seien unter kaufmännischen Gesichtspunkten nicht verkraftbar, erläuterte der Geschäftsführer des Verbandes.

Die Nachfrage nach Sprit sei laut einer Momentaufnahme in Berlin nach der Steuersenkung am Mittwoch stark, an einzelnen Zapfsäulen sei Diesel zeitweise ausverkauft gewesen. „Die Kaufzurückhaltung ist weg. Die Autofahrer füllen ihren Tank auf für das Pfingstfest“, sagte Zieger.

Kartellamt blickt auf Spritpreisentwicklung

Das Bundeskartellamt will sich die Entwicklung der Spritpreise rund um die Energiesteuersenkung ab Mittwoch den 1. Juni sehr genau ansehen. Man habe das Monitoring „noch einmal intensiviert“, sagte Präsident Andreas Mundt am Dienstag. „Auch wenn es keine rechtliche Verpflichtung gibt, die Steuersenkung eins zu eins weiterzugeben, handeln die Mineralölkonzerne hier unter dem Brennglas des Bundeskartellamtes.“

Jedoch betonte Mundt auch: „Als Wettbewerbsbehörde können wir hohe, auch sehr hohe Preise nicht einfach verbieten.“ Sie könnten auch im Wettbewerb entstehen. Für kartellrechtswidriges Verhalten, das mit hohen Bußgeldern geahndet werden könne, gebe es bisher keine Hinweise.

Branche unter Beobachtung

Allerdings funktioniere der Wettbewerb im Kraftstoffmarkt „nur eingeschränkt“, so Mundt. Daher beobachte man die Branche genau.

„Wir sehen seit Monaten eine Entkopplung von Rohölpreis und Raffinerie- beziehungsweise Tankstellenpreisen.“ Um „maximale Transparenz für den gesamten Kraftstoffmarkt herzustellen“, habe das Kartellamt zudem eine Untersuchung der Raffinerien und der Großhandelsebene eingeleitet.

Seit Beginn des Ukraine-Krieges sind die Spritpreise in bisher nie gekannte Höhen geklettert. In diesem Zusammenhang gab es auch immer wieder Kritik, dass die Preise zu hoch seien. In diesem Zusammenhang hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bereits im Frühjahr das Kartellamt gebeten, die Spritpreise genau zu beobachten. (mwi/dpa)

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