Karlsruhe. Die Pannen bei der Einführung der LKW-Maut gefährden mehrere große Verkehrsprojekte in Baden-Württemberg. "Wir hoffen alle, dass die Maut in Fahrt kommt und das Geld fließt", sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Stuttgart. Davon hänge etwa der weitere Ausbau der Autobahn 8 ab. Die West-Ost-Achse von Karlsruhe über Stuttgart nach Ulm soll komplett von vier auf sechs Spuren erweitert werden. Dasselbe ist für die Autobahn 5 in Südbaden und für die A 6 zwischen dem Kreuz Walldorf und Heilbronn geplant. Täglich quälen sich 70.000 Autofahrer über die A 8 zwischen Karlsruhe und Leonberg (Kreis Böblingen). Ihnen stehen auf einer Länge von rund 34 Kilometern nur zwei Spuren je Fahrtrichtung und kein Standstreifen zur Verfügung. Die bis zu siebenprozentigen Steigungen sind vor allem für Lastwagen ein großes Hindernis. Unfälle und Staus von acht bis zehn Kilometern Länge gehören zum Alltag. Nach Angaben des Verkehrsministeriums ist dies einer der letzten Autobahnabschnitte Deutschlands mit Vorkriegsstandard. Am Freitag wurde der Planfeststellungsbeschluss für den Abschnitt zwischen Wurmberg und Heimsheim im Enzkreis erteilt. Der Ausbau des zwölf Kilometer langen Abschnitts soll 2004 beginnen und 73,5 Millionen Euro kosten. Der Abschnitt Leonberg-Heimsheim, für den bereits erste Brückenarbeiten durchgeführt wurden, soll bis zur Fußballweltmeisterschaft 2006 fertig sein. Die dafür vorgesehenen Mittel des Anti-Stau-Programms der Bundesregierung sollen eigentlich über die Lkw-Maut bezahlt werden. Doch deren Start verzögert sich immer mehr. Voraussichtlich Ende dieses Jahres enden die Arbeiten am Echterdinger Ei, wo die Bundesstraße 27 die A 8 kreuzt. Mit dem 52 Millionen Euro teuren Ausbau der Autobahn-Anschlussstelle Stuttgart- Degerloch wird ein jahrzehntelanges Nadelöhr beseitigt. Den geplanten Neubau des Albaufstiegs der A 8 zwischen Stuttgart und Ulm wollen Bund und Land mit einer eigenen Maut finanzieren, die nur für eine acht Kilometer lange Strecke erhoben wird. Eine andere große Staustrecke im Land, die A 6 zwischen dem Kreuz Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) und Heilbronn, soll in Kürze durchgängig dreispurig zu befahren sein. Das Teilstück zwischen Wiesloch/Rauenberg und Sinsheim im Rhein-Neckar-Kreis wird provisorisch von zwei auf drei Fahrstreifen ummarkiert. Solche optischen Erweiterungen sind aus Sicht des Verkehrsministeriums aber nur "Notmaßnahmen". Ziel bleibe der "dringend notwendige Ausbau" der Autobahn auf durchgehend drei echte Fahrspuren je Fahrtrichtung. Auch der 40 Kilometer lange Abschnitt der Autobahn 5 zwischen Baden-Baden und Offenburg (Ortenaukreis) soll von derzeit vier auf sechs Spuren erweitert werden. Besonders wegen des Reiseverkehrs ist die Strecke stark ausgelastet. Die A 5 wird vor allem von Reisenden in Richtung Schweiz und Italien genutzt. Teile der Strecke sind bereits fertig geplant, die restlichen Abschnitte sollen Anfang kommenden Jahres in die Planfeststellung, sagte ein Sprecher des Regierungspräsidiums Freiburg. Der Ausbau werde privat finanziert. Die Investoren sollen ihr Geld später über Steuereinnahmen und Erlöse aus der Lkw-Maut zurück erhalten. (vr/dpa)
Pannen bei Lkw-Maut gefährden Verkehrsprojekte in Baden-Württemberg
Beim Ausbau der Autobahnen A 8, A 5 und A 6 drohen Verzögerungen